Er hat offensichtlich bereits ein Fan-Publikum: Bereits zum vierten Mal trat jetzt im Rahmen des Kabarett-Herbstes der Freiburger Kabarettist, Autor und Fotograf Jess Jochimsen (50) in Waldshut auf. Er präsentierte diesmal in der gut besuchten Grieshabervier-Halle sein Programm „Heute wegen Gestern geschlossen“. Schlaksig in Jeans und gutgelaunt tritt er auf. „Ich hätte nie geglaubt, dass dies Programm mal so gut in die Zeit passen würde wie jetzt,“ meint er und sucht den Kontakt zum Publikum: „Ihr seid die Guten! Nicht weil ihr euch hierher traut – sondern weil ihr Kultur mögt.“

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Er redet schnell und sprunghaft, wechselt abrupt die Themen und den Standort, greift zur Gitarre, zum Akkordeon oder zum Xylophon oder hockt sich an den Stehtisch: „Hier liegen viele Zettel. Alles, was ich auswendig lesen kann.“ Und in seinen Redepausen blendet er seine oft umwerfend komischen Dias ein, die skurrile Ansichten unserer Umwelt festhalten.

Bei seinen Plaudereien sinniert er natürlich über Corona, schränkt aber ein: „Das war auch vor Corona schon – Nazis bei der Polizei, Stuttgart 21, der Berliner Flughafen (“Jetzt wo keiner mehr fliegt!“) oder die Schlachthöfe.“ Er springt von den Coronaleugnern zum Islam, vom amerikanischen Präsidenten nach Russland und singt: „Warum weiß ich so wenig von Russland? Vielleicht fahren wir einfach mal hin.“ Und bekennt: „Meine Gedanken möchte ich manchmal nicht haben!“

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Dieser schnelle Wechsel kommt bei den rund 70 Besuchern an. Viel Gelächter, als er von seinem jährlichen Schulalbtraum erzählt: „Mein schönstes Ferienerlebnis“ sollte ich schreiben und hatte doch nichts erlebt. Bis auf einmal – als mein Opa gestorben war und alle fröhlich feierten.

Aber so was durfte man nicht schreiben“. Und wundert sich: „Dieses Jahr haben sich die Schüler wohl erstmals auf die Schule gefreut?“ Er doziert, philosophiert und teilt kurze politische Seitenhiebe aus – vor allem gegen Markus Söder. Das ist nicht immer witzig aber geistvoll und zwingt zum Nachdenken.

Seine Botschaft lautet: „Bleibt nicht so, wie ihr seid!“ Und er entlässt das Publikum mit der Frage: „Wie viel Prozent deines Gehaltes würdest du geben, wenn Corona dadurch aus der Welt wäre?“

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