Es ist eine ganz besondere Ausstellung, die jetzt in den Schwarzenbergsälen im Schloss Tiengen gezeigt wird: Da sind die rund 50 Schwarz-Weiß-Fotografien von Maria Fröhlich-Knorr, die sich in ihrer Strenge und Reduziertheit wunderbar mit den acht Stahlplastiken von Jörg Bach ergänzen.

Die Fotografie „Explosion“ von Maria Fröhlich-Knorr.
Die Fotografie „Explosion“ von Maria Fröhlich-Knorr. | Bild: Rosemarie Tillessen

Die berührendsten Arbeiten entdeckt man dann aber im kleinen Flur der Ausstellung: Hier setzt sich Maria Fröhlich-Knorr, die krankheitsbedingt an der Vernissage nicht teilnehmen konnte, in 18 Selbstportraits eindrucksvoll mit ihrer Krankheit auseinander. Auf den ersten Blick schockierend, dann aber mit sehr viel Lebenskraft und Humor. „Haarlos“ nennt sie diese Serie.

Zurück zur Ausstellung: Die Vernissage fand coronabedingt im Schlosshof statt. Und da Kunsthistorikerin Zara Tiefert-Reckermann, ebenfalls krankheitsbedingt, nicht wie geplant in die Ausstellung einführen konnte, wurde ihre Rede von Kulturamtsleiterin Kerstin Simon verlesen. So erfuhren die Ausstellungsbesucher, dass die gelernte Bauzeichnerin Fröhlich-Knorr fotografisch Autodidaktin ist, aber seit 2014 mit Fotografien experimentiert.

Der Bildhauer Jörg Bach bei seiner Skulptur „Höhlenblock 11“.
Der Bildhauer Jörg Bach bei seiner Skulptur „Höhlenblock 11“. | Bild: Rosemarie Tillessen

Bevorzugt in der Stille der Nacht. Dabei spielt sie mit Gegenständen ihrer Umgebung – mit Wänden, Fliesen, Netzen, Würfeln und anderem. So entstehen reizvolle Fotoserien wie „Verwandelt“, „Hinundher“ oder „Galaxy“. Ihre Arbeiten sind ausschließlich schwarzweiß, manchmal messerscharf im Kontrast, manchmal weich, verschwommen und voller Grauabstufungen, statisch oder voller Bewegung. Zara Tiefert-Reckermann spricht von „Lichträumen“ und „konkreten Fotografien“. Man würde sich gern mit der Künstlerin über ihre überraschende Technik unterhalten.

Das könnte Sie auch interessieren

Ihren Arbeiten stehen die Plastiken aus vierkantigen Stahlbändern von Jörg Bach gegenüber. Er schweißt sie zu dynamischen Formen zusammen, verknotet und reizvoll verschlungen. In Tiengen zeigt er Skulpturen aus seinen beiden neuesten Serien „Höhlenblock“ und „Neuland“.

Eine Stahlplastik von Jörg Bach neben zwei Fotografien von Maria Fröhlich-Knorr.
Eine Stahlplastik von Jörg Bach neben zwei Fotografien von Maria Fröhlich-Knorr. | Bild: Rosemarie Tillessen

Bei den vier Arbeiten „Höhlenblock“ ließ er sich – so Zara Tiefert-Reckermann – von den Höhlen und Gewölben eines unterirdischen französischen Kalkbergwerks anregen und zu neuen Räumen inspirieren. Bei den Arbeiten zur Serie „Neuland“ poliert er den Stahl spiegelnd und bezieht so den Betrachter mit ein. Wunderschön dabei die runden, dynamischen Formen. Beide Künstler verbindet das große Thema „Raum“.