Unweit von Waldshut erhebt sich ein auch von den Höhen des südlichen Schwarzwalds sichtbares, turmähnliches Gebäude in Leibstadt: die Getreidesammelstelle mit Trocknungsanlagen der Knecht Mühle AG. Sie ist 58 Meter hoch, wurde 1982 errichtet und 1984 sowie 1994 erweitert.

Von weitem sichtbar: Die Getreidesammelstelle von Knecht Mühle in der Nähe des Rheins in Leibstadt. Das Gebäude ist 58 Meter hoch.
Von weitem sichtbar: Die Getreidesammelstelle von Knecht Mühle in der Nähe des Rheins in Leibstadt. Das Gebäude ist 58 Meter hoch. | Bild: Peter Schütz

Zur Einlagerung des angelieferten Getreides stehen dort über 170 Silozellen mit einem Fassungsvermögen von 21.000 Tonnen zur Verfügung. „Die Lagerung des Getreides wird permanent überwacht und die lückenlose Rückverfolgbarkeit sichergestellt“, berichtet Geschäftsleiter Hansjörg Knecht (61). Er leitet das Unternehmen bereits in der vierten Generation. Seine Ehefrau Rita Knecht ist für die Administration zuständig, sein Neffe Daniel Meier (33) ist Betriebsleiter – die fünfte Generation ist also auch schon involviert.

Mühle größte ihrer Art

Knecht Mühle ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen, dessen Wurzeln ins Jahr 1887 zurückreichen. Die Mühle, gegründet von Hansjörg Knechts Urgroßvater, gilt heute als eine der größten ihrer Art in der Schweiz.

Die Knecht Mühle im Jahr 1937 mit dem ersten Lastwagen.
Die Knecht Mühle im Jahr 1937 mit dem ersten Lastwagen. | Bild: privat

Der leistungsstarke und innovative Familienbetrieb produziert mit modernsten Produktionsanlagen im 24-Stunden-Betrieb Mehl für das tägliche Brot von über 400.000 Menschen. „Wir verarbeiten vollautomatisch rund 80 Tonnen Getreide in 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche“, erklärt Hansjörg Knecht. Das Unternehmen ist effizient aufgestellt: Es beschäftigt 20 Mitarbeiter in Administration, Entwicklung, eigener Backstube, Labor und Transport. Fünf Chauffeure führen die Produkte selbst aus, der Fuhrpark ist modern ausgestattet. Die Chauffeure liefern die Produkte in 25-Kilo-Säcken oder per Tankfahrzeug mit geeichtem Verwiegesystem aus.

Die Knecht Mühle heute: Rund 13 Millionen Franken wurden in den letzten Jahren in die Modernisierung und den Ausbau der Mühle investiert. Bild: Privat
Die Knecht Mühle heute: Rund 13 Millionen Franken wurden in den letzten Jahren in die Modernisierung und den Ausbau der Mühle investiert. Bild: Privat | Bild: privat

Hansjörg Knecht ist mit der Mühle – sie befindet sich im Ortskern von Leibstadt, über einen Kilometer von der Getreidesammelstelle entfernt – aufgewachsen. „In jeder freien Zeit bin ich in der Mühle gewesen“, blickt er auf seine Kindheit zurück, „nach der Schule, in den Ferien“. So hat er sich sein erstes Taschengeld verdient und Einblicke in den Beruf des Müllers gewonnen. Zuerst lernte er allerdings Kaufmann, erst danach Müller, später Müllereitechniker. Sein Neffe Daniel Meier ging einen ähnlichen Weg. Lernte zuerst Elektriker mit Handelsdiplom, dann Müllereitechnik. In Stuttgart absolvierte er schließlich die Meisterschule.

Ein Blick in die Produktion von Knecht Mühle. Bild: Privat
Ein Blick in die Produktion von Knecht Mühle. Bild: Privat | Bild: privat

Hansjörg Knecht und Daniel Meier beweisen, dass der Beruf des Müllers keineswegs „out“ ist. Zwar ist die Vorstellung vom Müller, der noch Getreidesäcke auf dem Rücken schleppt und das Korn vom Mühlstein zu Mehl mahlen lässt, schon lange überholt. Aber: Die Technologisierung der Mehlproduktion stellt heute hohe Anforderungen an die Grundausbildung und Weiterbildung des Müllers. Hansjörg Knecht erachtet die Entwicklungschancen in diesem Beruf als vielfältig. Das wird auch am Investitionsprogramm von Knecht Mühle deutlich.

Aus der kleinen Mühle in Leibstadt ist ein imposantes Gebäude mit modernsten Anlagen geworden. 2006 bis 2008 erfolgte der Umbau der Weizenmühle, der Neubau des Lagers und die Erweiterung des Mehlsilos. Den Umbau bezeichnet Hansjörg Knecht heute als „großer Meilenstein“. Knecht weiter: „Wir haben kontinuierlich erneuert.“ Rund 13 Millionen Schweizerfranken wurden in den letzten Jahren in die Modernisierung und den Ausbau der Mühle investiert. Zuletzt 2013 mit dem Einbau einer neuen Mischlinie für Backmischungen und Backmittel.

Persönliche Kundenpflege

Dem Familienbetrieb Knecht liegt viel an der persönlichen Kundenpflege und dem Kontakt mit der regional produzierenden Landwirtschaft. Die eigenen Ansprüche bringt Hansjörg Knecht so auf den Punkt: „Konstante Spitzenqualität, flexible Lieferfähigkeit, Innovation und Nachhaltigkeit.“ Die Mahlprozesse für die vielen verschiedenen Mehlsorten und Kundenanforderungen werden mit modernster Steuerungstechnik geregelt und überwacht.

Politisch aktiv

Obwohl Hansjörg Knecht ein erfülltes Berufsleben führt, hat er 1989 noch einen anderen Weg eingeschlagen, als er in die Politik einstieg. Zuerst als Gemeinderat von Leibstadt, bis er 1996 in den Großrat des Kantons Aargau gewählt wurde. 2011 folgte der nächste Schritt, als Knecht anlässlich der Schweizer Parlamentswahlen für die SVP (Schweizerische Volkspartei) in den Nationalrat gelangte. 2019 wurde er schließlich für den Kanton Aargau in den Ständerat, die kleine Kammer des Parlaments der Schweizerischen Eidgenossenschaft in der Landeshauptstadt Bern, gewählt. Hansjörg Knecht ist also ein gut beschäftigter Mann, der viel zwischen Bern und Leibstadt hin und her reist. Ausschließlich Politiker sein möchte er jedoch nicht. „Für mich ist die Abwechslung schön“, sagt er. Wobei: Seinem Betrieb in Leibstadt kann er getrost fernbleiben, wenn die politischen Geschäfte rufen. Seine Frau und sein Neffe sowie sein gesamtes Team halten ihm den Rücken frei.

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