In diesen Tagen habe ich meine Großeltern besucht – das geht ja jetzt wieder, beide geimpft, wir dürfen uns sogar wieder umarmen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten starten diese Besuche stets mit einem Griff in den Vorratsschrank, wo zuverlässig silberne Tüten eines nicht nur bei Kindern beliebten Süßgetränks nur darauf warten, getrunken zu werden. Bei solch liebgewonnenen Ritualen sind Veränderungen für mich nur schwer zu ertragen.

Dass die in Deutschland gegründete Firma mittlerweile mit dem Markennamen „Capri Sun“ der Anglifizierung zum Opfer fiel, konnte ich noch verkraften. Nicht aber, dass jetzt die orangenen Plastik-Trinkhalme durch Papiervarianten ersetzt wurden. Das minutenlangen Rumkauen auf dem Trinkhalm war für mich der Kern der „Capri-Sonne-Erfahrung“. Doch Papier-Trinkhalme minimieren den gewünschten Kau-Spaß leider – auch wenn das Kauen auf Papier sicher gesünder ist.

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Mir ist klar, dass der Hersteller nur das Verbot von Einwegplastik vollzieht. Das leuchtet ob des Plastikvorkommens in unseren Ozeanen und in unseren Körpern ein. Der Kampf gegen die Klimakrise mahnt jeden zu Verzicht. Deshalb gibt es bei mir auch weniger Fleisch und der Tripp im Billigflieger nach London ist ohnehin schon gestrichen.

Doch der Verzicht auf das Röhrchen fällt mir schwer – vor allem, weil es den Eindruck hinterlässt, die EU verbietet lieber das Einwegplastik des kleinen Mannes, als den CO2-Ausstoß großer Konzerne. Aber es sind wohl die kleinen Dinge, die uns eine lebenswerte Welt hinterlassen, in der noch Generationen von Enkeln zum Süßgetränk im Vorratsschrank greifen dürfen.

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