Dunkel verfärbt waren die Messingoberflächen der Steine, jetzt glänzen sie wieder und bilden einen Kontrast zu den grauen Pflastersteinen. Die in das Messing eingravierten Wörter waren nur noch schwer zu lesen, jetzt sind sie wieder deutlich zu sehen. Dass die Stolpersteine in Waldshut wieder aufmerksamen Fußgängern ins Auge fallen, ist Verdienst der Klasse 10b der Christlichen Schule Hochrhein.

Zusammen mit Bodo Masuhr, Religionslehrer der Klasse und Leiter der Christlichen Schule, war die Klasse im Rahmen des Religionsunterrichts Anfang der Woche in Waldshut unterwegs. Mit dabei hatten sie Beutel, in denen Putzzeug war: Spezielles Reinigungsmittel für Messing und Schwämme, die mit Wasser kombiniert, ihre Wirkung zeigten.

Nach der Reinigung: Der Stolperstein für Arthur Siegbert glänzt wieder und die Schrift ist wieder deutlich lesbar.
Nach der Reinigung: Der Stolperstein für Arthur Siegbert glänzt wieder und die Schrift ist wieder deutlich lesbar. | Bild: Ursula Freudig

Bevor die Schüler die einzelnen Stolpersteine reinigten, stellten sie kurz den Menschen und sein Schicksal vor, der zu dem Namen auf dem Stein gehört. Nächste Woche wird die Klasse 10a der Schule weitere Stolpersteine in Waldshut reinigen. Bereits zum zweiten Mal und zukünftig jedes Jahr im Herbst, unterstützen Schüler der Christlichen Schule mit der Putzaktion den Freundeskreis Jüdisches Leben in Waldshut-Tiengen.

Weitere Schulen haben zurückliegend ebenfalls schon die Reinigung von Stolpersteinen übernommen, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Die ersten hat der Freundeskreis 2012 verlegt. Bislang sind über 50 in Waldshut-Tiengen und auch umliegenden Orten in Gehwege und Straßen vor Häusern eingelassen, in denen die auf den Steinen genannten Menschen zuletzt lebten.

Für Bodo Masuhr sind die Stolpersteine und ihre Reinigung durch Schüler eine gute Möglichkeit, um den Nationalsozialismus konkreter werden zu lassen. Dazu gehört auch, dass die Christliche Schule Hochrhein zum Ende eines Schuljahrs regelmäßig mit einer neunten Klasse nach Dachau fährt. Auch für Peter Kaiser, Mitarbeiter der Sparkasse Hochrhein, sind die Stolpersteine eine gute Sache. Sie würden helfen, sich das damalige Geschehen bewusster zu machen und es nicht zu vergessen.

Peter Kaiser war dabei, als zwei Schülerinnen der Christlichen Schule auf dem Gelände der Sparkasse Hochrhein den dort für Arthur Siegbert verlegten Stolperstein reinigten. Ebenfalls anwesend war Magdalena Bucher, Mitbegründerin des Freundeskreises Jüdisches Leben. Sie dankte der Christlichen Schule Hochrhein für ihr Engagement und stellte nächstes Jahr die Verlegung weiterer Stolpersteine in Aussicht.