Rund 30 Besucher hatten sich am Karsamstag unter Maßgabe der Corona-Regeln in der katholischen Liebfrauenkirche in Waldshut eingefunden, um gemeinsam mit Pater Bernhard Fuhrmann die Osternacht und die Auferstehung Jesu zu feiern. Es war ein etwas anderer Gottesdienst in diesem Jahr, ohne gemeinsames Osterfeuer etwa oder Singen, aber „wir feiern die Freude über die Auferstehung Christi“, erklärte Pater Bernhard und bestätigte das zur Heiterkeit der Gläubigen mit humorvollen Kirchen-Anekdoten, die er am Ende des Gottesdienstes wiedergab.

Den festlichen Rahmen gestaltete der Kirchenchor mit Kantor Oliver-Schwarz-Roosmann an der Orgel. In seiner Predigt erinnerte Pater Bernhard dann an die Bedeutung von Ostern. Die Frauen hätten das leere Grab gesehen, sich gefürchtet und niemandem darüber berichtet. Damals hätten sie und die und die Jünger erst nach und nach begriffen, dass alles so kommen musste. „Gott lässt seine geliebten Kinder nicht im Stich, auch nicht im Tod oder in Krisen, ohne dieses Wissen fehlt dem Auferstehungsglauben das Fundament“, so Fuhrmann in seiner Predigt. Die gegenwärtigen Krisen zeigten, dass sie nur gemeinsam bewältigt werden könnten. Der Geistliche: „Gott trägt uns, wir können in die Welt hineinrufen, Halleluja, Jesus lebt, Christus ist wahrhaft auferstanden.“

In der evangelischen Versöhnungskirche in Waldshut hielt Dekanin Christiane Vogel den Ostergottesdienst.
In der evangelischen Versöhnungskirche in Waldshut hielt Dekanin Christiane Vogel den Ostergottesdienst. | Bild: Susanne Schleinzer-Bilal

In der evangelischen Versöhnungskirche in Waldshut verkündete Dekanin Christiane Vogel am Ostersonntag vor ebenfalls rund 30 Besuchern die Botschaft der Auferstehung: „Jesus lebt, er ist bei uns bis zum Ende der Welt, auch wenn wir ihn nicht sehen, das hat er uns versprochen.“ Am Karfreitag schien der Tod das letzte Wort zu haben, aber dann sei Ostern gekommen und habe dem Tod die Macht genommen. „Der Tod ist nicht stärker als Christus.“ Jesus sei das A und das O, der Anfang und das Ende und sein letztes Wort habe Liebe geheißen. Die Dekanin: „Der Stein ist weg, es öffnen sich Türe und Wege, Christus der Auferstandene ist da, das ist die Osterbotschaft, wir dürfen mit ihm rechnen.“ Den musikalischen Rahmen gaben Bezirkskantor Matthias Flierl an der Orgel und Clemens Losch an der Trompete.

Ostern in Tiengen

Weihwasser zum Mitnehmen, Abstand statt des gewohnten Miteinanders, Live-Übertragung per Internet in das Wohnzimmer anstelle des vertrauten Weihrauch-Geruchs vor Ort, Zutritt nur auf Anmeldung: Die Pandemie verlangte den Kirchengemeinden in Tiengen einiges an Improvisationskunst und Einfallsreichtum ab. Ostern, das höchste Fest in der christlichen Welt, steht aber auch als Zeichen für die Hoffnung. In der evangelischen Christuskirche sowie im katholischen Pfarrzentrum Mariä Himmelfahrt wurden viele Anstrengungen unternommen, um möglichst vielen Gläubigen die Möglichkeit zu geben, vor Ort das die Festtage zu erleben.

Am Karfreitag leiteten Vikar Malte Dahme und Pfarrerin Susanne Illgner in der Christuskirche in Tiengen das Abendmahl der evangelischen Gemeinde.
Am Karfreitag leiteten Vikar Malte Dahme und Pfarrerin Susanne Illgner in der Christuskirche in Tiengen das Abendmahl der evangelischen Gemeinde. | Bild: Rolf Sprenger

Am Karfreitag öffnete die Christuskirche ihre Türen zum Abendmahl. Pfarrerin Susanne Illgner und Vikar Malte Dahme leiteten den Gottesdienst vor 20 Besuchern. Mit Ereignissen wie dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaner George Floyd nahmen sie Bezug auf den Begriff der Leidenszeit. Zur Veranschaulichung wurde dabei das diesjährige Hungertuch-Bild des Misereor-Hilfswerks gezeigt. Das Werk der aus Chile stammenden und in Deutschland lebenden Künstlerin Lilian Moreno Sánchez zeigt abstrahiert eine Röntgenaufnahme vom Fuss eines Mannes, der im Oktober 2019 in Chile gegen die soziale Ungerechtigkeit im Land demonstrierte und dabei durch Polizeigewalt verletzt wurde. In ihrer Predigt mahnten die beiden Geistlichen an, dass der gebrochene Fuß für die Verletzlichkeit der Menschen stehe, aber auch für die Verletzlichkeit der Systeme, in denen sie leben. Gleichzeitig riefen sie aber auch dazu auf, den Glauben und die Hoffnung nicht zu verlieren.

Gemeindereferentin Regina Bausch-Isele führte durch die Osterlaudes in der katholischen Kirche Tiengen.
Gemeindereferentin Regina Bausch-Isele führte durch die Osterlaudes in der katholischen Kirche Tiengen. | Bild: Susanne Schleinzer-Bilal

Am Ostersonntag wurde auch die katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt zum Ort der Begegnung. Die rund 40 Besucher folgten der festlichen Osterlaudes, die von den Ministranten und Ministrantinnen der Seelsorgeeinheit St. Verena organisiert wurde. Unter Laudes versteht man die morgendlichen Lobgesänge, die zu Ehren der Auferstehung Christi gesungen werden. Gemeindereferentin Regina Bausch-Isele führte durch das Programm, das in der Weitergabe des Osterlichts seinen Abschluss fand. Jeder Gläubige bekam eine eigene Kerze ausgehändigt und konnte diese an der großen Osterkerze am Altar entzünden.