Gerade hat der österreichische Kabarettist Stefan Waghubinger (55) den Kleinkunstpreis des Landes Baden-Württemberg gewonnen. Darum freute sich Kulturamtsleiterin Kerstin Simon jetzt bei der Begrüßung in der Grieshabervier-Halle in Waldshut, mit ihm den durch Corona unterbrochenen Kabarett-Herbst 2020 fortsetzen zu können: „Ich wünsche uns endlich mal wieder gemeinsames Gelächter.“ Stefan Waghubinger stellte dort vor 60 Gästen sein neues Soloprogramm „Ich sag‘s jetzt nur zu Ihnen“ vor.

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Doch man muss lange warten, bis bei ihm mal kurz ein Lächeln aufblitzt: Todernst, geradezu emotionslos doziert er über die kleinen Ungeheuerlichkeiten des Alltags, stellt aberwitzige Gedankenverbindungen her und spielt dabei nachlässig mit einem Würfel: „Mein Therapeut hat mir Monopoly empfohlen – zur Entspannung!“ Er philosophiert über Mietverträge und übers Geldhaben, über seine Ehe und Schönheitsoperationen, über seine Tätigkeit als Immobilienmakler und über Minderheiten.

Große Gemeinheiten liebevoll verpackt

„Warum fühlen die sich diskriminiert? Ich habe ein reines Gewissen. Als Einzelner bist du schnell mal in der Minderheit.“ Gelegentlich steht er auf, fuchtelt mit den Armen oder geht hin und her. Man braucht oft Zeit, um seine blitzgescheite Ironie zu verstehen, mit der er seine größten Gemeinheiten und Absurditäten liebevoll ausschmückt und verklärt. Und Phrasen einen neuen Sinn gibt.

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Nach der Pause wird er lebhafter, ja, jetzt lächelt er auch öfter. Er berichtet über seine Nahtoderfahrung beim Zahnarzt, über Frösche in seinem Hausteich und wie er den Nachbarn überlistet. Über seine traumatisierte Kindheit wegen einer von Mama gestrickten Jacke. Und immer wieder über seine Frau, die so ganz andere Interessen hat als er, nämlich „Kunst und Kultur“. Aber auch über seine Eheprobleme und einen verkorksten Hochzeitstag. Längst hat er das Publikum begeistert. Dafür dankt er mit viel Charme: „Überall ist es schön, aber nirgends so schön wie in Waldshut. Das sag ich jeden Abend, aber heute stimmt‘s wirklich!“