Ursula Freudig

Für Kinder naht ein großer Tag: Am Dienstag, 6. Dezember, sind der Nikolaus und Knecht Ruprecht unterwegs. Mit ihren wallenden Gewändern und langen, lockigen Bärten sind die Beiden eine imposante Erscheinung, die seit Urzeiten Kinder in den Bann zieht.

Gleich mehrere werden in Tiengen unterwegs ein. Die einen im Auftrag der Aktionsgemeinschaft und die vielleicht traditonsreichsten, im Auftrag der Kolpingfamilie Tiengen.

Ganz genau weiß keiner, wie lange schon Mitglieder der Kolpingfamilie als Nikolaus und Knecht Ruprecht Kinder in Tiengen und Umgebung in ihrem Zuhause besuchen.

„Unsere Nikolausaktion gibt es meines Erachtens bereits seit etwa 70 Jahren, denn Hans Schuster, Hans Fehr und Egon Slezak waren schon als junge Männer im Einsatz“, sagt Kolpingmitglied Beate Lehmann. Sie organisiert erstmals die Aktion, die zuvor rund 30 Jahre in den Händen von Sigrid Slezak-Herz lag, die sich weiterhin um die Kostüme kümmert.

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Beate Lehmann hat selbst schon als kleines Mädchen Besuch vom Kolping-Nikolaus bekommen. Heute ist sie 47 Jahre alt und schon viele Male selbst als Knecht Ruprecht unterwegs gewesen. Zuletzt vergangenes Jahr als wegen Corona der Nikolaus und Knecht Ruprecht nicht in die Wohnungen hinein gingen, sondern die Kinder vor den Häusern im Freien trafen.

Aus alten Zeiten: Beate Lehmann ist im Bild von 1978 das kleine Mädchen, das hier Besuch vom Kolping-Nikolaus bekommt.
Aus alten Zeiten: Beate Lehmann ist im Bild von 1978 das kleine Mädchen, das hier Besuch vom Kolping-Nikolaus bekommt. | Bild: Werner Dörflinger

Schöne Erinnerungen verbindet sie mit den Besuchen: „Es macht viel Spaß, anfangs in die eher nervösen Kinderaugen zu schauen und etwas später dann in leuchtende, die Kinder haben zunächst großen Respekt, aber das legt sich dann“, erzählt sie.

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Rund fünf bis zehn Minuten dauert der Besuch bei einem Kind. Am Anfang spricht der Kolping-Nikolaus einen kurzen Text, der immer so beginnt: „Gott grüßt Euch alle Gro? und Klein, recht gern kam ich zu Euch herein. Denn seht bereitet ist dies Haus zum Feste vom Nikolaus.“

Die Kinder bekommen vom Nikolaus Geschenke, die vorher von den Eltern übergeben wurden und eine von den Eltern verfasste Liste mit positiven und negativen Infos über ihre Kinder kommt zur Sprache. „Wir kommen aber nicht zum schimpfen und der Knecht Ruprecht hat nur noch deshalb eine Rute in der Hand, weil sie halt zu ihm gehört“, erklärt Beate Lehamnn.

25 bis 30 Besuche am Nikolaustag

Viele in der Kolpingfamilie Tiengen spielen gern ein Mal im Jahr Nikolaus oder Knecht Ruprecht, sodass es bislang nie Engpässe gab. Rund 25 bis 30 Besuche bei Kindern stehen im Schnitt am Nikolaustag an. Dies hauptsächlich in Tiengen und seinen Ortsteilen Detzeln, Breitenfeld und Krenkingen.

Wenn die Kapazitäten reichen, werden auch Gurtweiler Kinder besucht. Ein festes Honorar nehmen der Kolping-Nikolaus und sein Knecht Ruprecht nicht. Was die Eltern von besuchten Kindern freiwillig spenden, wird von der Kolpingfamilie Tiengen weiter gegeben. Welcher soziale Zweck mit dem Erlös der kommenden Aktion unterstützt wird, ist noch offen.

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