Drei weitere Stolpersteine wurden in Tiengen auf Initiative des Freundeskreises Jüdisches Leben in Waldshut-Tiengen verlegt. Rund 50 Personen waren hierfür vor das evangelische Gemeindehaus in Tiengen gekommen, wo einst das Haus der jüdischen Familie Levi stand. Sie floh 1935 vor den Nationalsozialisten ins Ausland.

Diese vier Stolpersteine erinnern jetzt vor dem evangelischen Gemeindehaus Tiengen an Mitglieder der Familie Levi, die hier einst wohnte.
Diese vier Stolpersteine erinnern jetzt vor dem evangelischen Gemeindehaus Tiengen an Mitglieder der Familie Levi, die hier einst wohnte. | Bild: Ursula Freudig

Die neuen Stolpersteine erinnern an Lina und Alfred Levi, die Eltern von Ellen Sternberg-Levi, für die dort bereits ein Stolperstein liegt. Ein dritter wurde für Ellens Bruder Henry (Jahrgang 1931) verlegt, der extra mit seiner Familie aus London angereist war. „Henry Levi ist der letzte noch lebende jüdische Mitbürger, der in Tiengen aufgewachsen ist“, sagte Gebhard Kaiser vom Freundeskreis Jüdisches Leben in seinen einführenden Worten.

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Während die Stolpersteine von einem Mitarbeiter des städtischen Baubetriebshofs in den Gehweg einbetoniert wurden, informierte Martina Bucher-Nezirovic (Freundeskreis) über das Leben der auf den Stolpersteinen genannten Menschen und Tiengens evangelische Pfarrerin Susanne Illgner, sprach eine Bibel-Meditation.

Während ein Mitarbeiter des städtischen Baubetriebshofs vor dem evangelischen Gemeindehaus Tiengen die Stolpersteine in das Pflaster ...
Während ein Mitarbeiter des städtischen Baubetriebshofs vor dem evangelischen Gemeindehaus Tiengen die Stolpersteine in das Pflaster einbetoniert, gibt Martina Bucher-Nezirovic (dritte von links, Freundeskreis Jüdisches Leben in Waldshut-Tiengen) Einblicke in das Leben der auf den Steinen genannten Mitgliedern der Familie Levi. | Bild: Ursula Freudig

Nach Ende der Arbeiten sagte Henry Levi das jüdische Totengebet. Er betonte, dass die Stolpersteine für ihn und seine Familie als Zeugnis wichtig wären. Teddy Ezra, Lehrer an der Musikschule Südchwarzwald, spielte Klarinette und unterstrich damit den würdevollen und auch bewegenden Ablauf der Verlegung.

Erinnern und aufarbeiten

Unter den Anwesenden waren auch Landrat Martin Kistler und Oberbürgermeister Philipp Frank. Beide hoben in ihren Ansprachen unsere Pflicht zur Erinnerung und Aufarbeitung des Nationalsozialismus hervor. Dies ganz im Sinne des Ausspruchs von Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, den Gebhard Kaiser zuvor zitiert hatte: „Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird.“

Finanziert wurden die drei Stolpersteine wie immer von Paten. Dies sind der kürzlich verstorbene Reinhard Hoferer, Markus Meßmer und Theo Fröhlich. Bereits über 50 Stolpersteine hat der Freundeskreis Jüdisches Leben in Tiengen, Waldshut und auch umliegenden Orten in den vergangenen zehn Jahren verlegt. Die Stolpersteine sind ein Gedenkprojekt des Künstlers Günter Demnig.

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