Mit einer bemerkenswerten Idee unterstützt der Maler und Bildhauer Josef Briechle die Sanierung der Tiengener Peter-Thumb-Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Er hat eigens für diese Spende ein reliefgeschnitztes Holzbild der Peter-Thumb-Kirche in der Größe von 1,30 x 0,90 Metern angefertigt und es für einen Verkauf der Gemeinschaft zum Erhalt der Tiengener Gotteshauses zur Verfügung gestellt.

Der Förderverein Peter-Thumb-Kirche Tiengen

Die Übergabe des Reliefbildes erfolgte in der vergangenen Woche im Tiengener Pfarrhaus an den derzeit amtierenden Vorsitzenden des Fördervereins, Eberhard Völkle. Nach seiner Motivation befragt, erläutert Josef Briechle: „Ich empfinde eine berufliche Verbundenheit mit der Tiengener Stadtpfarrkirche. Ich habe im Jahre 1954 als damaliger Gipser- und Stukkateurlehrling erstmals in der Tiengener Kirche gearbeitet. Rund 20 Jahre später habe ich dann mit meinem eigenen Gipsergeschäft eine umfangreiche Innenrenovierung, sowie teilweise eine Außenrenovierung der Kirche durchgeführt, was mich heute noch sehr mit dem Gotteshaus verbindet.“

3000 Euro der Schätzwert

Im Zuge der jüngsten Kirchensanierung und inspiriert durch die wiederholten Spendenaufrufe des Fördervereins, sei er auf die Idee gekommen, ein Holzrelief anzufertigen, mit dessen Verkauf ein finanzieller Beitrag für die immensen Sanierungskosten geleistet werden könne. Vorsichtig geschätzt, könne der Wert des Bild auf mindestens 3000 Euro beziffert werden. Er sei über die Dauer von rund zwei Wochen viele Stunden mit der Anfertigung des Reliefs beschäftigt gewesen, erklärt Briechle.

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Als Vorlage habe ihm das Titelbild des neuesten Kirchenführers der Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt gedient. Dabei habe er auch im Vordergrund das Haus des früheren Gipsergeschäftes Albert Mutter abgebildet, in welchem er seine berufliche Laufbahn begonnen und unter anderem die heute seltene Graffito-Technik (farbige Putzschichten) erlernt habe. Die Vorlage habe ihm auch eine weitgehend authentische Darstellung der Gebäude ermöglicht, ergänzt Künstler Briechle im Gespräch mit unserer Zeitung.

Eberhard Völkle, der als Schriftführer des Fördervereins derzeit die Aufgaben des Vorsitzenden wahrnimmt, zeigte sich sehr erfreut über diese besondere Art der Spende. Völkle hofft sehr, dass sich bald ein Käufer für dieses individuelle Kunstwerk findet. Immerhin müsse die Kirchengemeinde für den zweiten Bauabschnitt rund 140.000 Euro Eigenmittel aufbringen, wovon erst knapp die Hälfte durch Spenden und Mitgliedsbeiträge eingegangen sei, erläutert Völkle. Das Bild kann zu den normalen Öffnungszeiten nach vorheriger telefonischer Terminvereinbarung (07741/831 42 10) im Pfarrhaus besichtigt werden.

„Verbundenheit zur Stadtpfarrkirche“

Herr Briechle, Sie haben den Beruf des Gispers und des Stukkateurs erlernt. Wie sind Sie zur Malerei und Bildhauerei gekommen?

Ich hatte schon immer ein Vorliebe für die Malerei. Schon in der zweiten Klasse in der Volksschule ist meiner damaligen Lehrerin ein Schlüsselblumenbild von mir aufgefallen, welches sie bis zu ihrer Pensionierung aufbewahrt hat. Ich habe mich durch Kurse und Schulungen an der Kunstgewerbeschule Zürich weiter gebildet und später zusammen mit anderen Künstlern in Tiengen die Künstlergruppe „Schwungrad“ gegründet. 1991 habe ich mein Gipsgeschäft aufgegeben und mich ganz der Malerei und Bildhauerei gewidmet.

Haben Sie den Wechsel vom sicheren Handwerker zum freischaffenden Künstler nie bereut?

Nein, das Künstlerdasein eröffnet einem ganz andere Perspektiven und bietet eine ganz andere Lebensqualität. Deshalb habe ich das Risiko auch bewusst in Kauf genommen.

Was hat Sie zur Spende des Reliefbildes an die Kirchengemeinde Mariä Himmelfahrt inspiriert?

Ich empfinde ich eine berufliche Verbundenheit zur Tiengener Stadtpfarrkirche. Als ich in den 70er-Jahren die Kirche innen renoviert habe, war das damals für mich ein wichtiger und willkommener Auftrag. Deshalb möchte ich heute symbolisch auch wieder etwas an die Kirchengemeinde zurückgeben.