Geschäfte wie Behörden konnten ab jetzt jeden Donnerstag bis 20.30 Uhr und damit zwei Stunden länger geöffnet haben. Ansonsten galt noch das seit 1956 bestehende Ladenschlussgesetz mit den von 7 bis 18.30 Uhr unter der Woche geöffneten Läden. Die große Frage war: Wie viele Läden machen donnerstags tatsächlich mit, wie viele Kunden frequentieren bis 20.30 Uhr die Stadt?

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Was schon Wochen zuvor zu einer Art Glaubenskrieg unter den Einzelhändlern geführt hatte. Die einen sahen eine Chance, die anderen nur Probleme mit den bis dahin festgezurrten Arbeitszeiten ihres Personals. Während die Einzelhandelsorganisationen in Tiengen, Laufenburg und Bad Säckingen den Dienstleistungsabend grundsätzlich ablehnten, wagte der Werbe- und Förderungskreis Waldshut den Sprung ins kalte Wasser. Mit Zeitungsinseraten „Waldshut nimmt sich Zeit für Sie“ propagierte der W+F den Dienstleistungsabend, obwohl klar war, dass längst nicht alle Geschäfte mitmachen würden – auch nicht die damaligen zwei Kaufhäuser in der Kaiserstraße. Und dann kam er, dieser erste Dienstleistungsabend. Tatsächlich beteiligte sich etwa die Hälfte der Geschäfte und der Kundenandrang stellte die meisten von ihnen zufrieden. Wobei ein Händler treffend formulierte: „Ein neugeborenes Kind kann auch noch nicht laufen.“

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Das Kind ist inzwischen erwachsen. Ab November 1996 konnten die Läden von 6 bis 20 Uhr öffnen, der „lange Donnerstag“ entfiel deshalb. Schließlich machte die Föderalismusreform 2006 dem Bundesladenschlussgesetz den Garaus. Seither entscheiden die Länder, wie lange die Läden geöffnet haben dürfen. In den Bundesländern – nur in Bayern nicht – könnten die Läden, wenn sie denn wollten, von montags bis samstags täglich 24 Stunden lang offen haben. Wie etwa in Baden-Württemberg. Und auch das hat sich eingespielt: Alle öffnen ihr Geschäft, wie sie es für richtig halten – für sich und ihre Kunden.

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