Rechtzeitig zum 25-jährigen Bestehen der Garnier-Orgel in der evangelischen Versöhnungskirche in Waldshut ist auch die Festschrift fertig geworden. Sie bietet einen anschaulichen Überblick über die intensiven Jahre der Planung, des Baus und der festlichen Einweihung des Instruments im Jahr 1996. Und über die seither jährlich stattfindenden Orgelkonzerte mit namhaften Organisten.

Die 1996 eingeweihte Orgel von Orgelbauer Marc Garnier.
Die 1996 eingeweihte Orgel von Orgelbauer Marc Garnier. | Bild: Dieter Conrads

Doch in diesem Jahr – ausgerechnet zum Jubiläum – ist alles anders: Die Orgelwoche, geplant von 16. bis 23. April, muss coronabedingt ausfallen. Auch der Orgelbaumeister Marc Garnier, der zum Jubiläum eigens aus Japan angereist wäre, darf nicht kommen. Die vier geplanten Konzerte mit Organisten aus ganz Europa dürfen nicht stattfinden. Doch wie bereits bei der damaligen Orgelplanung, beweist die Gemeinde wieder viel Kreativität und Engagement: Das Orgeljubiläum soll trotzdem digital gefeiert werden.

Wir sprachen mit Bezirkskantor Matthias Flierl, seiner Vorgängerin, Kirchenmusikdirektorin Trude Klein, und Johanna Pick vom Förderkreis für Kirchenmusik, die sich wie viele Waldshuter noch lebhaft an die Zeiten der Orgelplanung erinnern. Wie kam es überhaupt zu dieser besonderen Orgel in Waldshut? Nach dem Neubau der evangelischen Kirche auf dem „Alten Friedhof“ (1976) wurde auch die bisherige Steinmeyer-Orgel dort wieder aufgebaut. „Doch es traten immer wieder technische Störungen auf und die klangliche Qualität war unbefriedigend“, sagt die damalige Bezirkskantorin Trude Klein.

Eine der zahlreichen Arbeitssitzungen mit (von links) Dekan Klaus Zillessen, Pfarrer Christian Rave, Orgelbaumeister Marc Garnier, Hans-Peter und Rose Jüdt vom Förderkreis und Bezirkskantorin Trude Klein.
Eine der zahlreichen Arbeitssitzungen mit (von links) Dekan Klaus Zillessen, Pfarrer Christian Rave, Orgelbaumeister Marc Garnier, Hans-Peter und Rose Jüdt vom Förderkreis und Bezirkskantorin Trude Klein. | Bild: Privat

Als sich die Möglichkeit ergab, die alte Orgel an die evangelische Kirchengemeinde Graben-Neudorf zu verkaufen, beschloss der Waldshuter Kirchengemeinderat den Kauf einer neuen Orgel. Es wurde eigens ein Orgelausschuss gegründet. „Vor allem aber haben wir uns umgehört und sind zu unterschiedlichen Orgelbauern gefahren“, berichtet Trude Klein. „Irgendwann stießen wir so auf Marc Garnier aus dem französischen Jura, der uns einen überzeugenden Entwurf vorlegen konnte.“

Orgelbaumeister Marc Garnier mit einer der Orgelpfeifen.
Orgelbaumeister Marc Garnier mit einer der Orgelpfeifen. | Bild: Privat

Matthias Flierl schwärmt: „Das ist eine ganz besondere Orgel. Eine Orgel mit Charakter. Und mit einem ganz besonderen Klang, mit großer Kraft und Eleganz. Erstens wegen des Baus ihrer konsequent durchgehaltenen Sternform. Und zweitens klanglich. Vorbild waren die Orgeln Norddeutschlands aus dem 17. Jahrhundert. Vor allem Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert, aber auch moderne Musik klingt auf ihr richtig gut. Darum sind uns auch bei unsern Orgelwochen Organisten wichtig, die nicht nur mal schnell des Weges kommen, sondern die vorher hier auch üben, um das Instrument zu verstehen. Der Organist muss zu unserer Orgel passen.“

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Doch bis zum Orgelkauf war es ein langer Weg. Denn es gab auch Widerstände gegen das neue Projekt. Zu teuer. Warum eine neue Orgel? Woher das Geld? Denn die neue Orgel kostete damals – mit heutigen Preisen nicht vergleichbar – 660.000 D-Mark, abzüglich 105.000 D-Mark für den Verkauf der alten Orgel. Deren Renovierung und der Umbau für die Waldshuter Kirche hätte dagegen allein 460.000 D-Mark gekostet. Auch großzügige Spendenzusagen machten Mut. Also entschied sich der Kirchengemeinderat damals für die Neuanschaffung.

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Eine eindrucksvolle Zeit der fantasievollen Spendenaktionen begann. Johanna Pick erinnert sich: „In den Jahren zwischen 1990 und 1996 engagierten sich zahlreiche Mitglieder der Kantorei und des Förderkreises für Kirchenmusik mit dem damaligen Vorsitzenden Dr. Hans Peter Jüdt und dessen klarem Finanzierungsplan für das Orgelprojekt: Dazu gehörte etwa die Einrichtung einer Orgelspender-Mitgliedschaft, eine Pfeifenpatenschaft, monatliche Orgelmatineen mit guten Musikern, regelmäßige Verkaufsstände mit selbst gefertigtem Kunstgewerbe und einen Nikolausmarkt in der Kaiserstraße mit Bienenwachskerzen zum Selberziehen und Kartoffelpuffern (damals gab es noch keinen Weihnachtsmarkt), ein Mozart-Quiz mit Gewinnen, selbst gebastelte Adventskränze, dazu eine Tombola in der Kirche mit Spenden von Geschäften. Oder Gemeindefeste mit Musik wie dem Singspiel ‚Wir bauen eine Orgel‘ für Kinderchöre. Und, und, und.“ Rückblickend sagt Johanna Pick: „Das alles hat uns und die Gemeinde sehr zusammengefügt.“

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Der damalige Oberbürgermeister Martin Albers gratulierte der Gemeinde bei der Orgeleinweihung zu diesem Instrument, „das auch ein herausragendes Beispiel für bürgerschaftliches, ehrenamtliches Engagement“ ist. Im April 1996 fand zur glanzvollen Orgeleinweihung eine erste Orgelwoche statt, bei der sich als Glanzlichter so namhafte Organisten wie Ton Koopman, Jon Laukvik, Jan Willem Jansen und Guy Bovet angesagt hatten. Diese Orgelwochen werden seither jedes Jahr regelmäßig im April wiederholt.

Johanna Pick mit der Festschrift zum Jubiläum der Garnier-Orgel.
Johanna Pick mit der Festschrift zum Jubiläum der Garnier-Orgel. | Bild: Rosemarie Tillessen

Wie kann nun in diesem Jahr gefeiert werden? Dazu sagt Matthias Flierl: „Wir bieten stattdessen ab 16. April drei digitale Videos an – eine Orgelführung durch die Garnier-Orgel in Wort und Bild, dann eine Orgelführung für Kinder. Und schließlich ein Video mit einer Komposition für Orgel und Chor von dem Orgelbaumeister Marc Garnier. Dazu eine digitale Fragestunde zur Orgel als Zoom-Meeting mit mir und Marc Garnier am 23. April um 19 Uhr.“