Eine Auszeichnung für ein Gotteshaus: Weil sie ein sicheres Zuhause für ein bedrohtes Säugetier bietet, für die Fledermaus, bekam die Pfarrkirche Waldkirch die Ehrenplakette der Nabu verliehen. Überreicht wurde das kleine Täfelchen mit der Aufschrift „Lebensraum Kirchturm„ durch den Vorsitzenden der Nabu Ortsgruppe Waldshut-Tiengen, Hauke Schneider. Gemeinsam mit der Mesnerin Inge Schmidt brachte er die Plakette am Portal der Kirche an.

Fledermäuse im Waldkircher Kirchturm, die sich hier ihre „Wochenstube“ eingerichtet haben.
Fledermäuse im Waldkircher Kirchturm, die sich hier ihre „Wochenstube“ eingerichtet haben. | Bild: Nabu

Begleitet wurde die Aktion von den Fledermausbeauftragten der Nabu Freiburg, Beate Hippchen und Franz Aiple. Zuvor hatte beide den Kirchturm bestiegen, um die Mausohren-Fledermauskolonie zu kontrollieren und eine Zählung durchzuführen. „Wir haben fast 300 Tiere gezählt, alles Weibchen mit ihren Jungen“, berichtete Beate Hippchen.

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Die Tiere nutzen den Turm als „Wochenstube“, ziehen hier ihren Nachwuchs hoch, während die Männchen ihr Quartier anderswo haben, vielleicht im Wald, in einer Höhle oder in einem anderen Gebäude. Die Weibchen bekommen ihre Jungen in der Regel synchronisiert, alle am gleichen Tag, aber jeweils nur eines. Die Jungen brauchen sechs Wochen, bis sie flügge sind. Im Herbst fliegen sie aus und steuern das Quartier der Männchen an, das jetzt zum „Balzquartier“ wird. Dann beziehen sie gemeinsam ein frostsicheres Winterquartier, etwa unter Brücken, in Tunnels oder in Höhlen. Während des Winterschlafes verlieren sie ein Drittel ihres Gewichts, obwohl sie nur ganz selten einen Ausflug unternehmen. Im März/April setzt das langsame Erwachen ein und der Jahreszyklus beginnt aufs Neue.

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Weil die Tiere nachtaktiv sind, ist die Zahl ihrer Feinde begrenzt: Dohle, Schleiereule, Uhu und Turmfalke. Einzigartig ist der Orientierungssinn der Tiere, das auf dem Ultraschall und dem Echolotsystem basiert. Doch der Lebensraum der Tiere wird immer knapper. Gründe dafür sind die intensiv geführte Land- und Forstwirtschaft, der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln, der Straßenverkehr und in der Konsequenz das knapper werdende Nahrungsangebot.

Längst stehen die Tiere unter Naturschutz, ihre Brutstätten dürfen nicht angetastet werden, obwohl sie nicht immer nach dem „Geschmack“ des Hauseigentümers sind: Es fällt haufenweise Kot an. In Waldkirch wird der Kot alljährlich von einer Reinigungsfirma eingesammelt, gewogen und von Experten untersucht. Das Fazit der Nabu-Beauftragten: „Wir sind bemüht, wenigstens einmal jährlich jede Kolonie unseres Bezirkes zu besuchen, das sind rund 150 Stationen“. Dabei wird auch Statistik geführt: Mit 650 Tieren wurde 2009 in Waldkirch die höchste Population gezählt.