Nach gut sieben Monaten war es geschafft: Vor 40 Jahren, am Chilbisamstag, dem 16. August 1980, wurde in der Waldshuter Kaiserstraße nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten der Herrensaal samt Nebenräumen im „Wilden Mann“ eingeweiht. Wolfgang Kirchgässner war der Weihbischof. Aus Wohnungen war wieder ein geschichtsträchtiger Saal geworden, der den Geist der Spätrenaissance atmet, die in unserer Gegend bis ins 17.¦Jahrhundert hinein reichte. Die dominante Mittelsäule im Saal trägt die Jahreszahl 1659.

Früher diente der Saal dem Waldvogt und dem Stadtamtshalter als Repräsentationsraum. Der Dogerner Handwerksmeister und Heimatforscher Heinrich Dold wurde bei der Einweihungsfeier zum Ehrenzunftmeister der Ehemaligen der Junggesellen ernannt. Dold war die treibende Kraft für die Restaurierung gewesen. Er konnte nicht nur den Hausbesitzer Manfred Eschbach für sie einnehmen, er hatte auch Verbindungen zu Hans-Jakob Wörner vom Denkmalschutzamt in Freiburg. Nachdem Wörner eine großzügige Beteiligung seines Amts an den Restaurierungskosten zugesichert hatte, trugen die damals rund 90 Ehemaligen das Projekt mit.

Anfang Januar 1980 begannen die Arbeiten. Viele Ehemalige – unter ihnen etliche Handwerker – krempelten in der Folge die Ärmel hoch und arbeiteten Seite an Seite mit den Fachleuten, unter anderem Restauratoren,. „Wir haben Unmengen von Schutt, Dreck, Gips und altem Holz rausgeholt und abtransportiert“, erinnert sich Heinrich Dold. Oft mussten zur Freilegung der Originaloberflächen etliche Schichten abgetragen werden. Das Eingangsportal und die dekorative Mittelsäule des Saals etwa waren mehrfach überstrichen worden und an den Wänden mussten Wandmalereien freigelegt werden. Soweit als möglich wurde originalgetreu restauriert.

4170 Arbeitsstunden

Die Ehemaligen der Junggesellen haben 4170 Arbeitsstunden in die Restaurierung der Herrenstube investiert. Die Gesamtkosten in Höhe von 648.000¦D-Mark wurden von ihnen, dem Denkmalschutzamt, der Denkmalstiftung, dem Landkreis und der Stadt getragen. Blickfang der Stube ist das herrschaftliche, prunkvoll gestaltete Eingangsportal aus fünf Holzarten mit Elementen in der seltenen Knorpeltechnik. „Das Portal dürfte einmalig im ganzen südbadischen Raum sein“, sagt Heinrich Dold. Nach der Restaurierung war reges öffentliches Leben in der Herrenstube. Die Ehemaligen hielten in dem Saal nicht nur ihre regelmäßigen Treffen ab, sondern veranstalteten dort auch Konzerte und Vorträge.

Die Herrenstube ist noch heute Treffpunkt der Ehemaligen der Junggesellen, aber es ist deutlich ruhiger im Saal geworden. Er kann aber wie früher für Festlichkeiten und Sitzungen gebucht werden. Rund 70 Personen haben Platz. Zu den Nebenräumen gehört eine Küche mit eingearbeitetem Speisenaufzug. Die Herrenstube kann auch besichtigt werden. Dies im Rahmen von städtischen Stadtführungen oder auch bei Führungen durch Ehemalige. Die Restaurierung der Herrenstube im „Wilden Mann“ war nicht das einzige Projekt der Ehemaligen der Junggesellen. Von 1983 bis 1985 haben sie die Waldshuter Spitalkapelle, Keimzelle des heutigen Spitals, restauriert.

Weinladen in der Kaiserstraße

Alexander Wagner und Mitarbeiterin Maria Mattassi. <em>Bild: Claus Bingold</em>
Alexander Wagner und Mitarbeiterin Maria Mattassi. Bild: Claus Bingold

Waldshut (bin) Seit Juli dieses Jahres hat die Waldshuter Kaiserstraße einen Magnet für Weinkenner und Weinliebhaber. Dort, wo einst neben dem Metzgertörle Schuhe angeboten wurden, in der Kaiserstraße 60, hat im Juli Alexander Wagner (29) den „Weinladen“ eröffnet.

Alexander Wagner, der am Hochrhein geboren und aufgewachsen ist, hat nach seiner Ausbildung zum Restaurantfachmann im Hotel Maritim in Köln die Hotelfachschule in Heidelberg besucht. Anschließend absolvierte er eine einjährige Ausbildung an der Wein- und Sommelier-Schule in Koblenz. Berufserfahrung sammelte er in verschiedenen großen Hotels in Deutschland und in der Schweiz. Als ausgebildeter Hotelbetriebswirt und geprüfter Weinsommelier (IHK) verfügt Alexander Wagner einen reichen Erfahrungsschatz in der gehobenen Hotellerie in Deutschland und der Schweiz und weiß, an welchen Kriterien herausragende Qualität erkennbar ist. Sein Augenmerk liegt bei der Auswahl seines Angebotes auf der Qualität des Außergewöhnlichen.

Wenn der Kunde den stilvoll eingerichteten Laden betritt, erwartet ihn ein exquisites und handverlesenes Angebot an Rosé-, Weiß- und Rotweinen, an Schaum- und Perlweinen, an Crémants, Champagner und Cava aus prämierten Winzerbetrieben in Deutschland, Europa und Übersee.

Daneben bietet der Weinladen in seiner Spirituosen-Abteilung feinste Brennkunst aus der Region, darunter auch ein selbst gebrannter Gin, und exklusive Produkte kleiner Familien-Brennereien aus dem Ausland an. Außerdem überrascht Alexander Wagner seine Kunden mit einem außergewöhnlich vielfältigem Craft-Beer-Sortiment, darunter auch ein eigenes Produkt, das in Kooperation mit der Brauerei Rogg in Lenzkirch gebraut wird. Als wäre das noch nicht genug, hat der Weinladen auch noch Kaffee aus eigener Rösterei, im Weinladen in Tiengen, und ein facettenreiches Sortiment an Tees und Teemischungen, die selbst kreiert werden, im Angebot. Die freundlichen Mitarbeiter des Weinladens nehmen sich bei der Beratung ihrer Kunden viel Zeit, um ihren individuellen Geschmack kennenzulernen und ihnen eine passende Auswahl an Produkten vorzustellen. Regelmäßig bietet Alexander Wagner Weinproben, auch online, an.

Zusammen mit dem Elsässer Sommelier Didier Clauss betreibt Alexander Wagner auch noch den Weinladen in Tiengen (seit September 2017) und den Weinladen in Jestetten (seit Februar 2020).

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