Mit dem Hund vorne im Lenkerkörbchen, 20 Kilogramm schwerem Gepäck und viel Motivation: So startete Benedikt Goesmann seine 4500 Kilometer lange Fahrradtour von Paderborn nach Cabo da Roca (Portugal), dem westlichsten Punkt Europas. Damit will der 33-Jährige auf das Thema Leukämie aufmerksam machen. Seine Tour geht durch acht Länder, über die Alpen und verbindet zwei Meere miteinander. Am 18. Tag seiner Tour machte er in Waldshut-Tiengen Halt und fand durch das Gastfreundschaftsnetzwerk „Couchsurfing“ eine Schlafgelegenheit bei Peter Hart aus Weilheim.

Mit der Aktion möchte Benedikt Goesmann zeigen, dass Blutkrebs keine Ländergrenzen kennt und sehr viele Menschen betrifft. Nachdem seine Frau Alicia im November 2019 infolge der Chemotherapien an einer Blutvergiftung verstarb, wollte Goesmann auf dieses Thema aufmerksam machen.

„Da ich Sport und das Reisen schon immer gerne mochte, habe ich mich für das Rad entschieden“, erklärte er. Mit seiner Fahrradtour möchte er Spenden für die DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) sammeln und Aufmerksamkeit für das Thema generieren.

Alicia und ihre Geschichte

Benedikt Goesmann hatte seine Frau Alicia 2014 bei einem Auslandssemester in Kolumbien kennengelernt. 2016 zog sie zu Benedikt Goesmann nach Deutschland. Die gebürtige Ecuadorianerin und der Altenbekener heirateten darauf im Juni 2017. Im April 2019 kam dann die Diagnose: Alicia leidet an einer akuten Lymphatischen Leukämie (ALL), einer sehr aggressiven Form von Blutkrebs.

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Nach etlichen Chemotherapien galt Alicia als „krebsfrei“. Doch im November 2019 ging es Alicia plötzlich wieder schlechter und sie starb schlussendlich am 27. November 2019. „Alicia war immer sehr dankbar über die gute medizinische Versorgung, die sie hier in Deutschland hatte. Doch zu hören, dass es in Südamerika nur eine sehr schlechte Versorgung gibt, hatte sie sehr schockiert“, schildert Goesmann.

In Deutschland hätten Krebserkrankte oft eine Überlebenschance von 80 Prozent, in Südamerika jedoch nur 40 Prozent. Zudem gebe es in Deutschland zu 90 Prozent eine Chance, einen geeigneten Spender zu finden, in Südamerika seien es jedoch nur 40 Prozent. „Ihr Anliegen war es, den Menschen dort zu helfen und nach ihrem Tod wurde ihr Anliegen zu meinem“, erklärte er.

Benedikt Goesmann mit Hund Bruno auf dem Fahrrad auf dem Parkplatz vor dem Langensteinstadion in Tiengen.
Benedikt Goesmann mit Hund Bruno auf dem Fahrrad auf dem Parkplatz vor dem Langensteinstadion in Tiengen. | Bild: Lisanne Brunner

Auf seiner Tour sammelt er Spenden für das neue Standbein der DKSM in Chile. Damit soll dieses beim Ausbau der Spenderdateien oder mit medizinischer Ausrüstung unterstützt werden. Gefragt nach dem Spendenziel sagt Goesmann: „Am Anfang dachte ich, es wäre schön 25.000 Euro zu erreichen, aber schon vor meinem Start hatte ich die 50.000 Euro erreicht.“

Er freue sich über jede Unterstützung und Spende und benannte die Tour als „jetzt schon einen Erfolg“. Zudem möchte er viele Leute motivieren, selbst Knochenspender zu werden, um so vielen Menschen wie möglich zu helfen.

Ausrüstung und Begleitung

„Wenn man einen niedlichen Hund vorne im Korb hat, sehen einen die Leute mit einem Lächeln an“, erzählt Goesmann. Der Hund, Bruno gehörte ursprünglich Alicia. „Somit begleitet mich ein Stück weit Alicia mit.“

So lässt es sich leben! Hund Bruno begleitet die 4500 Kilometer lange Tour im Lenkerkörbchen.
So lässt es sich leben! Hund Bruno begleitet die 4500 Kilometer lange Tour im Lenkerkörbchen. | Bild: Lisanne Brunner

Pro Tag legt der 33-Jährige eine Strecke von ungefähr 70 bis 80 Kilometern zurück und freut sich immer wieder „neue Menschen kennenzulernen und auch neue Regionen zu entdecken“. Benedikt Goesmanns Fahrrad ist mit zwei Trinkflaschen, zwei Satteltaschen, einer zusätzlichen Tasche und mit einem Lenkerkörbchen für Bruno ausgestattet.

Couchsurfing in Weilheim

Auf seiner Tour übernachtet er bei Bekannten, in Hotels oder sucht sich Unterkünfte über Plattformen wie das Gastfreundschaftsnetzwerk „Couchsurfing“. So kam er am Donnerstag zu Peter Hart aus Weilheim. „Ich war sehr überrascht und wusste gar nicht mehr, dass ich dort noch angemeldet war“, erzählt er und lacht.

Benedikt Goesmann (rechts) mit Hund Bruno und seinem Gastgeber für eine Nacht, Peter Hart aus Weilheim.
Benedikt Goesmann (rechts) mit Hund Bruno und seinem Gastgeber für eine Nacht, Peter Hart aus Weilheim. | Bild: Lisanne Brunner

Der 52-Jährige hatte sich vor etwa sechs Jahren bei dem Netzwerk angemeldet, bei dem man kostenlose Reiseunterkünfte finden oder anbieten kann.

Rückreise

Goesmanns Tour soll voraussichtlich am 20. Juni in Lissabon am Cabo de Roca enden – dem westlichsten Punkt Europas und dem Ort, der Südamerika am nächsten ist. Seine Rückreise hat er nicht genau geplant: „Vielleicht fahre ich mit dem Zug zurück oder nehme den Flieger, aber ich weis es noch nicht.“

Zur Autorin: Lisanne Brunner geht in die zehnte Klasse des Klettgau-Gymnasiums. Die 16-Jährige aus Lauchringen machte in den Osterferien ein Praktikum in der SÜDKURIER-Redaktion in Waldshut.