Bis vor Kurzem hing die Stadtansicht von Peter Schütz noch im Büro von Kulturamtsleiterin Kerstin Simon, bald könnte das Bild in Ihrem Wohnzimmer eine Wand zieren. Die Stadt Waldshut-Tiengen eröffnet am Wochenende eine Artothek und verleiht künftig Kunstwerke aus der städtischen Kunstsammlung. Ein Wohnsitz in der Großen Kreisstadt ist dabei keine Bedingung.

Was ist eine Artothek?

Die Waldshut-Tiengener Artothek befindet sich in der ehemaligen Hausmeisterwohnung der Theodor-Heuss-Schule in der Waldshuter Liedermatte (Mozartstraße 27). Hier finden ab sofort wechselnde Ausstellungen mit Exponaten aus der städtischen Kunstsammlung statt.

Die Artothek funktioniert ähnlich wie eine Bibliothek: Bürger können sich die Kunstwerke gegen eine Gebühr ausleihen. Im Laufe der Zeit ist die städtische Kunstsammlung auf etwa 300 Einzelwerke angewachsen.

Die Artothek ist in der ehemaligen Hausmeisterwohnung der Theodor-Heuss-Schule in der Waldshuter Liedermatte (Mozartstraße 27) ...
Die Artothek ist in der ehemaligen Hausmeisterwohnung der Theodor-Heuss-Schule in der Waldshuter Liedermatte (Mozartstraße 27) untergebracht. | Bild: Völk, Melanie

Die Gemälde, Fotografien und Skulpturen wurden an mehreren Stellen gelagert, teilweise auch in Dienstzimmern oder sie hingen in Büros der städtischen Mitarbeiter. „Es war dringend Zeit, etwas zu tun. Es ist schade, dass regionale Kunst weitgehend aus der Öffentlichkeit verschwindet und kaum sichtbar ist“, sagt Kulturamtsleiterin Kerstin Simon.

Kunstwerke mit den Bürgern teilen

Sie erklärt, warum die Stadt jetzt ihre Bilder mit den Bürgern teilen will: „Kunst muss unter die Leute, sie muss gesehen und erlebt werden. Es macht was mit einem, wenn man ein Original-Kunstwerk täglich zu Hause erlebt.“

Sie freuen sich auf die Eröffnung der Artothek am Samstag, 30. April: Michael Rudigier, Betreuer der städtischen Kultursammlung und ...
Sie freuen sich auf die Eröffnung der Artothek am Samstag, 30. April: Michael Rudigier, Betreuer der städtischen Kultursammlung und zuständig für die Artothek, Layla Nieden, Öffentlichkeitsarbeit im Kulturamt der Stadt Waldshut-Tiengen, Stefanie Koke, Sachbearbeiterin Kulturamt, Kulturamtsleiterin Kerstin Simon und Oberbürgermeister Philipp Frank (von links). | Bild: Völk, Melanie

Oberbürgermeister Philipp Frank ergänzt: „Es ist toll, die Möglichkeit zu bekommen, sich ein echtes Kunstwerk an die Wand zu hängen.“ Die Artothek läuft für einen Probezeitraum über drei Jahre. Es ist die erste Artothek in der Umgebung – vergleichbare Angebote gibt es etwa in Radolfzell oder Weil am Rhein.

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Welche Exponate werden angeboten?

Die städtische Kunstsammlung umfasst Werke von A bis Z: Von A wie die Anra-Brüder Andreas und Ralph Hilbert aus Lottstetten bis Z wie Hinrich Zürn. „Es ist ein Abbild der Kunstszene am Hochrhein“, sagt Simon. In der Sammlung befinden sich klein- und großformatige Ölbilder, Acryl- und Aquarellmalereien, Collagen, Fotoarbeiten, Drucke, Reliefs und Skulpturen.

In der Bildmitte ist ein Werk der argentinischen Künstlerin Sandra Labaronne zu sehen, die in der Waldshut-Tiengener Partnerstadt Blois ...
In der Bildmitte ist ein Werk der argentinischen Künstlerin Sandra Labaronne zu sehen, die in der Waldshut-Tiengener Partnerstadt Blois lebt und arbeitet. | Bild: Völk, Melanie

Einen genauen Wert wollte die Kulturamtsleiterin nicht nennen, nur so viel: „Wir haben Fotoarbeiten für 30 Euro das Stück, aber auch Einzelstücke bis 6000 Euro.“ Letzteres würde allerdings nicht in der Artothek in der Mozartstraße gelagert.

