Herr Probst, am Wochenende findet zum 18. Mal Forrest Funk statt. Sind sie aufgeregt?

Naja, aufgeregt trifft es nicht ganz. Das eigentliche Lampenfieber, die Nervosität kommt eigentlich erst am Tag, wenn Forrest Funk stattfindet. Nervös macht mich der Gedanke, ob wir an alles gedacht haben. Es passiert irgendwie immer etwas Überraschendes. Handtücher für die Künstler ist ein klassisches Beispiel. Und in diesem Jahr hatten wir auch schon unsere Überraschung. Der Hauptact bekommt keinen Nightliner und braucht jetzt spontan Übernachtungen für die komplette Road-Crew. Das sind in diesem Fall 15 Personen, für die wir noch Übernachtungsplätze finden müssen. Da muss man kreativ werden.

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Erinnern sie sich noch daran, wie das erste Festival entstanden ist?

Oh ja, da erinnere ich mich noch ganz genau. Das kam zustande, nachdem wir ein sehr trauriges Waldfest erlebt hatten. Das findet, organisiert vom Musikverein, seit den 50er Jahren statt und war immer ein Garant für ein gutes Fest. Der Samstag wurde aber Jahr für Jahr immer schlechter besucht. Und irgendwann waren wirklich nur noch 50 Besucher im Wald. Das war wirklich traurig. Uns war klar, wir müssen etwas verändern, etwas neu machen. Da kam ich auf die Idee, wir veranstalten ein Open Air. Man kann sich sicher vorstellen, dass das nicht überall auf breite Zustimmung traf. Aber irgendwie kam doch eine Mehrheit zustande, die es versuchen wollte. Ich habe damals in einer sehr bekannten und erfolgreichen regionalen Band gespielt. Wir kannten viele Bands von unseren Tourneen und haben einige angesprochen. So entstand das erste Forrest Funk. Kritische Geister unterstellen uns bis heute schlechte Englisch-Kenntnisse, da wir Forrest mit zwei „R“ schreiben. Das hatten wir damals aber ganz bewusst gewählt. Der oscarprämierte Film Forrest Gump hatte uns für das erste Plakat inspiriert. Ein Freak mit Afrofrisur, sitzend auf einer Bank, neben ihm ein Koffer – der Name fiel Tina Gerteiser, der Frau unseres Gitarristen ein. Die Bands wurden anstatt einer Gage prozentual an den Eintritterlösen beteiligt. Im ersten Jahr waren es 1200 Besucher. Mittlerweile haben wir viele finanzielle Unterstützer des Events, die durch ihre Hilfe auch das Risiko für den Verein minimieren. Da möchte ich an dieser Stelle auch mal ein dickes Dankeschön sagen.

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Wie ging es weiter?

Nach so einem Erfolg steht man erst mal unter Druck, das zu wiederholen. 1200 Menschen auf dem Platz im Vorjahr war schon eine Nummer. Erschwerend kam hinzu, dass sich meine Band, mit der wir noch im Vorjahr bei Forrest Funk aufgetreten sind, wegen plötzlicher Berühmtheit eines meiner Bandmitglieder, aufgelöst hatte. Wir haben es aber dennoch geschafft, den Erfolg vom ersten Jahr zu toppen und so ging das eigentlich immer weiter. Mittlerweile haben wir eine stabile Besucherzahl von 2000 Leuten, was eine tolle Größe ist und was eigentlich auch super ist für den Platz. Heute kann man sagen, Forrest Funk ist ein kleines Kult Festival geworden.

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Haben Sie eine klare Rollenverteilung bei der Organisation des Events?

Ja und da kann man wirklich sagen, das haben wir über die Jahre immer mehr verfeinert. Ich bin total froh, dass ich mit Claudio Spitznagel einen tollen Kollegen an meiner Seite habe. Wir ergänzen uns prima. Er unterstützt mich und übernimmt den ganzen technischen Teil. Da muss ich mich um nichts kümmern. Ansonsten ist da unglaublich viel Organisationsarbeit gefordert. Der Strom muss funktionieren, das Wasser muss fließen, da wird gehämmert, geschraubt, schwere Fahrzeuge fahren auf und ab. Und das Tolle bei uns im Verein ist, wir haben aus jeder Berufsgruppe jemanden dabei. Jeder arbeitet Hand in Hand. Zudem kommt über den Musikverein hinaus eine große Bereitschaft von Freunden und Familien. Das ist so ein bisschen „Oberlauchringen-Flair“, eine große Bereitschaft zu unterstützen und Zusammenhalt. Ohne die ganzen Leute, Vereine, die Gemeinde, Freiwillige Feuerwehr und DRK, alle die Schulter an Schulter stehen, würde das gar nicht funktionieren. Vor allem darf man auch nicht die Anwohner vergessen, die diese Veranstaltung Jahr für Jahr ertragen und erdulden und damit die größten Forrest Funk Supporter sind.

