Der Rummel um die eskalierte Jubiläumsfeier im Schweizer Einkaufszentrum Tivoli ruft nebenbei die Erinnerung an jene Zeiten wach, als der Einkaufstourismus noch in die andere Richtung prosperierte. Der Franken war so billig, dass ganze Familien von der deutschen Seite des Hochrheins die einschlägigen Märkte wie Migros, Coop oder Denner bevölkerten, um hernach Kaffee, Nudeln, Schokolade und Bekleidungsartikel in den Kofferraum des Wagens zu packen, der überdies noch mit billigem Sprit von eidgenössischen Zapfsäulen betankt wurde.

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Eines der Ziele war damals eben in Spreitenbach, 40 Autominuten von Waldshut-Tiengen entfernt, der im Jahr 1970 eröffnete Konsumtempel namens Tivoli. Fotos von der in diesen Tagen begangenen Jubiläumsfeier zeigen, dass Schweizer Kunden – auch wenn sich heute der Einkaufstourismus umgedreht hat – durchaus in relevanter Zahl nach wie vor den heimischen Handel frequentieren – zumindest jedenfalls, wenn spektakuläre Attraktionen warten. Dazu zählte eine über drei Meter hohe „Tischbombe“ (so etwas gibt es offenbar tatsächlich), nach deren Zündung sich lukrative Lose im Foyer verteilten. Dass die Verantwortlichen sich hernach angesichts des Massenandrangs, der nicht so recht zu den aktuellen Pandemie-Entwicklungen passte, massiver öffentlicher Kritik und behördlichen Rüffeln ausgesetzt sahen, hat das Jubelfest deutlich getrübt. In den sozialen Netzwerken, etwa auf Twitter, kursierten mit ungläubigen Kommentaren versehene Bilder des Treibens. Beim Motto des Einkaufszentrums dürfte vor diesem Hintergrund ein ironischer Unterton mitschwingen: „Meine Welt, wie sie mir gefällt.“

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