Ein Wissenschaftler radelt drei Monate durch Deutschland, um das Klima zu retten. Am 23. Juni ist Michael Bilharz mit dem Lastenrad im sächsischen Dessau gestartet, bis zum Tag der deutschen Einheit will er zurück sein. Auf seinem Lastenrad dabei hat er eine symbolische CO2-Tonne, die er für Pressefotos gerne mit Boxhandschuhen traktiert.

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Mit der Radtour will er die Werbetrommel für die Aktion „Die Klimawette“ des von ihm mitgegründeten Verein „3 fürs Klima“ rühren. Das Ziel der Aktion: bis 1. November 2021 eine Million Unterstützer zu erreichen, die eine Millionen Tonnen CO2 einsparen. Dann startet nämlich die Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow, bei der sich Staats- und Regierungschefs mit der Bekämpfung der Klimakrise befassen. „Mit millionenfacher Unterstützung aus der Zivilgesellschaft steigt der Druck auf die Politik, zu handeln“, erklärt Bilharz bei seinem Stopp vor dem Rathaus in Waldshut. Auf der Fahrt nach Waldshut kam ihm das Hochwasser dazwischen: „Ich habe noch versucht, durchzuradeln, aber irgendwann wurde es so tief, dass ich das meinem E-Bike nicht mehr zumuten wollte und umkehren musste.“

Eigentlich trifft er bei seinen Zwischenstopps immer städtische Vertreter, die offiziell die Klimawette annehmen: Dass sie bis 1. November 1,5 Prozent der Einwohner mobilisieren können, bei der Klimawette mitzumachen – auf Deutschland gerechnet sind das nämlich genau eine Million Menschen, auf Waldshut-Tiengen gerechnet 363 Personen.

Video: David Rutschmann

In Waldshut-Tiengen gestaltete sich die Vernetzung leider etwas schwierig, räumt Bilharz ein: die Stadtverwaltung hatte keine Zeit, der Kontakt zu Umweltaktivisten vor Ort konnte nicht hergestellt werden. Dabei arbeitet Michael Bilharz quasi mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Rita Schwarzelühr-Sutter zusammen: Sie ist Parlamentarische Staatssekretärin im Bundes-Umweltministerium, er wissenschaftlicher Mitarbeiter. Dass sie aus Waldshut stammt, war Bilharz nicht bekannt.

Doch auch ohne städtische Vertreter gilt die Wette: Waldshut-Tiengen soll bis November 363 Tonnen CO2 einsparen. Einerseits ist das durch Spenden möglich, die Umweltschutzprojekten zugute kommt: Solarpanels in Äthiopien, Biogas in Nepal, energieeffiziente Kochstellen in Ruanda, Aufforstungen in Borneo oder Uganda sowie dem Erwerb von CO2-Emissionszertifikaten. Andererseits sind auf der Website dieklimawette.de auch 20 Tipps einsehbar, wie jeder einzelne im Alltag seinen ökologischen Fußabdruck verringern kann.

Bis Glasgow ist es noch ein langer Weg, aber auch noch bis Dessau. Bilharz verabschiedet sich, er will an diesem Nachmittag noch bis nach Lörrach radeln. Er hofft, dass ihm nicht erneut das Hochwasser einen Strich durch die Rechnung macht.

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