Das musikalisch-literarische Konzert in der Stoll-Vita-Stiftung ist fast schon Tradition. Zum achten Mal begrüßte jetzt Adelheid Kummle, Initiatorin des Formats und Vorsitzende der Stiftung, die mehr als 100 Besucher in Waldshut. Das Thema klang zunächst harmlos – „Juristisches“. Aber es ging schnell zur Sache: zu Mord, Totschlag, bestechlichen Richtern, historischen Rechtsirrtümern, berühmten Straftätern und Kriminalpsychiatrie. Und um Gerechtigkeit. Das augenzwinkernde Fazit dieses Abends: „Richter verkünden nicht Gerechtigkeit, sondern ein Urteil.“

Beginn bei Sokrates

Mit dabei waren wie immer die quirlige Moderatorin Anne Lindenberg, der Sänger Jan-Martin Mächler und am Flügel Christian Seidel. Adelheid Kummle, selbst Juristin, hatte gut recherchiert. In einem geistvollen Streifzug durch die Weltgeschichte – angefangen beim historischen Prozess gegen Sokrates im Jahr 399 vor Christus – hatte sie eine Collage aus Dichtung, Schlagern, Opern, Operetten, Musicals, Kabarett, Chansons und Filmmusik zusammengestellt, mit denen sie das Rechtswesen durchleuchtete, temperamentvoll erklärt von Moderatorin Anne Lindenberg. Dazu sang der Tenor Mälcher, virtuos am Klavier und oft auch stimmlich von Christian Seidel begleitet. Bei dem gefühlvollen Titel „Here‘s To You“ von Ennio Morricone sangen nicht nur die Akteure, sondern auch das Publikum mit. Das Ganze wurde durch Bildprojektionen anschaulich unterstützt.

Gesetze

Man erfuhr von Juristen, die auch berühmte Dichter waren (etwa Heinrich Heine oder Franz Kafka), hörte das Urteil von Pontius Pilatus im Musical „Jesus Christ Superstar“ oder erlebte, wie etwa in Mozarts Oper „Cosi van Tutte“ der Juristenstand lächerlich gemacht wurde. Auch der Streifzug durch die unzähligen Gesetze – „Würden da nicht auch die zehn Gebote reichen?“ – entwickelte sich höchst amüsant und endete mit einem Lied, wie man Gesetze auf clevere Art umgehen könnte („Tango Korrupti“ von Rainhard Fendrich). Oder lernte das Gruseln beim Massenmörder Fritz Haarmann, der 1924 zum Tode verurteilt wurde („Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt Haarmann auch zu dir...“).

Trost

Wie tröstlich da der abschließende Kommentar zu unserer abendlichen Sucht nach dem Krimi im Fernsehen: „Ein bisschen Mord zur Abendzeit/da kann die Seele baumeln,/bevor wir dann in Seligkeit/in unsre Betten taumeln“ (Alfons Pillach). Doch vor dem Schlafengehen gab es langen, verdienten Beifall für die vier engagierten Akteure. Und die Hoffnung auf ein baldiges neues musikalisch-literarisches Konzert. Welches Thema Adelheid Kummle wohl dann einfällt?