Dürfen nur Waldshut-Tiengener Bürger die Kunstwerke ausleihen?

Wer das Angebot der Artothek nutzen möchte, muss nicht in Waldshut-Tiengen wohnen. Es können sich also auch Bürger aus anderen Städten und Gemeinden ein Kunstwerk ausleihen.

Wie funktioniert die Ausleihe?

Die Ausleihe ist ab Montag, 2. Mai, möglich. In einem Katalog sind alle Exponate aufgelistet. Der Katalog liegt in der Artothek und im Kulturamt aus. Geplant ist auch, den Katalog im Internet zu veröffentlichen. Michael Rudigier, der die städtische Kunstsammlung betreut, ist für die Artothek verantwortlich.

Wer ein Bild ausleihen möchte, kann mit ihm einen Termin vereinbaren. Das Bild wird für den Transport verpackt und muss am Ende des Ausleih-Zeitraums wieder verpackt in die Artothek zurückgebracht werden.

Werke in kräftigen Farben zeigt die erste Ausstellung der Artothek „Rausch der Farben“.
Werke in kräftigen Farben zeigt die erste Ausstellung der Artothek „Rausch der Farben“. | Bild: Völk, Melanie

Was kostet das Ausleihen der Bilder und wie lange kann ich das Bild nutzen?

Die Bilder werden für ein halbes Jahr oder ein Jahr verliehen. Die Leihgebühr beträgt einen Euro pro Woche. Für ein halbes Jahr zahlen Interessierte also 26 Euro plus Mehrwertsteuer, für ein Jahr 52 Euro. Gezahlt wird per Vorkasse – bar oder per Überweisung.

„Nach einem Jahr möchten wir das Kunstwerk wieder zurück“, erklärt Simon und lancht. Das Angebot sei laut Simon bewusst niederschwellig berechnet. „Es ist nicht unser Ziel, einen großen Gewinn einzufahren. Unser Auftrag ist die Vermittlung von Kunst“, erklärt Simon.

Was muss bei der Ausleihe beachtet werden?

„Die Haftung geht an der Bordsteinkante an den Ausleiher über“, erklärt Kerstin Simon. Der Ausleiher unterschreibt einen Mietvertrag und verpflichtet sich, die Bilder nur in Wohnräumen aufzuhängen.

Ein Blick in die Artothek der Stadt Waldshut- Tiengen in der Mozartstraße 27. Die Bilder sind Teil der ersten Ausstellung „Rausch ...
Ein Blick in die Artothek der Stadt Waldshut- Tiengen in der Mozartstraße 27. Die Bilder sind Teil der ersten Ausstellung „Rausch der Farben“. | Bild: Völk, Melanie

Der Abschluss einer Versicherung sei laut Kerstin Simon keine Voraussetzung. „Das muss jeder Nutzer individuell aus seinem Sicherheitsbedürfnis und seiner wirtschaftlichen Situation heraus entschieden“, so Simon.

Was ist im Gebäude der Artothek noch alles geplant?

In der Artothek in der Mozartstraße sind drei Mal pro Jahr Ausstellung mit den Werken aus der städtischen Kunstsammlung geplant.

Die einzelnen Räume der Artothek wurden in unterschiedlich kräftigen Farben gestrichen.
Die einzelnen Räume der Artothek wurden in unterschiedlich kräftigen Farben gestrichen. | Bild: Völk, Melanie

In der ersten Ausstellung „Im Rausch der Farben“ sind Werke zahlreicher lokaler Künstler zu sehen, wie beispielsweise Peter Schütz (Görwihl), Bernd Salfner (Tiengen), Josef Briechle (Tiengen), Conrad Schierenberg, Mechthild Ehmann (beide Dachsberg), Kolibri (Jestetten), Santori (Bad Zurzach) oder den Anra-Brüdern (Lottstetten).

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