Schöner konnte der Abschluss des ersten Kulturfestivals der Stadt Waldshut-Tiengen im Langensteinstadion nicht sein: Volle Ränge, blauer Himmel und laue Abendluft. Hier spielte auf der letzten Veranstaltung das Klezmer-Trio Fojgl seine emotionalen Melodien. Vorausgegangen waren – so Kulturamtsleiterin Kerstin Simon – zahlreiche Konzerte, Kabarett, Poetry-Slam, Public-Viewing der Fußball-EM und die Lesung und Preisverleihung des Alemannischen Literaturpreisträgers Christoph Kellers. „Mit allen Höhen und Tiefen“, so Kerstin Simon, „denn wir hatten alles – Sonne, Regen, Sturm und Kälte“. Sie dankte allen Künstlern, den Helfern und dem FC Tiengen 08, der sein Stadion für dieses Festival zur Verfügung gestellt hatte.

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Doch zurück zu Fojgl und dem Programm „Flying Klezmer: Schpilsche mir a lidele in jiddisch!“ Die drei Musiker Johannes Opper (Gitarre und Gesang), Florian Vogel (Violine) und Steffen Hollenweger (Kontrabass) stammen aus dem süddeutschen Raum und kennen sich seit Schulzeiten. Der Geiger Florian Vogel – auf jiddisch Fojgl – gab mit seinem Nachnamen der Band den Namen.

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Die Musiker suchen neben der Vertonung von traditionellen jiddischen Texten und Liedern auch nach ganz eigenen Versionen des Klezmer und lassen Jazz-, Rock- und Pop-Elemente einfließen. Alle spielen mit virtuoser Technik, klopfen, streichen und hämmern auf ihren Instrumenten oder zupfen zart die Saiten, alles auswendig und in ständigem Blickkontakt: „Wir hauen rein und stimmen nach“, erklärte Gitarrist Johannes Opper. Er spielt und singt brillant. Vor allem aber erklärt er dem Publikum die oft unverständlichen jiddischen Texte, Lieder und Geschichten, die hinter ihrer Musik stehen.

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Es sind Geschichten von der Tragik und Komik des Lebens, von bezaubernden Mädchen („Mejdlach wi blumen“) und von Näherinnen am Spinnrad, vom Überleben des kleinen Gauners und von den Tränen des Müllers, der sein Leben überdenkt oder vom „Samovar“. Mal spielen sie zart und melancholisch, mal fetzig, rasend schnell oder fast gewalttätig in hart geschlagenem Rhythmus. Brillant auch die Soli von Florian Vogel auf der Violine. Längst klatschen und wippen die rund 90 Besucher mit und danken nicht nur für die temperamentvolle Zugabe („A bissle freud, a bissle lachen ..., a bissle schnäpsle machen“) mit stürmischem Applaus.