Seit dem Palmsonntag am vergangenen Wochenende blicken die Seelsorger in der Waldshuter Liebfrauenkirche wieder in die Gesichter von Gläubigen. Zwar gibt es aufgrund der Corona-Pandemie nach wie vor keine öffentlichen Gottesdienste in der katholischen Seelsorgeeinheit Mittlerer Hochrhein St. Verena.

Doch müssen die Pfarrer und Gemeindereferenten während der Messe, die seit Ende März mittels Live-Stream im Internet übertragen wird, nicht gänzlich „auf ihre Schäflein“ verzichten, wie Ulrika Schirmaier schmunzelnd erzählt.

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Schirmaier ist Mitglied des Pfarrgemeinderats der Seelsorgeeinheit St. Verena. Auf Facebook sei sie auf eine Aktion gestoßen, die es möglich macht, das Gotteshaus trotz Versammlungsverbot mit Leben zu füllen, wie sie im Gespräch mit dieser Zeitung erzählt. Seit der vergangenen Woche sind an den leeren Kirchenbänken der Liebfrauenkirche Fotoausdrucke von Gläubigen befestigt. Schirmaier hatte über die Pfarrämter die Gemeindemitglieder dazu aufgerufen, Porträtfotos oder Familienfotos von sich zu schicken.

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Mehr als 120 Menschen sind dem Aufruf bislang gefolgt. „Es wäre toll, wenn es noch mehr werden würden“, sagt die Lauchringerin, die die überwiegend per E-Mail eingesendeten Fotos ausgedruckt und an den Kirchenbänken befestigt hat. „Auf diese Weise ist der Pfarrer im Gottesdienst nicht allein, und wir Gläubigen sind auch dabei – wenn auch anders als sonst“, fügt die Katholikin hinzu, deren eigenes Foto in der dritten Reihe links vom Altar aus gesehen hängt.

Die Fotoaktion hatte sich laut Ulrika Schirmaier ein italienischer Pfarrer ausgedacht. Sie selbst stieß im Internet auf den Pfarrer Joachim Giesler aus Achern, der die Idee für seine Gemeinde übernommen hatte. „Ich habe gedacht, das wäre auch etwas für unsere Seelsorgeeinheit“, sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung.

Gesagt, getan. Mittlerweile habe sie sogar Fotos von Gläubigen außerhalb der Seelsorgeeinheit St. Verena erhalten: „Aus Laufenburg, Lottstetten und sogar Konstanz und Baden-Baden“, zählt sie auf. „Dies ist ein wunderbares Zeichen der Gemeinschaft in diesen Krisenzeiten“, freut sich Ulrika Schirmaier.

Ulrika Schirmaier sitzt neben ihrem eigenen Foto auf einer Kirchenbank in der Liebfrauenkirche.
Ulrika Schirmaier sitzt neben ihrem eigenen Foto auf einer Kirchenbank in der Liebfrauenkirche. | Bild: Schlichter, Juliane

Ähnlich sieht es der Leiter der Seelsorgeinheit St. Verena, Pfarrer Ulrich Sickinger, der die Fotoaktion nach eigenen Angaben gerne unterstützt. Er sieht darin, eine gute Möglichkeit, um die Gemeinden während der Corona-Krise zu repräsentieren. „Auch wenn die Menschen nicht da sind, so verdeutlichen die Bilder jeder Liturgin und jedem Liturgen, für wen sie diesen Live-Stream-Gottesdienst feiern“, sagt er.

Pfarrer Ulrich Sickinger.
Pfarrer Ulrich Sickinger. | Bild: Archiv

Auf die Frage, warum er die Aktion gerne unterstützt, sagt Ulrich Sickinger: „Zum einen schätze ich kreative Formen, Glauben lebendig werden zu lassen, zum anderen versuche ich die ehrenamtlichen Mitarbeiter nach meinen Möglichkeiten unter die Arme zu greifen. Und weil diese Aktion ein Zeichen der Verbundenheit innerhalb der Seelsorgeeinheit ist.“

Als Hoffnungszeichen für die Gläubigen sind seit Mitte März wieder regelmäßig die Glocken der Liebfrauenkirche zu hören. Morgens um 6.30 Uhr, mittags um 12 Uhr sowie abends um 18 Uhr und um 19 Uhr ertönt das vor drei Jahren stillgelegte Geläut wegen Sanierungsbedarf der Waldshuter Stadtpfarrkirche. Täglich um 19 Uhr erklingen außerdem die Glocken der anderen katholischen Kirchen in der Seelsorgeeinheit St. Verena.

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