Seit Corona ist sie jeden Tag auf: „Gerade in schwierigen Zeiten müssen Kirchen geöffnet sein, die Menschen brauchen einen Ort der Stille, wo sie Kraft tanken können“, sagt Rosmarie Kyas. Sie spricht von der Maria Königin Kapelle in Detzeln, die sie seit sieben Jahren als Mesnerin betreut. Jeden Tag schließt sie morgens die Eingangstüre auf und abends wieder zu. Vergangenen Winter hat sie zusätzlich morgens eine zeitlang die Heizung aufgedreht. Wer Rosmarie Kyas reden hört, spürt, dass sie eine enge Verbindung zur Maria Königin Kapelle hat, einer Filialkirche der Pfarrgemeinde Tiengen.

Die Kapelle: An leicht erhöhtem Standort ist die Maria Königin Kapelle Mittelpunkt des kirchlichen Lebens in Detzeln.
Die Kapelle: An leicht erhöhtem Standort ist die Maria Königin Kapelle Mittelpunkt des kirchlichen Lebens in Detzeln. | Bild: Ursula Freudig

Vor der Corona-Pandemie feierte Detzeln in seiner kleinen Kirche ein Mal im Monat eine heilige Messe und zusätzlich die Hochfeste. Seit Corona ist sie „nur“ noch privat zur stillen Einkehr geöffnet. Dafür gibt es aber auf dem Kirchplatz bei schönem Wetter bereits wieder Angebote, so wie kürzlich die Feier des Patroziniums am 22. August, dem römisch- katholischen Festtag Maria Königin. Die Detzelner Kapelle ist also der Gottesmutter geweiht, die als Königin des Himmels oder Weltalls verehrt wird. Der Gedenktag Maria Königin wurde 1954 vom Papst Pius XII eingeführt.

Informiert man sich über das Entstehen der Detzelner Kapelle, wird in den Dokumenten immer wieder hervorgehoben, dass sie sich einer gut funktionierenden Dorfgemeinschaft und deren Ausdauer verdankt. Es heißt in Unterlagen, dass bereits vor dem Ersten Weltkrieg ein Kapellenbau geplant wurde und nach Ende des Krieges ein Kapellverein fleißig Spenden für den Bau sammelte. Es sollte aber noch Jahrzehnte dauern bis das Vorhaben umgesetzt wurde und der Ort feststand, an dem sie heute steht.

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Nach Aussage von Rosmarie Kyas wollten die Detzelner ihr neues Gotteshaus ursprünglich nahe der Steina bauen. Wegen einer möglichen Gefährdung der Kirche durch Hochwasser wurde dieser Platz aufgegeben. Ihren Standort fand die Maria Königin Kapelle schließlich leicht erhöht links der Ortseinfahrt von Tiengen kommend. Dort war im Juli 1954 die Grundsteinlegung. So gut wie alle Detzelner versammelten sich nach einer Prozession von der alten Oswald Kapelle (über sie kommt ein extra Artikel), um diesen Anlass mit dem damaligen Dekan Karl Armbruster und dem damaligen Tiengener Stadtpfarrer Eugen Fürstos zu feiern.

Das Mosaikbild: Paul Przybylski aus Tiengen hat es für die Kapelle angefertigt.
Das Mosaikbild: Paul Przybylski aus Tiengen hat es für die Kapelle angefertigt. | Bild: Ursula Freudig

Das wechselhafte Wetter hielt und gegen Ende kam sogar die Sonne durch, was laut damaligen Tiengener Pfarrblatt „wie eine Bestätigung war, dass das, was geschah, recht war und Gottes Wohlgefallen darauf ruhe.“ Viele Detzelner Bürger hatten den Kirchenbau unterstützt: Nicht nur finanziell, sondern auch durch Eigenarbeit, sprich Muskelkraft direkt auf der Baustelle.

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Im Herbst 1958 war es dann soweit: Die Maria Königin Kapelle wurde feierlich eingeweiht, gut 50.000 DM soll der Bau gekostet haben. 1960 folgte die Anschaffung von drei Glocken. Die robust wirkende Kapelle ist innen schlicht eingerichtet. Zentral im Altarraum ist ein großes Holzkreuz und ein Mosaikbild Marias, das der Tiengener Handwerker und Künstler Paul Przybylski geschaffen hat. Im Kirchenraum sind handgeschnitzte Kreuzweg-Bilder das Besondere. Und an Weihnachten ist mit den Worten von Rosmarie Kyas, eine uralte Krippe ausgestellt. 1980 wurde die Kapelle renoviert.

Engagement für neue Orgel

Dass die Detzelner Bürgerschaft und die Vereine nach wie vor hinter der Maria Königin Kapelle stehen, zeigte sich 2016, als eine neue Orgel nötig wurde. Wieder wurde sehr erfolgreich Geld gesammelt – dieses mal nicht vom Kapellenverein, sondern vom ehrenamtlich tätigen Gemeindeteam, dem auch Rosmarie Kyas angehört.

Der Kreuzweg: Eine Kreuzweg-Station in der Maria Königin Kapelle.
Der Kreuzweg: Eine Kreuzweg-Station in der Maria Königin Kapelle. | Bild: Ursula Freudig

Verschiedene Aktion wurden veranstaltet, darunter ein Benefizkonzert mit dem Männergesangverein Detzeln, dem Kirchenchor Detzeln und Nachbarchören. Insgesamt wurden durch Aktionen über 5000 Euro eingenommen, damit war die neue Orgel finanziert. (Quelle für geschichtliche Angaben: Manfred Emmerich/Homepage Detzeln www.detzeln.de).

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