Das Gurs-Mahnmal im Waldshuter Stadtpark wurde Ziel eines Farbanschlags. Die Gedenkstätte, die an die Deportation jüdischer Bürgerinnen aus Waldshut-Tiengen vor 81 Jahren erinnert, war am Freitagmorgen komplett mit Farbe verschmiert vorgefunden worden.

Das berichten Mitarbeiter des Pfarramts der evangelischen Versöhnungskirche, die sich im Stadtpark findet, dieser Zeitung am Freitag. Der Baubetriebshof der Stadt Waldshut-Tiengen reinigte das Mahnmal noch am Freitagvormittag. Denn bereits am Abend soll eine Gedenkveranstaltung an dem Mahnmal stattfinden, die an die Deportation erinnert.

Magdalena Bucher, Vorstandsmitglied des Freundeskreis Jüdisches Leben Waldshut-Tiengen, ist erschüttert über den Vorfall. Einen antisemitisch motivierten Anschlag hätte es, soweit sie sich erinnern kann, noch nicht bei den jüdischen Gedenkstätten in Waldshut-Tiengen gegeben: „Die Mahnmale und die alte Synagoge blieben bisher verschont.“

Eine evangelische Pfarramts-Mitarbeiterin bestätigt, dass es bislang keinen „gezielten Angriff wie diesen“ auf das Mahnmal gegeben habe – sie geht aufgrund des Jahrestags und der geplanten Gedenkveranstaltung von einem gezielten Angriff aus. „Verschmutzt wird das Mahnmal allerdings öfter: Es wird Müll reingeschmissen oder reingepinkelt“, berichtet sie.

Die Mitarbeiter des Pfarramts haben Anzeige gegen unbekannt erstattet. Vonseiten des Polizeipräsidiums Freiburg folgte am Nachmittag ein Zeugenaufruf. Die weiteren Ermittlungen seien von der Kriminalinspektion für Staatsschutzangelegenheiten übernommen worden. Sachdienliche Hinweise nimmt die Polizei unter der Nummer 07751/8316-0 entgegen.

Das Gurs-Mahnmal erinnert an die Verschleppung von 6504 jüdischen Bürgern Süddeutschlands ins französische Internierungslager Gurs. Am 22. Oktober 1940 hatten die Nationalsozialisten auch sieben Bürgerinnen Waldshut-Tiengens nach Gurs gebracht, nur drei von ihnen überlebten.

Der Gedenkstein im Stadtpark ist den beiden Schwestern Jenny und Klara Aufrichtig aus Waldshut gewidmet. Während Jenny das Lager überlebte, wurde Klara 1943 im KZ Auschwitz ermordet. Der Gedenkstein wurde 2018 von Schülern des Technischen Gymnasiums Waldshut aufgestellt.

Die Gedenkveranstaltung findet heute Abend um 18 Uhr am Gurs-Mahnmal im Waldshut-Tiengener Stadtpark statt.

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