Eine jährlich ordnungsgemäß durchgeführte Hauptversammlung ist das Fundament des deutschen Vereinslebens. Doch was, wenn höhere Gewalt die Verlesung von Rechenschaftsberichten, die Abhaltung von Vorstandswahlen und die Ehrung treuer Mitglieder gefährdet? Der Ernstfall ist eingetreten in Gestalt der Corona-Pandemie, die für Versammlungen strenge Hygieneschutz-Auflagen gebracht hat. Doch die Betroffenen zeigen sich flexibel bei der Suche nach Lösungen und sorgen dabei für Premieren. Dass etwa der Singkreis im Waldshut-Tiengener Ortsteil
Eschbach seine Hauptversammlung unter freiem Himmel auf dem Hof des Gemeindehauses abgehalten hat, dürfte ein Novum in der Vereinsgeschichte darstellen. Und in Wutöschingen-Horheim sorgt die Pandemie dafür, dass sich auch Funktionäre und Passivmitglieder des örtlichen Fußballclubs auf dem Spielfeld tummeln: Der VfR hält am Montag seine Hauptversammlung auf dem Platz ab (nur bei schlechtem Wetter in der Wutachhalle) und beweist damit, dass ein Verein für Rasenspiele auf dem Grün nicht nur den Ball rollen lassen, sondern auch mit Regularien jonglieren kann. Allen Vereinen, die ihre Jahressitzung noch vor sich haben und ebenfalls ins Freie ausweichen, ist ein goldener Herbst mit mildem Wetter zu wünschen. Und sollte eine Open-Air-Tagung doch einmal bei frischen Temperaturen stattfinden müssen, dürfte wenigstens ein zügiger Ablauf ohne ermüdend lange Protokoll-Verlesungen garantiert sein.