Der absolute Idealfall. Der Raum, das Licht, die Farben, alles passt, da sind sich die aus Waldshut stammende Objektkünstlerin Hannelore Weitbrecht, Kulturwissenschaftler Jürgen Glocker, Museumsleiterin Margret Köpfer und Bernaus Bürgermeister Alexander Schönemann einig beim Rundgang durch die Ausstellung „Zeit der Natur“ im Hans Thoma-Kunstmuseum in Bernau einig.

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Ihre aus der Verbindung von gesammelten Naturmaterialien und unzähligen Schichten weißlich schimmernden, nahezu transparenten Seidenpapiers gestalteten Objekte bilden zusammen mit dem sanften Beige des Bodens, der Holzkonstruktion des Gebälks und den Dank der Förderung des Landes Baden-Württemberg gezielt verstellbaren Strahlern eine faszinierende Einheit.

Angefangen habe ihre Hinwendung zu derartiger Objektkunst mit einer Ausstellung zum Thema Garten im Jahr 1992, an der sie beteiligt war. Damals habe sie begonnen Naturmaterialien zu sammeln, und seither habe sie dieses Thema nicht mehr losgelassen, verrät Hannelore Weitbrecht – im Gegenteil. Indem sie ihre Sammlung immer mehr erweitert habe, konnte sie zugleich ihre Inspiration aus diesen Naturmaterialien schöpfen. Dabei reichen ihre Objekte von kleinen kompakten Formen bis hin zu großen Installationen, die sie bei jeder Präsentation jeweils neu zusammenstellt und den Gegebenheiten des jeweiligen Raums anpasst.

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Das gilt beispielsweise für ihre Installation „Hortus“, einen begehbaren Garten sozusagen, bestehend aus einer Gruppe steil in die Höhe ragender, spitzer Triebe, feinblättriger Blütenstämme sowie kleiner, die Wand bevölkernder Einzelblüten, jede ein Individuum.

Dabei geht es Hannelore Weitbrecht, das hat Glocker auch in seiner Laudatio bei der Verleihung des NaturEnergie-Förderpreises hervorgehoben, nie um Naturalismus, sondern sie lässt höchst artifiziell beispielsweise Blüten aus Papier entstehen, deren Staubgefäße sich als kleine Äste in den Raum strecken, oder formt, wie in der Installation „Invasion“, aus Papier und Draht ockerfarbene, vierfüßige, Wesen – Glocker nennt sie krakenhaft kafkaesk und sieht in ihnen durchaus Parallelen zu Surrealismus, Minimal Art und Konstruktiver Kunst – nichts für Spinnenphobiker.

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Dabei kann man sich durchaus darüber streiten, ob diese Wesen, die im Vordergrund beinahe die Größe einer Katze erreichen und deren Exemplare an der Wand tatsächlich etwa Spinnengröße haben, auf den Betrachter zukommen oder vor ihm fliehen. Ihre Dynamik jedenfalls, so Glocker, unterliege keiner optischen Abnutzung, die Spannung, die von ihnen ausgeht, lässt nicht nach, und der Assoziationsraum ist weit gesteckt, von der Naturbeobachtung bis zum Alptraum.

Papier und Natur im Dialog

Die Faszination am Dialog zwischen den gesammelten Naturprodukten und Papier als sekundärem Naturprodukt ist in ganzer Vielfalt anhand der kleineren Ausstellungsstücke zu bewundern. Da gibt es quasi Pflanzenversuchsfelder, strikt geordnete, ästhetisch wirkungsvolle Gartenkultur, eingebettet in die natürliche „Unordnung“ sich sanft wellender Papierschichten oder geometrisch angeordnet in abstrakter Beziehung zueinanderstehend. Sie bilden den Jahresrhythmus ab mit sprießenden Samen, ausgebildeten Früchten oder dem in Form bedruckten Papiers im Winterboden gespeicherten Naturcode, oder sie verweisen auf den Gegensatz zwischen Monokultur und Artenvielfalt.

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Noch weit mehr als diese bildähnlichen Exponate stechen die filigranen Skulpturen ins Auge wie etwa zwei große Tatzen, die ihre gekrümmten Krallen aus dem weichen Papierschichtenfell strecken, oder der anmutige Tanz aneinander gelehnter Blütenköpfe, deren Stängel scheinbar nahezu ohne Bodenhaftung doch Stabilität zu geben imstande sind.