Wegen eines umgefahrenen Pollers kommt es im März 2021 zwischen drei erwachsenen Männern zur Auseinandersetzung. Die Situation eskaliert. Jetzt musste sich ein 33-Jähriger vor dem Amtsgericht Waldshut verantworten. Richter Rafael Kania leitete die Verhandlung.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem jungen Mann vor, am 14. März 2021 gegen 16.40 Uhr in Bonndorf den Freund seines Hausmeisters mit einer Schneeschaufel auf den Kopf geschlagen zu haben. Strafbar als gefährliche Körperverletzung. Der Angeklagte jedoch dreht den Spieß um.

Das sagt der Angeklagte zum Vorwurf

„Ja ich bin mit meinem BMW gegen diesen Poller gefahren“, sagt der 33-Jährige. Danach aber habe er den Wagen unter einem nahegelegenen Dach abgestellt und sei dann in seine Wohnung, um Werkzeug zu holen. Als er wieder kam, habe vor Ort bereits der Hausmeister und sein Freund gestanden. Sie seien aufgebracht gewesen.

„Sie haben geschrien, warum ich hier parke und, dass ich aus der Wohnung ausziehen müsse“, erklärt sich der Angeklagte vor dem Waldshuter Richter. Darauf aber sei der Angeklagte gar nicht erst eingegangen und habe mit der Polizei gedroht. Als der Freund des Hausmeisters ihn dann am Hals gepackt und gewürgt habe, habe es der 33-Jährige mit der Angst zu tun bekommen.

Zeugen beschreiben psychischen Ausnahmezustand

Mit einer Schneeschaufel habe er sich gegen den Angreifer wehren können: „Dabei habe ich mit der Schaufel seinen Fuß getroffen. Aber nicht seinen Kopf!“ Erst als die Tochter des Angeklagten in der Haustüre erschien, hätten die Streitigkeiten ein Ende gefunden. Der Freund des Hausmeisters hingegen sagte vor Gericht aus, der Angeklagte sei außer sich gewesen und mit einer Schneeschaufel auf ihn zu gerannt.

„Dann hat er mich damit am Kopf verletzt. Ich habe ihm immer wieder gesagt, er soll einfach in seine Wohnung gehen“, so der Zeuge. Als die Polizei kam, habe sich der Angeklagte auf den Boden geschmissen. „Er war wie verrückt“, sagte der Zeuge weiter aus. Zwei Tage nach der Tat habe sich der Angeklagte bei ihm entschuldigt. Der 54-jährige Hausmeister stützte diese Aussage. Er habe während des Streits versucht, den Angeklagten von seinem Freund wegzubekommen.

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Nach der Anhörung aller am Streit Beteiligten blieb vor allem eine Frage offen: Wer hat mit den Handgreiflichkeiten tatsächlich angefangen? Auch zwei weitere Zeugen konnten diese Frage nicht beantworten. Laut Aussagen eines Paares aus der Nachbarschaft hätten sich alle Beteiligten gegenseitig angegriffen. Der Freund des Hausmeisters habe aber sehr wohl seine Hände am Hals des Angeklagten gehabt.

Die Nachbarin war es auch, die die Polizei gerufen habe, als es vor ihrem Badezimmerfenster plötzlich laut wurde. Ihr Freund habe noch aus dem Fenster gerufen, dass sie aufhören sollen. „Darauf reagierte aber niemand“, so der Zeuge.

Richter Kania äußert eine Idee

Nach zweieinhalbstunden Verhandlung äußerte Richter Rafael Kania die Idee, das Verfahren gegen eine Geldauflage von 90 Tagessätzen zu jeweils zehn Euro einzustellen. Zu ungenau die Beweislage.

„Das ist bei einer gefährlichen Körperverletzung ohnehin die absolut niedrigste Strafe“, sagte der Richter. Er hätte nach den Aussagen der Beteiligten den Eindruck bekommen, dass alle den Tathergang für ihre Zwecke beschönigen würden.

Staatsanwaltschaft, Verteidiger und der Angeklagte stimmten der Idee des Richters nach einer kurzen Unterbrechung zu. Der 33-Jährige muss nun bis zum 14. Juli den vollen Betrag in Höhe von 900 Euro an den Verein Kleine Patienten in Not überweisen.