Ursula Freudig

Im November des vergangenen Jahres haben elf Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen im Tiengener Süden ein neues Zuhause bezogen. Sie leben jetzt in einer Fünfer- oder einer Sechser-Wohngemeinschaft in einem Haus des genossenschaftlich organisierten Quartier-Wohnprojekts „Am Kaltenbach“. Oekogeno mit Sitz in Freiburg ist Bauherr des Quartiers.

Zur Umsetzung dieses besonderen Wohnangebots holte Oekogeno Kooperationspartner mit ins Boot. Die wichtigsten sind das Landratsamt Waldshut mit seinem Sozialamt, das im Rahmen der Eingliederungshilfe und des Teilhabeplans Menschen mit Behinderungen unterstützt. Außerdem die Caritaswerkstätten Hochrhein sowie die Awo Waldshut.

Mitarbeiter beider Wohlfahrtsverbände, sogenannte Assistenzkräfte, begleiten und unterstützen die Mitglieder der beiden Wohngemeinschaften. Die Caritas ist für die Wohngemeinschaft für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen zuständig, die Awo für die zweite, in der Menschen mit psychischen Erkrankungen zusammenleben. Jeder Bewohner hat ein eigenes Zimmer, andere Räume wie Küche und Wohnzimmer werden in den beiden Wohngemeinschaft gemeinschaftlich genutzt.

In diesem Haus des Wohnquartiers „Am Kaltenbach“ sind die beiden Wohngemeinschaften untergebracht. Davor stehen (von links) ...
In diesem Haus des Wohnquartiers „Am Kaltenbach“ sind die beiden Wohngemeinschaften untergebracht. Davor stehen (von links) Simon Stott (Oekogeno), Simone Ahls und Barbara Muser-Heinz (Awo Waldshut) sowie Felicitas Greiner, Manfred Schrenk und Thomas Utz (Caritaswerkstätten Hochrhein). | Bild: Ursula Freudig

Kürzlich wurde mit einem kleinen Empfang und einer Besichtigung der Gemeinschaftsräume das neue Wohnangebot gefeiert. Anwesend waren Mitglieder der Kooperationspartner und die Bewohner der beiden Wohngemeinschaften.

Simon Stott, Inklusionsmanager der Oekogeno, drückte den Partnern seinen Dank aus: „Es war ein unkomplizierter, gemeinsamer Weg, durch solche inklusiven Wohnprojekte schaffen wir Neues“, sagte er. Fünf ähnliche Projekte habe das Unternehmen nach seiner Aussage bereits verwirklicht, bei keinem sei die Umsetzung allerdings so einfach und konstruktiv gewesen wie in Tiengen.

Die Kooperationspartner des Projekts würdigten ebenfalls die gute Zusammenarbeit unter dem Stern der Inklusion. „Bahnbrechend“ nannte Manfred Schrenk, Geschäftsführer der Caritaswerkstätten Hochrhein, das Wohnprojekt. Die Bewohner der beiden Wohngemeinschaften haben zu einem guten Teil schon vorher in ähnlichen Wohnformen gelebt wie beispielsweise unter der Regie der Caritas in Bonndorf.

In Tiengen ist jetzt ihr Weg zur Arbeit in die umliegenden Caritaswerkstätten viel kürzer. Barbara Muser-Heinz, stellvertretende Geschäftsführerin der Awo Waldshut, sagte über die beiden Wohngemeinschaften: „Menschen mit Behinderung haben die Chance, mitten drin zu wohnen.“