Ein 44-jähriger Mann aus dem Schweizer Kanton Aargau musste sich vor dem Bezirksgericht Brugg verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte den ehemaligen Lehrer wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Minderjährigen und mehrfacher Pornografie angeklagt. Das Urteil lautete auf schuldig.

Sie war 15,5 Jahre alt, er war 20 Jahre älter und ihr ehemaliger Turnlehrer. Nach der Abschlussfeier an der Oberstufe holte er sie auf halbem Weg ab und sie fuhren zu ihm nach Hause, wo es zum ersten Mal zum Geschlechtsverkehr kam. Was der Beschuldigte als Liebe und Beziehung bezeichnet, erfüllt den Straftatbestand der sexuellen Handlungen mit Kindern. Er habe den Lehrerberuf missbraucht, um junge Mädchen kennen zu lernen, führte die Staatsanwältin vor Gericht aus.

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Das gelte nicht nur in diesem Fall. Ebenfalls vor neun Jahren soll er sich im Wald mit einer damaligen Schülerin getroffen haben, die noch nicht 16 Jahre alt war. Er soll sie bei diesem Treffen umarmt, geküsst und ihr an das Gesäß gefasst haben. Als der Vorfall an der Schule publik wurde, wurde der Beschuldigte fristlos entlassen, weil er ein Abhängigkeitsverhältnis missbraucht hatte.

Bis zur Verhaftung als Lehrer tätig

Seine Karriere als Lehrer war nach diesem Vorfall im Kanton Solothurn aber nicht zu Ende. Bis zu seiner Verhaftung war er an zwei weiteren Schulen in den Kantonen Aargau und Zürich tätig, deren Leitung offenbar nichts von der früheren fristlosen Entlassung wusste.

Verhaftet wurde der Beschuldigte 2019 – also sieben Jahre, nachdem es zu den sexuellen Handlungen mit den beiden Minderjährigen gekommen war. Ins Visier der Strafverfolgungsbehörden geriet er, weil er in einem Online-Messenger-Dienst ein kinderpornografisches Foto weitergeschickt hatte. Der vermeintliche Chatpartner war ein Mitarbeiter des Bundesamts für Polizei.

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Bei der Hausdurchsuchung wurden weitere kinderpornografische Bilder gefunden. Außerdem fanden die Ermittler auf seinen Geräten diverse Chat-Nachrichten, die er mit jungen Frauen ausgetauscht hatte. Der Beschuldigte chattete mit zwei damals 13- beziehungsweise 14-jährigen Mädchen – eines davon war die Tochter seiner Kollegin. Er fragte sie beispielsweise nach ihrer BH-Größe, wollte wissen, wie sie nachts schlafen oder ob sie noch Jungfrau seien.

Er habe das Vertrauen, das er als Lehrer und Freund der Familie genoss, genutzt, um die Beziehung weiter aufzubauen und auf eine sexuelle Ebene zu lenken, heißt es in der Anklageschrift. Die Staatsanwaltschaft sah den Straftatbestand der versuchten sexuellen Handlungen mit Kindern als erfüllt an. Die Staatsanwältin verlangte für den Beschuldigten neben der unbedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten und dem lebenslänglichen Tätigkeitsverbot mit Kindern denn auch eine ambulante therapeutische Maßnahme.

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Der Beschuldigte anerkannte seine Schuld im ersten Fall – also bei den sexuellen Handlungen mit der 15-Jährigen – und bezüglich der Pornografie. Er bestritt allerdings, dass es mit der zweiten Schülerin im Wald zu sexuellen Handlungen gekommen war. Er erinnere sich, dass er sie umarmt habe und ihr „drei Küssli“ auf die Stirn oder den Kopf gegeben habe, um sie zu trösten, weil sie geweint hatte. Dies erfülle aber den Straftatbestand der sexuellen Handlungen mit Kindern nicht, argumentierte der Verteidiger. Dafür brauche es schon eine gewisse Intensität. Die Chat-Nachrichten würden den Straftatbestand der versuchten sexuellen Handlungen mit Minderjährigen ebenfalls nicht erfüllen. Sein Mandant habe die beiden Mädchen nie nach einem Treffen gefragt und auch nicht mit dieser Absicht mit ihnen gechattet. Entsprechend handle es sich bei den Chat-Nachrichten lediglich um straflose Vorbereitungen und nicht um einen strafbaren Versuch, so der Verteidiger. Er plädierte auf eine Bewährungs-Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 110 Franken und eine Busse von 2000 Franken.

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Das Gericht fällte das Urteil einstimmig. Der Beschuldigte wurde wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern und mehrfacher Pornografie schuldig gesprochen. Er erhielt eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten und eine Bewährungs-Geldstrafe von 30 Tagessätzen. Die Freiheitsstrafe wird zu Gunsten einer ambulanten Maßnahme aufgeschoben. „Ist die Maßnahme nicht erfolgreich, wird die Freiheitsstrafe vollzogen“, mahnte der Gerichtspräsident.

Der Beschuldigte ist inzwischen in einer anderen Branche tätig und war von Anfang an mit dem lebenslänglichen Tätigkeitsverbot einverstanden.