Das Coronavirus hat viele Länder immer noch fest im Griff. Auch wenn es in Deutschland zu immer weiteren Lockerungen wie der Öffnung der Geschäfte nach dem Lockdown kommt, herrscht in vielen anderen Städten und Ländern weiterhin eine Ausnahmesituation. Eines dieser Länder ist Peru, nach Brasilien der zweite Corona- Hotspot in Südamerika. In der peruanischen Hauptstadt Lima hält sich derzeit Pfarrer Peter Seibt auf, der elf Jahre lang in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Tiengen tätig und zusätzlich vier Jahre Seelsorger in Lauchringen war sowie Mitglied des Peru-Freundeskreises Tiengen-Lauchringen der katholischen Seelsorgeeinheit Mittlerer Hochrhein St. Verena ist.

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Freundeskreis steht vor Herausforderung

Weil auch schon vor der Pandemie die Armut in vielen Vierteln in der peruanischen Hauptstadt Lima sehr hoch war, hat sich 1995 der Peru-Freundeskreis Tiengen-Lauchringen gegründet, um die Partnergemeinde San Martin de Porres in Pamplona Alta in Lima zu unterstützen und persönliche Begegnungen zu ermöglichen. Doch während der Corona-Krise steht auch der Freundeskreis vor großen Herausforderungen.

Hunger als großes Problem

Sabine Maier aus Tiengen, Vorsitzende des Freundeskreises: „Es geht bei der Partnerschaft eigentlich nicht darum, die Menschen direkt finanziell über Spendengelder zu unterstützen, sondern um Hilfe zur Selbsthilfe. So wurden seit der Gründung mehrere Projekte auf den Weg gebracht wie beispielsweise eine Ausbildungsstätte für Näherinnen, der Bau einer Kirche, der Aufbau einer Bäckerei und die Errichtung einer Schule. „Was die Menschen vor Ort aber jetzt in der Krise dringend benötigen, sind Lebensmittel. Denn weil viele nicht arbeiten gehen dürfen wegen der strikten Ausgangssperre, fehlt ihnen ihr Einkommen, um sich Lebensmittel zu kaufen. Deshalb versuchen wir derzeit, mit den Spendengeldern Lebensmittelpakete zusammenzustellen, die an die Armen verteilt werden“, sagt Sabine Maier. Aber: „Auch uns fehlen hier die Gelder, weil in den vergangenen Monaten keine Projekte und Veranstaltungen – wie die Bewirtung von Festlichkeiten – wegen der Corona-Krise stattfinden konnten.“ Seit der Krise hat der Freundeskreis zwei Mal 3000 Euro an die Partnergemeinde überweisen können, damit Essenspakete gekauft und verteilt werden konnten. „Das reicht aber natürlich vorne und hinten nicht.“

Pfarrer Peter Seibt bei einem seiner Gottesdienste während der Corona-Krise, der im Internet übertragen wird. In Peru, wo der 59-Jährige derzeit als Pfarrer tätig ist, ist es noch verboten, Gottesdienste zu besuchen.
Pfarrer Peter Seibt bei einem seiner Gottesdienste während der Corona-Krise, der im Internet übertragen wird. In Peru, wo der 59-Jährige derzeit als Pfarrer tätig ist, ist es noch verboten, Gottesdienste zu besuchen. | Bild: privat

„Wenn die Menschen vielleicht nicht wegen Covid-19 sterben, dann aber sicher an Hunger.“ Diese drastische Aussage trifft Pfarrer Peter Seibt, der seit Oktober 2019 in der deutschsprachigen katholischen Pfarrgemeinde San José in Miroflores, einem Teilort der peruanischen Hauptstadt Lima, tätig ist. „Rund 70 Prozent der Menschen hier sind in der Schattenwirtschaft tätig, also im informellen Sektor.“ Das heißt, sie arbeiten als fliegende Händler, Autoputzer oder Obstverkäufer, was derzeit eigentlich verboten ist. Der Hunger macht sich aber immer breiter unter den Tagelöhnern. Pfarrer Seibt: „Das ist auch der Grund, weshalb viele hier trotz strikter Ausgangssperre arbeiten gehen. Sie versuchen, Handel zu betreiben, um sich und die Familie ernähren zu können.“

Viele Menschen in Lima können wegen der Corona-Pandemie keiner Arbeit nachgehen und verdienen kein Geld, um sich Lebensmittel kaufen zu können. Deshalb verteilen Ehrenamtliche der Partnergemeinde des Freundeskreises Peru Lebensmittelpakete an Bedürftige.
Viele Menschen in Lima können wegen der Corona-Pandemie keiner Arbeit nachgehen und verdienen kein Geld, um sich Lebensmittel kaufen zu können. Deshalb verteilen Ehrenamtliche der Partnergemeinde des Freundeskreises Peru Lebensmittelpakete an Bedürftige. | Bild: privat

Seit dem 16. März ist das Land in Südamerika im Ausnahmezustand. Universitäten und Schulen sind geschlossen, Grenzen und Flughäfen dicht. Sogar der Verkehr zwischen den Provinzen ist fast zum Erliegen gekommen: „Viele Peruaner, die wegen vermeintlich besserer Verdienstmöglichkeiten vom Land in die Städte gezogen sind, stehen unter Druck. Sie haben Felder in ihren Heimatdörfern, die abgeerntet werden müssen und von denen sie leben könnten, aber sie kommen dort fast nicht hin und müssen in der Stadt hungern“, berichtet Seibt.

Die Wohnung nur zum Einkaufen verlassen

Während der Ausgangssperre sei lediglich erlaubt gewesen, dass eine Person pro Familie zum Einkaufen die eigenen vier Wände verlassen darf. „Obligatorische soziale Isolation für alle“, nennt das Staatspräsident Martin Vizcarra. Auch für den 59-jährigen Pfarrer Seibt ist das ein Problem: „Die Menschen suchen gerade in dieser Zeit Hilfe und brauchen Unterstützung. Uns sind aber die Hände gebunden, weil wir auch nicht das Haus verlassen dürfen. Gottesdienste werden online abgehalten, Kontakt über Whatsapp, Telefon oder per E-Mail gehalten.“ Natürlich habe es auch Unterstützung von der Regierung gegeben. „Aber hier gibt es viel Korruption und Geld sowie Lebensmittel kommen nicht immer dort an, wo es benötigt wird“, weiß Seibt.

Pfarrer Seibt hat sich gegen Ausreise aus Peru entschieden

Zum 30. Juni soll der Ausnahmezustand des Landes aufgehoben werden. „Ob das aber wirklich so kommt, steht noch nicht fest“, sagt Seibt. Er selbst habe zu Beginn der Krise im März auch darüber nachgedacht, zurück nach Deutschland zu kommen. „Gerade wegen der schlechten medizinischen Infrastruktur. Es gibt hier wenige Intensivbetten und teilweise gab es nicht einmal Sauerstoff.“ Doch Seibt hat sich gegen die Ausreise entschieden. „Ich will bei den Menschen vor Ort sein und ihnen emotionale Unterstützung geben“, sagt Seibt.