„Es ist cooler als vor dem Fernseher zu sitzen“, sagt die elfjährige Letitia über das Sommerferienprogramm der Stadt Waldshut-Tiengen, bei dem sie zum dritten Mal mitmacht. Währenddessen lässt die gleichaltrige Lisa ein selbstgebautes Schwirrholz, ein Brettchen an einem Seil, über ihrem Kopf kreisen.

Die beiden Mädchen nehmen gemeinsam mit 83 anderen Kindern, verteilt auf drei Wochen, an der Ferienaktion teil. Diesen Tag verbringen etwa 25 Kinder mit ihren Betreuern im Wald rund um den Tiengener Vitibuckturm. Dort zeigen ihnen die beiden Waldshut-Tiengener Revierförster Carmen Kellermann und Jürgen Bacher, wie man aus Naturmaterialien Musikinstrumente bastelt.

„Jetzt ist Halbzeit, und wir sind sehr zufrieden“, sagt Silke Padova, die Leiterin des Kinder- und Jugendreferats. Auch wenn das fröhliche Lachen der Kinder, das durch den Wald schallt, den Eindruck erweckt, dass es sich um ein ganz normales Ferienprogramm handelt, ist dieses Jahr wegen Corona alles anders. „Abstand halten“, hört man die Betreuer immer wieder an die Kinder gerichtet rufen, die in Kleingruppen aufgeteilt sind. Auf dem Holztisch neben dem Vitibuckturm stehen Flaschen mit Desinfektionsmitteln.

Abstand halten heißt es bei diesem Erinnerungsfoto mit Teilnehmern, Betreuern und den Revierförstern Carmen Kellermann und Jürgen Bacher beim Ferienprogramm im Tiengener Wald. Auch OB Philipp Frank (vorne rechts) schaute vorbei.
Abstand halten heißt es bei diesem Erinnerungsfoto mit Teilnehmern, Betreuern und den Revierförstern Carmen Kellermann und Jürgen Bacher beim Ferienprogramm im Tiengener Wald. Auch OB Philipp Frank (vorne rechts) schaute vorbei. | Bild: Juliane Schlichter

Genau wie in der Turnhalle beim Tiengener Langensteinstadion, wo das Sommerferienprogramm sein Basislager aufgeschlagen hat. Dort werden nach jeder Benutzung die Tischtennisschläger und Bastelscheren gereinigt. „Wenn die Kinder mal müssen, können sie sich Klokärtchen bei den Betreuern holen“, erzählt Padova. So wird sichergestellt, dass sich nur ein Kind im Toilettenraum aufhält.

Das könnte Sie auch interessieren

„Die Sicherheit der Kinder und der Betreuer stand von Anfang an im Mittelpunkt unserer Planungen“, beschreibt Projektleiter Onur Harbelioglu die Situation und fügt hinzu: „Wir haben versucht, die Angebote so zu gestalten, dass unsere Ferienkinder von Sicherheitsvorschriften und Hygienemaßnahmen nicht in ihrer Freude am Spielen und Spaß gehindert werden.“ Und dies sei gelungen. „Wir haben durchweg von allen Eltern positive Rückmeldungen“, berichtet Silke Padova.

Betreuer Marius hilft dem neunjährigen Adrian dabei, Löcher in die Holzscheiben zu bohren.
Betreuer Marius hilft dem neunjährigen Adrian dabei, Löcher in die Holzscheiben zu bohren. | Bild: Juliane Schlichter

Bereits frühzeitig zu Beginn der Corona-Krise hat das Kinder- und Jugendreferat nach Angaben seiner Leiterin bekannt gegeben, dass das Sommerferienprogramm ohne die beliebten Veranstaltungen FEZ und Fezitty stattfindet. Dennoch konnten einige FEZ-Gastgeber für einzelne Programmpunkte gewonnen werden.

Alleinerziehende bei Anmeldung bevorzugt

Die dreiwöchige Ganztagsbetreuung wurde von den letzten drei Ferienwochen auf die ersten drei verlegt. „Viele Eltern sind auf dem Zahnfleisch gegangen“, weiß Padova von der Situation zahlreicher Mütter und Väter, die zeitgleich zu Hause ihre Kinder betreut und gearbeitet haben. Bei der Anmeldung für das Ferienprogramm seien deshalb Eltern bevorzugt worden, die alleinerziehend und berufstätig sind sowie Familien, in denen beide Elternteile arbeiten oder die pflegebedürftige Angehörige haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Es habe genauso viele Anmeldungen gegeben wie Plätze, erzählt Silke Padova. „Einem Kind mussten wir absagen, weil es Asthmatiker ist.“ Die Mutter habe jedoch verständnisvoll reagiert. Oberbürgermeister Philipp Frank freut sich, dass die Aktion überhaupt stattfinde. „Ich danke dem Kinder- und Jugendreferat, dass es den Mut hatte, dieses eingeschränkte Programm zu stemmen“, sagt er und fügt schmunzelnd hinzu. „Ich würde gerne selbst mitmachen, wenn ich noch klein wäre.“

Projektleiter Onur Harbelioglu und der siebenjährige Jakob mit seinem Xylophon.
Projektleiter Onur Harbelioglu und der siebenjährige Jakob mit seinem Xylophon. | Bild: Juliane Schlichter

75 Jahre Geschichte. 75 Jahre Erfahrung. 75 Jahre Journalismus. Sichern Sie sich jetzt für kurze Zeit ein ganzes Jahr zum Jubiläumspreis von 75 €.