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Wie findet man immer neue Bands?

Ich glaube, man muss neugierig und begeisterungsfähig sein und man muss Spaß haben an Musik. Man muss wissen, an Forrest Funk spielt keine Band, die wir nicht vorher live gesehen haben. Uns ist besonders wichtig, dass der Funke überspringt und wir von der Band überzeugt sind. Toll ist, dass wir mittlerweile ganz viele Zuschriften bekommen. Von Bookingagenturen, aber auch von Bands selbst, die sich bewerben. Ich würde sagen, es ist nicht schwierig Bands zu finden, es ist eher schwierig zu entscheiden, wer auftreten darf und wie wir eine abwechslungsreiche Mischung hinbekommen.

Gibt es einen besonderen Moment, an den Sie sich immer wieder gerne erinnern? Gibt es besondere Momente, die immer wieder kehren, auf die Sie sich freuen?

Das gibt es einiges! Angefangen mit den Momenten, wenn Musiker hinter der Bühne auf mich zukommen und sagen, dass es hier etwas ganz Besonderes ist. Mitten im Dorf ein Open Air in dieser Größe und dann gibt es da auch noch einen Wald und eine feste Bühne. Das ist einzigartig. Ein fettes, zufriedenes Grinsen wird auf mein Gesicht gezaubert, wenn es die erste Band schafft, die Leute mitzureißen und den Wald zum beben bringt. Ich stehe dann oft bei den Boxen, schaue hoch zur Band und sehe gleichzeitig die Leute im Publikum – wie sie tanzen. Das ist für mich jedes Mal ein Moment der mich freut. Besonders berührt hat mich ein Erlebnis hinter der Bühne. Dort steht eine alte ehrwürdige Eiche. Ein Gitarrist stand mit Tränen in den Augen dort und hat den Baum umarmt. Er hat mir erklärt, es erinnert ihn an seine Kindheit in Norditalien und er freut sich so sehr hier zu sein. Es sei etwas ganz Besonderes, im Wald ein Konzert geben zu dürfen.

Was macht Forrest Funk Ihrer Meinung nach aus?

Ich glaube es ist die Größe des Events. Da ist man als Besucher der Band doch sehr nahe. Und die Zuschauer, die bereit sind, die Funken aufzufangen, die von den Bands auf sie übergehen sollen. Alle sind gut drauf, alle tanzen, flippen aus und gehen mit einem dicken Grinsen im Gesicht nach Hause.

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Wenn man die Stilrichtungen der Bands liest, kann das etwas verwirrend sein. Wissen Sie bei jeder Stilrichtung, worum es geht ohne die Musik zu hören?

Ein ganz klares Nein. Ich finde diese ganzen Genre-Schubladen nicht wirklich glücklich. Es lässt sich ganz schwer einordnen. Man muss es sich doch immer anhören und das am besten live. Eigentlich ist mir das Genre egal. Hauptsache, die Musiker nehmen mich mit auf eine gute Reise.

Organisator ist der Musikverein Oberlauchringen, bei dem Sie Beisitzer im Vorstand und über 30 Jahre Mitglied sind. Profitiert der Verein von der Veranstaltung?

Zunächst ist unsere Arbeit rein ehrenamtlich. Niemand bekommt etwas. Wir alle machen das nur für den Verein. Forrest Funk ist eine wichtige finanzielle Säule geworden. Denn wir haben ganz viele Zöglinge, die wir ausbilden. Ohne die Einnahmen durch die Veranstaltung könnten wir das gar nicht finanziell stemmen. Wir hoffen, dank der Sponsoren, die wir seit diesem Jahr haben, bald die Ausbildung im Verein günstiger anbieten zu können.

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Inwieweit spielt die Musik, die Kunst in Ihrem Privatleben eine Rolle?

Musik und Kunst spielt eine ganz große Rolle. Zum einen höre ich total gerne Musik und bin da auch nicht auf ein Genre festgelegt. Ich gehe viel an Konzerte und unterschiedliche Kulturveranstaltungen. Ich gehe ins Theater, ich verirre mich auch mal ins Ballett. Und ich mache selbst seit vielen Jahren Musik in Bands und im Musikverein.

Wo werden Sie an dem Wochenende zu finden sein. Backstage, First Row oder „überall, wo es brennt“?

Ich bin tatsächlich oft hinter oder an der Seite der Bühne. Mein Job an dem Abend ist, dass es den Bands gut geht, dass sie alles haben und der Zeitplan stimmt. Wenn sie wünsche haben, versuche ich sie zu erfüllen.

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