Der bedeutendste Sohn der Schwarzwaldgemeinde Bernau ist zweifellos Hans Thoma (1839 bis 1924), der zwischen 1890 und 1910 als einer der „Lieblingsmaler der Deutschen“ galt. Bis heute wird er in seinem Heimatort verehrt. Dem Gesangverein Liederkranz Bernau-Außertal kommt dabei die Rolle zu, die Erinnerung an ein von Thoma geschaffenes einzigartiges Kunstwerk zu bewahren – die vom Künstler 1892 gemalte Vereinsfahne.

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Im Frühherbst 1900 weilte Thoma, vermutlich zu einer Kur, in St. Blasien und besuchte auch Bernau. Worüber der Alb-Bote berichtete und daran erinnerte, dass Thomas „großer Heimatliebe ein Kunstwerk entsprang, das unter den Thoma-Gemälden in seiner Art einzig dasteht“ – die 1892 von Thoma dem Liederkranz gewidmete Fahne, welche ein vom Künstler auf Seide gemaltes Bild der heiligen Cäcilia zierte.

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„So ist der Verein in der glücklichen Lage“, schrieb der Alb-Bote im Jahr 1900, „eine der kostbarsten Fahnen zu besitzen, da dieselbe jetzt nach fachmännischem Urteil durch ihr Bild einen Wert von einigen Tausend Mark besitzt. Dieses wertvolle Andenken bewahrt der Verein im Schulhaus in Bernau-Außertal auf. Das prachtvolle Gemälde hängt unter Glas und Rahmen im Schulzimmer daselbst, wo jeder Besucher Bernaus Gelegenheit hat, daselbe zu beschauen.“

Damit war es am 18. März 1914 vorbei, als beim Brand des Schulhauses auch die Thoma-Fahne vernichtet wurde. 1922 beauftragte Hans Thoma seinen einstigen Meisterschüler Albert Haueisen, das gleiche Bild auf eine neue Fahne zu malen, die am 3. Juni 1923 mit einem Fest enthüllt und eingeweiht wurde. Diese Fahne wurde durch ständigen Standortwechsel während des Zweiten Weltkriegs so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass sie nicht mehr zu retten war. Für die dritte Fassung der Fahne mit gleichem Aussehen sorgte Kunstmaler Arthur Fohr aus Berlin, der als Meisterschüler von Haueisen bereits an der zweiten Fahne mitgearbeitet hatte. Zur 90-Jahr-Feier des Liederkranz am 14. Juni 1953 wurde die dritte und heutige Fahne eingeweiht.