Ohne Resonanz ging das 25-jährige Jubiläum der Kapelle in der Waldshuter Eschbacher Straße 9 vorbei. Am 12. August 1996 war sie feierlich nach erfolgter Instandsetzung der Vorgängerkapelle am 51. Todestag von Karl Leisner auf dessen Namen eingeweiht worden.

Die Kapelle: Blick auf die Nordseite der Karl Leisner Kapelle in der Waldshuter Eschbacher Straße 9. Bilder: Ursula Freudig
Die Kapelle: Blick auf die Nordseite der Karl Leisner Kapelle in der Waldshuter Eschbacher Straße 9. Bilder: Ursula Freudig

Die Feier zelebrierte Bischof Reinhard Lettmann aus Leisners Heimatdiözese Münster zusammen mit dem damaligen Stadtpfarrer Herbert Malzacher unter großer Anteilnahme der Bevölkerung. Über 200 Mitfeiernde sollen es gewesen sein. Von so viel Aufmerksamkeit kann die Kapelle heute nur noch träumen. Seit Corona finden weder monatliche Abendgottesdienste noch private Feiern wie Taufen und Goldene Hochzeiten in ihr statt.

Der Namensgeber: In der Kapelle hängt dieses Aquarell von Karl Leisner, ein unbekannter Maler soll es im KZ Dachau angefertigt haben.
Der Namensgeber: In der Kapelle hängt dieses Aquarell von Karl Leisner, ein unbekannter Maler soll es im KZ Dachau angefertigt haben. | Bild: Ursula Freudig

Auch die private stille Einkehr ist nach einem Zerstörungs-Vorfall seit Frühjahr 2019 nicht mehr möglich. Dies zum großen Bedauern von Mesnerin Edeltraud Rimmele: „Die Leute haben die heimelige Stille in der Kapelle und die kleine Gemeinschaft bei den Feiern geschätzt.“

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Verschwunden ist auch die Bank hinter der Kapelle unter der Madonnenfigur, die zum besinnlichen Verweilen mit herrlichem Blick auf den Rhein eingeladen hatte. Dass die Karl Leisner Kapelle jetzt gänzlich ein Schattendasein führt und nicht mehr zugänglich ist, erfüllt Edeltraud Rimmele mit Wehmut. Die Geschichte der Kapelle ist eng mit der Familie Rimmele verbunden, die von 1985 bis 2008 im Nachbarhaus der Kapelle lebte und sich um die Kapelle kümmerte.

Die Renovierung: Josef Rimmele bei der Arbeit im Jahr 1996.
Die Renovierung: Josef Rimmele bei der Arbeit im Jahr 1996. | Bild: Ursula Freudig

Bäckermeister erbaute Kapelle

Erbaut wurde die Kapelle 1929 von privater Seite im Zuge eines Gelöbnisses von Bäckermeister Landolin Göppert als Marienkapelle. Bis Mitte der 1970er Jahre lebte zunächst Stadtpfarrer Josef Bieser, danach Stadtpfarrer Oskar Tröndle in dem Nachbarhaus. Danach wurde die Kapelle über 20 Jahre nicht mehr genutzt und zerfiel zusehends. Das Dach wurde undicht, Feuchtigkeit setzte sich in den Wänden fest und der Holzwurm leistete ganze Arbeit.

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Abreißen oder sanieren war irgendwann die Frage. Dass sich der Pfarrgemeinderat schließlich für die Instandhaltung entschied und damit aus der Marienkapelle des Bäckermeisters die Karl Leisner Kapelle wurde, ist mit Verdienst des Pfarrgemeinderats, Malermeisters und Ehemanns von Edeltraud Rimmele, Josef Rimmele (Juni 2020).

Die Außenstatue: Diese Madonnenfigur auf der Rückseite der Karl Leisner Kapelle stammt vom Erbauer der Kapelle 1929.
Die Außenstatue: Diese Madonnenfigur auf der Rückseite der Karl Leisner Kapelle stammt vom Erbauer der Kapelle 1929. | Bild: Ursula Freudig

Viele Waldshuter Handwerker hatten damals teilweise unentgeltlich Arbeiten ausgeführt. Gemacht wurde das Allernötigste, um die Finanzen der Pfarrei nicht zu sehr zu strapazieren. Das Inventar der Kapelle stammt größtenteils aus dem Fundus der Waldshuter Pfarrkirche. Sofort ins Auge fallen die farbigen Fenster, die verschiedene Heilige und die Muttergottes darstellen. Etwas Besonderes sind der Mosaikaltar und der Altartisch, der aus Teilen der bisherigen Kommunionbank der Kapelle gebaut wurde. Das Deckengemälde zeigt die Krönung Marias und an der Wand hängt ein Aquarell von Karl Leisner.

Das Deckengemälde: Zu sehen ist in der Karl-Leisner-Kapelle in Waldshut die Krönung Mariens.
Das Deckengemälde: Zu sehen ist in der Karl-Leisner-Kapelle in Waldshut die Krönung Mariens. | Bild: Ursula Freudig

Der Selige Karl Leisner

Da die Kapelle Karl Leisner gewidmet ist, haben sie in den zurückliegenden Jahren auch gezielt Menschen von auswärts besucht, denen die unbedingte Hingabe Leisners an seinen Glauben ein Vorbild ist. Dies zeigen auch Eintragungen im Fürbittenbuch. Im Juni 1996 war Karl Leisner in Berlin von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen worden. Da die Einweihung der Kapelle in der Eschbacher Straße kurz danach erfolgte, war sie gleichzeitig der erste offizielle Gedenktag des neuen Seligen. Dass dies einen besonderen Stellwert hatte, zeigte sich an der Teilnahme von zwei Schwestern Leisners an der Einweihungsfeier. Karl Leisner wurde 1915 in Rees am Niederrhein geboren.

1939 wurde er zum Diakon geweiht. Kurz darauf war er wegen einer Lungenkrankheit in St. Blasien in Kur, wo er von der Gestapo verhaftet wurde und ins KZ Dachau kam. Dort brach seine Krankheit erneut aus. Ende 1944 wurde er im KZ von einem inhaftierten französischen Bischof zum Priester geweiht. Karl Leisner starb am 12. August 1945, gut drei Monate nach seiner Befreiung aus dem KZ. Begraben ist er in der Krypta des Xantener Doms.

Zukunft der Kapelle ist offen

Mesnerin Edeltraud Rimmele hofft, dass nach der Corona-Pandemie wieder kirchliches Leben in die Karl-Leisner-Kapelle zurückkehrt und sie wieder ein Ort zum Innehalten wird. Es ist ihr Herzenswunsch, dass die Kapelle eine Zukunft hat, auch wenn – wie sie befürchtet – in absehbarer Zeit wieder Instandsetzungs-Arbeiten nötig sein könnten.

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