„Projekt St. Blasien“ hieß das vor 30 Jahren in der Domstadt von einem vermeintlichen Investor sechs Wochen lang inszenierte Sommertheater. Drehbuchschreiber, Regisseur und Hauptdarsteller in einer Person war ein Amerikaner namens Stefano Marlow-Castelli. Einem Mann, der so heißt und der nach dem Motto handelt: „Nicht kleckern, sondern klotzen“, dem neigt man zu glauben, selbst wenn er einem das Blaue vom Himmel verspricht.

Die Versprechungen

Es war wahrlich nicht von schlechten Eltern, mit welchen Versprechungen der plötzlich in St. Blasien aufgetauchte US-Geschäftsmann bei einigen heimischen Gemeinderäten für glänzende Augen sorgte. Wollte er doch als Repräsentant einer Gesellschaft von Geldgebern mit Neubauten wie einem Fünf-Sterne-Hotel, einer Reha-Klinik und einem Kongress-Zentrum für Hunderte von Millionen Mark die Domstadt in eine prächtige Zukunft katapultieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Gebannt lauschten die gutgläubigen Stadtväter über Wochen den Reden des reichen Mannes aus der Fremde. Dessen Visionen waren den übrigen Gemeinderäten sowie Bürgermeister Meier nicht geheuer. Zwar präsentierte Marlow tatsächlich eine erste Planung für ein Hotel von einem einheimischen Architekten, blieb bei weiteren kritischen Nachfragen nach Fakten jedoch vage.

Das könnte Sie auch interessieren

Schließlich wurde Marlow der Boden zu heiß, als auch Landrat Wütz ihn um einen Gesprächstermin bat, „um Klarheit zu haben über den, der diese teure Einrichtung baut und um die Wirtschaftlichkeitsberechnung zu sehen, nach der sich das Objekt in St. Blasien rentieren würde“. Ohne befriedigende Antwort könne es keine Baugenehmigung geben, so der Landrat.

Die Absage

Das war‘s. Marlow schrieb am 8. Juli 1991 in einer Pressemitteilung, die Geldgeber hätten in einer Eilentscheidung beschlossen, das Projekt zurückzuziehen. Er verschwand aus St. Blasien. Zurück blieben Stadtväter mit langen Gesichtern und privat betroffene, zutiefst enttäuschte Menschen. Für die Schulden, die Marlow bei seinem Sommertheater in St. Blasien anhäufte, musste ein anderer gerade stehen.