Der Kessel zum Kartoffelkochen stand in einem schmalen Durchgang zwischen Wohn- und Ökonomiegebäude des „Hirschen“ in Fützen, dem fast 1000 Jahre alten Ort mit dem eindrucksvollen Viadukt der Sauschwänzlebahn. Beim Anfeuern passte irgendjemand nicht auf – der Wind fuhr ins Feuer, Funken sprangen über und setzten eine Holzwand in Brand.

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„Fützen, 7. Oktober 1910. Hier ist heute morgen in der Nähe der Kirche Großfeuer ausgebrochen. Einzelheiten fehlen noch.“ So lautete die erste kurze Meldung des Alb-Bote über die Brandkatastrophe von Fützen vor 110 Jahren. Begünstigt durch Ostwind, sprang das im „Hirschen“ ausgebrochene Feuer rasch auf die umliegenden Häuser über, die zum Teil mit Schindeldächern versehen waren. „Bei der Kopflosigkeit rannte alles umher, nicht wissend, was in eiliger Hilfe das Beste sei“, schrieb der Alb-Bote. Trotz des Einsatzes der Feuerwehren Stühlingen, Bonndorf und Blumberg wurden inkurzer Zeit 18 Gebäude ein Raub der Flammen. Ein Mann erlitt einen Beinbruch, um den sich der Arzt Dr. Preuß aus Stühlingen kümmerte. Er war, wie es hieß, „mittels Auto rasch zur Stelle“.

Vieh und Fahrnisse wurden zum größten Teil gerettet. Unter den vernichteten Häusern war das Kaufhaus Wehinger mit Postagentur. Dort war laut Alb-Bote ein größerer Geldbetrag verbrannt. In den meisten Fällen war Versicherungsschutz gegeben. Der verbliebene Schaden war dennoch groß, da Häuser und Scheunen zum Ende der Erntezeit mit landwirtschaftlichen Erträgen angefüllt waren. „Eigentümlich, dass in dem großen Dorfe keine Feuerwehr besteht, sonst wäre es nicht so weit gekommen“, meinte der Alb-Bote.

Schaulustige kommen mit Zügen

Der am Spätnachmittag des 7. Oktober fällige Personenzug war laut Alb-Bote „stark besetzt, alle wollten nach Fützen, um den Brandplatz zu sehen, wo es an verschiedenen Stellen immer noch fest brannte“. Was beweist, dass Menschen schon in früheren Zeiten von unstillbarer Neugier getrieben wurden, die man heute unter dem Begriff „Katastrophen-Tourismus“ kennt.

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