Es gibt Veranstaltungen, die wirken nach, die lassen die Besucher wacher, mit vielleicht sogar neuen Gedanken nach Hause gehen. Ein solche fand am Samstagabend mit einer Lesung und einem Jazz-Konzert im Kreistagssaal des Landratsamtes Waldshut im Rahmen der Frauenaktionswochen statt. Florence Brokowski-Shekete las aus ihrem Buch „Mist, die versteht mich ja“, in dem sie auf sehr authentische, packende Weise ihre Lebensgeschichte als in Deutschland geborene schwarze Frau erzählt.

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Ebenso echt und tiefgründig kam die Musik der beiden jungen Jazzkünstlerinnen Gabriele Mauerer aus Laufenburg und Juliana Saib aus Neustadt an der Weinstraße rüber. Wort und Musik wurden im Wechsel dargeboten. Von Anfang bis Ende der Veranstaltung – und das waren fast drei Stunden – hatten die Autorin und die Musikerinnen die volle Aufmerksamkeit der rund 70 Besucher.

Eröffnet wurde der Abend von der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Waldshut, Anette Klaas. Sie blickte auf die coronabedingt auch dieses Jahr „abgespeckten“ Frauenaktionswochen und das diesjährige zentrale Thema „Migration“. „Es zählt, wo man sich zuhause fühlt“, sagte Klaas und forderte dazu auf, die eigene Identität immer wieder zu hinterfragen und kritisch zu sein.

Großer Beifall: Das Publikum würdigt die Veranstaltung, die auch zum Nachdenken angeregt hat.
Großer Beifall: Das Publikum würdigt die Veranstaltung, die auch zum Nachdenken angeregt hat. | Bild: Ursula Freudig

Bewussteres, sensibleres Umgehen mit Sprache gegenüber Menschen, die als Minderheit in einer Mehrheitsgesellschaft leben – wie Florence Brokowski-Shekete als schwarze Frau in Deutschland – ist eines der Anliegen der Autorin. Hierfür las die in Hamburg geborene Pädagogin im Landratsamt nicht nur aus ihrem Buch, sondern referierte auch, beantwortete Fragen und diskutierte mit dem Publikum. Sie legte dar, dass für sie als Schwarze mit Deutschland als Heimat die Frage, „wo kommst du her“, eine Grenzüberschreitung, eine rassistisch motivierte Diskriminierung und Ausgrenzung darstellt.

Dass die Sprache der Musik universeller und oft unkomplizierter als die der Wörter ist, machten Gabriele Maurer mit dem Saxophon und ihrer Stimme sowie Juliana Saib am Klavier deutlich. Das Publikum dankte mit ausgiebigem Beifall für den Abend, der mit den Worten der Gleichstellungsbeauftragten Anette Klaas einen denkwürdigen Inhalt hatte. Klaas hofft, dass die Frauenaktionswochen nächstes Jahr wieder im gewohnten großen Rahmen stattfinden können.

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