Tiengen hat gezeigt, dass es auch in Corona-Zeiten unter Auflagen feiern und genießen kann: Drei gut besuchte Abende mit Jazz-Konzerten, zwei davon gänzlich ausverkauft, brachten bei schönem Sommerwetter im Schlosshof etwas von jener Unbeschwertheit und Leichtigkeit zurück, die das gemeinsame Erleben von Musik so oft spüren lassen.

Gute Laune: Den Besuchern, die wegen der Corona-Auflagen Zwischenräume lassen müssen, machen die Jazzkonzerte sichtlich Freude – hier applaudieren sie dem Blues- und Boogie-Woogie Duo von Luca Sestak, das am Donnerstag die Jazz-Days eröffnete.
Gute Laune: Den Besuchern, die wegen der Corona-Auflagen Zwischenräume lassen müssen, machen die Jazzkonzerte sichtlich Freude – hier applaudieren sie dem Blues- und Boogie-Woogie Duo von Luca Sestak, das am Donnerstag die Jazz-Days eröffnete. | Bild: Ursula Freudig

Die Jazz-Days der Surianergemeinde Tiengen und der Aktionsgemeinschaft Tiengen waren die bislang größte öffentliche Veranstaltung in der Umgebung seit Inkrafttreten der Pandemie-
Restriktionen. Das bekannte Freiluft-Jazzfestival „Tiengener Sommer“ musste wegen der Krise ausfallen. Neben der Maskenpflicht beim Bewegen außerhalb des eigenen Sitzplatzes war im Zuge der Abstandsregel mit 99 Plätzen die Anzahl der Besucher um etwa die Hälfte kleiner als sonst bei den Schlosshof-Konzerten der Surianer.

Mit Maske und Handschuhen: Surianer und Mitglieder der Aktionsgemeinschaft Tiengen (AG) hinter dem Grill- und Getränkestand auf dem Schlosshof, von links Nikola Kögel (Geschäftsführerin AG), Surianer-Bürgermeister Christopher Wieland, Kurt Reckermann (Surianer und Geschäftsführer AG) und Christian Vogler (Surianer).
Mit Maske und Handschuhen: Surianer und Mitglieder der Aktionsgemeinschaft Tiengen (AG) hinter dem Grill- und Getränkestand auf dem Schlosshof, von links Nikola Kögel (Geschäftsführerin AG), Surianer-Bürgermeister Christopher Wieland, Kurt Reckermann (Surianer und Geschäftsführer AG) und Christian Vogler (Surianer). | Bild: Ursula Freudig

Publikum und Musiker hatten dennoch ihre sichtliche Freude an den Konzerten. Für einige Musiker war es der erste Live- Auftritt seit Monaten. Die drei Bands sind mit einer geringeren Gage als in Normalzeiten den Veranstaltern entgegen gekommen.

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Gleichwohl mit ungebremstem Einsatz ließen sie drei Richtungen des Jazz lebendig werden: Den Anfang machte am Donnerstagabend der Pianist und Sänger Luca Sestak. Mit dem Schlagzeuger Johannes Niklas und zeitweise dem Saxophonisten Josua Niklas an der Seite, ließ er in virtuosen Boogie- Woogie-Rhythmen die Finger über das Piano tanzen.

Live-Übertragung: Wer nicht im Schlosshof war, konnte die Konzerte live in drei Lokalen verfolgen – diese fünf Tiengener haben im Deli- Biergarten den besten Platz direkt vor dem Bildschirm.
Live-Übertragung: Wer nicht im Schlosshof war, konnte die Konzerte live in drei Lokalen verfolgen – diese fünf Tiengener haben im Deli- Biergarten den besten Platz direkt vor dem Bildschirm. | Bild: Ursula Freudig

Die Band „Norbert Blank & Friends“ machte am Freitagabend im frechen Dixiesound Stimmung. Immer wieder legten die Bandmitglieder – unter ihnen der Ausnahmeschlagzeuger Bernard Flegar – mitreißende Soli hin. Zum Abschluss der Jazz-Days stand am Samstagabend die Soul- und Funkband „79SoulClub“ vom Hochrhein auf der Bühne. Sie spielte in einer Neubesetzung und tat dies so kraftvoll und leidenschaftlich, dass die Stimmung immer weiter stieg bis es viele vom Stuhl riss und getanzt wurde.

Soul und Funk: Die Band „79SoulClub“ reißt zum Abschluss der Jazz-Days das Publikum mit, von links: Gerd Rieber, Jochen Stegmaier, Johannes Stegmaier, Bettina Batt, Willy Jäger und Bernd Keller.
Soul und Funk: Die Band „79SoulClub“ reißt zum Abschluss der Jazz-Days das Publikum mit, von links: Gerd Rieber, Jochen Stegmaier, Johannes Stegmaier, Bettina Batt, Willy Jäger und Bernd Keller. | Bild: Ursula Freudig

Alle drei Konzerte wurden von der Firma HVT aus Waldshut-Tiengen live auf You Tube im Internet übertragen. Zusätzlich waren die Konzerte auf Bildschirmen in den Außenbereichen der Tiengener Lokale Cortina, Deli und Il Gusto übertragen. Besonders am Samstag waren in allen drei Lokalen die Tische vor dem Bildschirm voll. Kurt Reckermann, Surianer und Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft, war maßgebliche Kraft bei der Organisation der Konzerte. Bei jedem Konzert gab es einen extra Beifall für den bekennenden Jazz-Liebhaber.

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„Wir sind sehr zufrieden“

Christopher Wieland ist Bürgermeister der Surianergemeinde Tiengen

Herr Wieland, hinter den Jazz-Days standen die Aktionsgemeinschaft Tiengen und die Surianergemeinde Tiengen, wie war die Aufgabenverteilung?

Wir haben gemeinsam ein Hygienekonzept erstellt, die Surianer haben bewirtet und Kurt Reckermann hat die Musiker geholt. Die Aktionsgemeinschaft hat das Organisatorische wie das Anmelden der Veranstaltung, den Einlass und den Live-Stream in den Lokalen übernommen und sie hat zusammen mit den Sponsoren die Kosten getragen.

Was war im Zuge der Corona-Auflagen für die Surianer anders?

Wir waren mit mehr Leuten im Einsatz als sonst und haben die Abläufe an unserem Bewirtungsstand etwas verändert, um Kontakte zu vermeiden. Wir haben hinter Plexiglas gearbeitet, Handschuhe und Nasen-Mundschutz getragen. Den zu tragen, war schon sehr anstrengend, weil es hinter der Scheibe besonders beim Grill sehr heiß war. Aber die Gesundheit aller stand natürlich an oberster Stelle.

Wie fällt Ihr Fazit aus?

Wir sind sehr zufrieden. Wir hatten ein so gut wie ausverkauftes und zwei komplett ausverkaufte Konzerte. Besonders froh sind wir, dass unser Hygienekonzept funktioniert hat und die Gäste uns hierbei unterstützt haben. Zusammen mit der Aktionsgemeinschaft Tiengen haben wir bewiesen, dass auch größere Veranstaltungen unter Einhaltung der Corona-Hygienevorschriften möglich sind.