Schon Mitte Januar begann die Firma Schmutz, Gerüstbau aus Grenzach-Wyhlen, mit dem Aufbau des Gerüstes an der Pfarrkirche in Tiengen. In rund zwei Monaten wurde nun das ganze Kirchenschiff eingerüstet und gleichzeitig rundherum mit einem Sicherheitsnetz versehen.

Eberhard Völkle vom Förderverein zum Erhalt der Peter Thumb Kirche und Christian Weinfurter, projektleitender Architekt, freuen sich über den Fortgang der Sanierung der zurzeit total eingerüsteten Peter Thumb Kirche in Tiengen. Auf dem Bild links Eberhard Völkle und Christian Weinfurter.
Eberhard Völkle vom Förderverein zum Erhalt der Peter Thumb Kirche und Christian Weinfurter, projektleitender Architekt, freuen sich über den Fortgang der Sanierung der zurzeit total eingerüsteten Peter Thumb Kirche in Tiengen. Auf dem Bild links Eberhard Völkle und Christian Weinfurter. | Bild: Herbert Schnäbele

Während das Sicherheitsnetz auf der Nordseite in erster Linie Fußgänger vor herabfallenden Gegenständen und Bauschutt schützen soll, wirkt es vor allem zur Südseite hin beim Abstrahlen der Fassade als Staubschutz für die Anwohner, erläutert der projektleitende Architekt Christian Weinfurter vom Architekturbüro Dalla Corte + Völkle, Architekten GmbH, Waldshut-Tiengen/Ermatingen.

Architekt Christian Weinfurter erläutert die Problematik der Schwachstellen an skulpturalen Barockdächern, bei denen an Ecken, Kanten und Kehlen mit der Zeit Feuchtigkeit eindringen kann.
Architekt Christian Weinfurter erläutert die Problematik der Schwachstellen an skulpturalen Barockdächern, bei denen an Ecken, Kanten und Kehlen mit der Zeit Feuchtigkeit eindringen kann. | Bild: Herbert Schnäbele

Schon während des Gerüstaufbaues konnten die Steinmetze der Firma Armin Hellstern, Steinrestaurierungen GmbH aus Freiburg und die Zimmermänner der Holzbaufirma Zeller & Jochum GmbH aus Immendingen erste Sondierungen über den Grad der anstehenden Sanierungsarbeiten vornehmen.

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Die Steinmetzarbeiten erstrecken sich auf die Sanierung der Fensterbänke und Portalgewände. An den Fassaden erfolgen die Erneuerung und Ausbesserung des Putzes und die dazugehörenden Malerarbeiten.

Sanierungsbedürftige Holzteile des Dachstuhles, die durch eindringende Feuchtigkeit Schaden genommen haben.
Sanierungsbedürftige Holzteile des Dachstuhles, die durch eindringende Feuchtigkeit Schaden genommen haben. | Bild: Herbert Schnäbele

Die Zimmermänner widmen sich der Erneuerung des Daches und der Sanierung der Holzkonstruktion des Dachstuhles. Dazu mussten zunächst Dämmplatten aus den 70er Jahren, die durch eindringende Feuchtigkeit vermodert waren, entfernt werden. Dadurch ist die Holzkonstruktion besser einsehbar und kann wieder dauerhaft belüftet werden. Außerdem können Balken und Balkenteile, die zum Teil morsch geworden sind, entsprechend ersetzt werden.

Sanierungsbedürftige Fensterbänke und Portalgewände sind der Arbeitsauftrag für die Steinmetze der Steinrestaurierungsfimra Hellstern aus Freiburg.
Sanierungsbedürftige Fensterbänke und Portalgewände sind der Arbeitsauftrag für die Steinmetze der Steinrestaurierungsfimra Hellstern aus Freiburg. | Bild: Herbert Schnäbele

„Allerdings bestand zu keiner Zeit eine Einsturzgefahr“, erläutert Christian Weinfurter. „Die Tragfähigkeit des Dachstuhles ist nicht gefährdet. Aber man muss es perspektivisch sehen, der Zeitpunkt ist jetzt günstig, um in Zukunft größere Reparaturarbeiten zu vermeiden. Der Dachstuhl ist für sein Alter von rund 250 Jahren grundsätzlich in einem sehr guten Zustand“, konstatiert Weinfurter.

Blick in die Holzkonstuktion des 250 Jahre alten Dachstuhles, der sich grundsätzlich in einem sehr guten Zustand befindet.
Blick in die Holzkonstuktion des 250 Jahre alten Dachstuhles, der sich grundsätzlich in einem sehr guten Zustand befindet. | Bild: Herbert Schnäbele

Einen großen Umfang nimmt die Sanierung des Daches mit seinen rund 1100 Quadratmetern Fläche ein. Der größte Teil der Ziegel muss erneuert werden. Vor allem die Ziegel der Nordseite aus dem 19. Jahrhundert sind total erodiert. Auch auf der Südseite gibt es vielfach einen grauen Belag, sogenannte Fechten und Moose, wie man sie aus den Bergen kennt, so Weinfurter.

Blick auf das Mansardendach der südlichen Seitenkapelle. Durch die Dachrundung und die Wölbung wird der besondere Aufwand einer Neueindeckung mit unterschiedlichen Ziegelgrößen deutlich.
Blick auf das Mansardendach der südlichen Seitenkapelle. Durch die Dachrundung und die Wölbung wird der besondere Aufwand einer Neueindeckung mit unterschiedlichen Ziegelgrößen deutlich. | Bild: Herbert Schnäbele

Eine Reinigung würde die Oberfläche zu stark beschädigen, weshalb gleich bei der Entfernung der Ziegel in Absprache mit dem Denkmalamt entschieden wird, welche Ziegel, sogenannte Denkmalbiber, entsorgt werden und welche wieder verwendet werden können. Die Dachsanierung mit der Neueindeckung erfolgt in mehreren Etappen, weil jeder geöffnete Abschnitt mit einem Sturm- und Regendach versehen werden muss.

Deutlich erkennbar sind an den Ziegeln der Dachtraufe die Flechten und Moose als grauer Belag erkennbar, der dazu führt, dass die Ziegel nicht mehr verwendet werden können. Eine Reinigung würde die Eigenschaften der Ziegel zu sehr negativ beieinflussen, da bei einer Reinigung die Oberfäche zerstört würde. Auf dem Bild rechts erläutert Architekt Christian Weinfuter diese Problematik.
Deutlich erkennbar sind an den Ziegeln der Dachtraufe die Flechten und Moose als grauer Belag erkennbar, der dazu führt, dass die Ziegel nicht mehr verwendet werden können. Eine Reinigung würde die Eigenschaften der Ziegel zu sehr negativ beieinflussen, da bei einer Reinigung die Oberfäche zerstört würde. Auf dem Bild rechts erläutert Architekt Christian Weinfuter diese Problematik. | Bild: Herbert Schnäbele

Die gesamten Bauarbeiten des zweiten Bauabschnittes dauern voraussichtlich bis Anfang des kommenden Jahres. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 1,5 Millionen Euro, wovon die Kirchengemeinde rund 140.000 Euro aus Eigenmitteln aufbringen muss. Aus diesem Grunde hat der Förderverein zum Erhalt der Peter-Thumb-Kirche Tiengen e.V. eine weitere Spendenaktion gestartet (siehe Infokasten).