Man trifft sich leicht angeheitert nach dem Klassentreffen in Nicos und Danielles Wohnung. Mit dabei ist der gemeinsame Freund Roman. Nico, Unilektor und großer Weinliebhaber, lästert: „Ein glorreicher Abend der Verlierer. Nur du, Roman, bist als Unternehmer und Politiker erfolgreich.“ Doch das Theaterpublikum spürt das Knistern: Die Ehe von Nico und Danielle scheint nicht die beste, und Danielle – mit glitzernden roten Stiefeletten und knappem Lederrock – flirtet ungeniert mit Roman. Und als sie mal rausgeht, macht Nico ein überdeutliches Angebot: „Du gibst mir etwas, was ich haben will, und ich gebe dir etwas, was du haben willst.“ Denn Nico will in die Weinbruderschaft „Fraternité des Chevaliers“ aufgenommen werden. Für die Prüfung braucht er eine Flasche von dem kostbaren Rotwein „90-er Jesus“, den Roman als Investmentanlage besitzt. Nico schlägt einen Tauschhandel vor: „Eine Flasche für eine Nacht mit meiner Frau!“ Roman ist empört: „Das ist abartig! Ich kann das nicht.“

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Dies ist in Kürze der Stoff von Stefan Vögels Komödie „Die Weinprobe„. Sie wurde jetzt spritzig und wirkungsvoll von der „Kaiserbühne„ in Kaiserstuhl aufgeführt, inszeniert von Peter Niklaus Steiner. Aber nicht wie bisher im Amtshaus (früher Laxdal-Theater) sondern coronabedingt in der nahe gelegenen Mehrzweckhalle „Blöleboden“ in der Schulstraße mit viel Platz und weitläufig gestuhlt. Auf der Bühne Tisch und Stühle sowie fünf zur Weinflasche stilisierte Elemente, die mal als Weinbord, mal als Ein- und Ausgang dienen.

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Hier entwickelt sich in sechs Akten das turbulente Geschehen. Tun sie‘s oder tun sie‘s nicht? Kommt es zur Erpressung? Und wie steht Danielle selber zu dem Tauschhandel? Das soll hier nicht verraten werden. Nur eins: Es ist der Abend von drei großartigen Schauspielern. Susanne Kunz als Danielle zeigt eine breite Palette von Gefühlen, mal Verführerin, mal verzweifelt, mal souverän als Chefsekretärin, mal als strahlend Triumphierende. Auch Patric Gehrig als ihr Ehemann Nico ist nicht nur leidenschaftlicher Weinkenner sondern zeigt ein breites Repertoire an Schlitzohrigkeit und Geschäftssinn. Sein Freund und Gegenspieler Jürg Plüss als ehrbarer Politiker Roman scheint am glaubwürdigsten. Oder trickst auch er die andern aus? Zum Schluss jedenfalls fließt der Rotwein und alle tanzen Sirtaki. Ein wunderbar leichter, amüsanter Abend, heftig beklatscht vom Publikum.

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