Mit einem Bunten Abend, „The Best Of“, das Beste aus den letzten zehn Jahren, feierten die Oberalpfener Leiterbachpiraten in der Remetschwieler Haagwaldhalle ihr 40-jähriges Jubiläum. In dem dreistündigen Programm standen fast 40 Akteure auf der Bühne, mal solo, mal im Duo, mal im Team. Für Stimmung sorgten auch die drei Ansager, Manfred Butz, Markus Walde und Michaela Stark.

Zu den Highlights zählten die Auftritte der verschiedenen Tanzformationen in ihren prächtigen Kostümen. Den Anfang machte eine Formation, unter der Leitung von Miriam Eckert, mit einem asiatischen Schirmtanz.

Dann folgte ein erster Solo-Auftritt mit Bernd Saffer, der sich über die möglichen Konsequenzen seiner „Image-Kampagne“ ereiferte. Dann hielten die Zuschauer den Atem an, als Martin Siebold einen riesigen Luftballon aufblies – und darin verschwand.

Ob das gelingt? Martin Siebold versucht, in den Luftballon zu schlüpfen.
Ob das gelingt? Martin Siebold versucht, in den Luftballon zu schlüpfen. | Bild: Manfred Dinort

An die Zeiten der Lady Di erinnerte die Nummer „Wachablösung“ mit Harald Walde und Andi Tröndle. Dann demonstrierte Philipp Müller den typischen Tagesablauf eines deutschen Handwerkers und seines Lehrlings, ein „aufregender“ Tag. Mit typischen Kostümen führten Martina Welte, Michaela Stark und Alexandra Schlageter die witzige Pantomime „Drei Chinesen ohne Kontrabass“ auf.

Drei Chinesen: Die Leiterbachpiraten sind ein internationales Phänomen. Ob diese drei Akteure gerade aus China zurückkommen?
Drei Chinesen: Die Leiterbachpiraten sind ein internationales Phänomen. Ob diese drei Akteure gerade aus China zurückkommen? | Bild: Manfred Dinort

Anschließend philosophierte Markus Richnow über die Nöte des Mannes beim Erledigen seiner „Intim-Rasur“.

Dann ging es in einem kuriosen Werbefilm um das „Leiterbacher Öl“ aus Oberalpfen, ein Mehrzwecköl für alle Fälle. Nach der ersten Pause wurde es im Saal dunkel, und es folgte ein raffinierter Tanz, „Illusion in Schwarz“.

Dann hieß es „Spring doch vom Balkon“. Die Details dieses waghalsigen Unternehmens erläuterten Tanja Hierholzer, Miriam Eckert und Daniela Faller. In der Pantomime „Brillenträger“ stellten Simon Eckert, Marco Ebner und Sven Siebold unter Beweis, dass man nur das sieht, was man sehen will.

Dann demonstrierten Rainer Welte und Julian Wolber, was ein Robot-Rentner alles draufhat. Mit Martin Siebold und Andi Tröndle traten zwei Magier auf, die zeigten, dass man auch in einem „erbärmlichen“ Zustand noch einiges auf die Reihe bringen kann.

Tratschtanten: Die beiden nehmen alles auf Korn. Wen haben sie jetzt wieder im Visier?
Tratschtanten: Die beiden nehmen alles auf Korn. Wen haben sie jetzt wieder im Visier? | Bild: Manfred Dinort

Nach der zweiten Pause wurde es erneut dunkel im Saal, die Akteure zeigten den „Tron-Dance“, ein spektakuläres Szenario vor dunklem Hintergrund. Dann folgte eine raffinierte Comic-Pantomime mit Simon und Manuel Eckert, Andi Tröndle und Sven Siebold.

Eine Nummer für sich waren wieder die „Golden Girls“, Gabi Eckert und Babsi Frohmüller, die sich gefrustet über ihre sexuellen Erfahrungen unterhielten. Im Anschluss führte Sven Siebold seine raffinierte Show „Cyber Space“ auf.

Nach dem finalen Tanz der „Piraten Pearls“ (Leitung Barbara Siebold) versammelten sich alle Akteure mit ihrem Kapitän Martin Siebold auf der Bühne, um nochmals den Applaus des Publikums entgegen zu nehmen.

„Pflege der Fasnachtstradition ist das Ziel“

Interview mit Martin Siebold, dem Kapitän der Oberalpfener Leiterbachpiraten.

Herr Siebold, der Oberalpfener Narrenverein wurde vor 40 Jahren gegründet. Welches waren die Ziele des neuen Vereins?

Satzungsgemäß ist und bleibt unser Ziel die Pflege der alemannischen Fasnachtstradition. Eigentlicher Auslöser war damals, dass im Dorf nichts mehr für die Kinder geboten wurde.

Waren Sie von Anfang an dabei?

Ja, damals war ich in der „Wäschhüslegruppe“. Da haben wir uns gesagt, wir müssen in der Fasnacht wieder was auf die Beine stellen, zumindest für die Kinder und die Jugendlichen.

Welches waren die Höhepunkte in dieser Zeit?

Für mich, dass sich der Verein als Showtruppe entwickelt hat. Dazu hat die Erkenntnis beigetragen, dass wir in unserem Verein viele Showtalente haben. Der erste große Höhepunkt war das zehnjährige Jubiläum, das in einem großen Zirkuszelt auf dem heutigen Bolzplatz über die Bühne ging. Zu den Höhepunkten zählten auch die selbstgedrehten Filme, die immer gut ankamen.

Sie sind selbst häufig auf der Bühne gestanden, immer mit ungewöhnlichen Nummern...

Es war eine Herausforderung für mich, neben der beruflichen auch die künstlerische Seite präsentieren zu können. Dabei habe ich mich schon immer für das Besondere eingesetzt.

Erinnern Sie sich an den ersten Bunten Abend?

Ja, natürlich. Das war im Oberalpfener Gasthaus „Adler“. Das Besondere: ein vollgestopftes Haus, schlechte Luft – denn es durfte ja noch geraucht werden – aber eine super Stimmung.

Wie sehen Sie die Zukunft der Fasnacht?

Ich glaube, dass wir auf den Dörfern die traditionelle Fasnacht erhalten können. Für alle ärgerlich sind die hohen Gema-Kosten, die Vorschriften des Finanzamtes und der Behörden, sodass man fast schon einen Steuerberater braucht. Das sind auch die Gründe, warum inzwischen viele Vereine vor einer Veranstaltung zurückschrecken, zumal man ja auch in der Haftung ist.

Fragen: Manfred Dinort