Leise Weihnachtsmusik klingt im Hintergrund, immer wieder übertönt vom Gemurmel flanierender Passanten, während aromatischer Glühweinduft durch die Straße zieht und feines Weihnachtsgebäck zum Naschen einlädt. Kalte Fingerspitzen und schniefende Nasen, Augen, die die glänzenden Weihnachtslichter reflektieren: Das ist der Waldshuter Weihnachtsmarkt.

Nach zwei Jahren Pause herrschte große Vorfreude bei den Besuchern und den Ausstellern des Waldshuter Weihnachtsmarktes. Aber kaufen die Besucher ebenso vergnügt wie die vergangenen Jahre? Die Standinhaber ziehen nach der ersten Woche Bilanz.

Veranstalter rundum zufrieden

„Nach den letzten zwei Jahren ist jeder wieder froh über den Weihnachtsmarkt“, sagt Thomas Wartner, Vorsitzender des Werbe- und Förderungskreises Waldshut (W+F). Besonders stolz ist er auf die verlängerten Öffnungszeiten der Gastronomiestände bis 22 Uhr, damit auch Berufstätige am Ende des Arbeitstages noch etwas zu Essen finden.

Thomas Wartner, Vorsitzender des Werbe- und Förderungskreises Waldshut, zieht nach den ersten Tagen zufrieden Bilanz.
Thomas Wartner, Vorsitzender des Werbe- und Förderungskreises Waldshut, zieht nach den ersten Tagen zufrieden Bilanz. | Bild: Schlichter, Juliane

Ausgesprochen erfreulich findet er den Anblick der Familien und Freundesgruppen, die sich abends unter den Weihnachtslichtern rund um die Stehtische sammeln und zusammenfinden. Zwar sind es dieses Jahr weniger Aussteller wie die vergangen Jahre, aber: „Dieses Jahr gibt es eine entspanntere Aufstellung und die Leute haben mehr Platz. Früher war es oft sehr eng.“

Ein weiterer Höhepunkt des Weihnachtsmarktes ist für ihn die Eisbahn des VfB Waldshuts, die vom W+F gefördert wurde und eine schöne Verlängerung des Markts darstellt. „Das trockene Wetter“, erklärt Wartner, „sorgt auch für einen positiven Start ins Weihnachtsgeschäft“.

Holzhandwerker zufrieden mit der ersten Woche

Andreas Stoll, Inhaber des Geschäft Baumzeit in der Wallstraße und Standbetreiber, ist ganz ähnlicher Meinung. „Samstag und Sonntag wurde der Weihnachtsmarkt sehr gut angenommen“, beschreibt er. „Die Leute haben sich sehr gefreut und die Stimmung ist gut“, erzählt er.

Andreas Stoll, Inhaber des Holzladens Baumzeit in der Wallstraße, ist ebenfalls auf dem Weihnachtsmarkt mit einem Stand vertreten.
Andreas Stoll, Inhaber des Holzladens Baumzeit in der Wallstraße, ist ebenfalls auf dem Weihnachtsmarkt mit einem Stand vertreten. | Bild: Katharina Vogelbacher

Außerdem begeistere auch das kulinarische Angebot die Leute dieses Jahr. Zwar wären es unter der Woche weniger Passanten gewesen, aber Stoll führt dies auf die WM-Spiele zurück. Grundsätzlich zeigt er sich mit der ersten Woche zufrieden.

Wurst-Buden-Inhaber ist begeistert

An der Spitze des Weihnachtsmarktes steht der Stand von Lemo Ine. Er ist begeistert: „Die erste Woche war Bombe, wirklich sehr, sehr gut!“ Der Inhaber der Thüringer-Wurst-Bude ist angenehm überrascht von der bisherigen Situation und auch das Wetter habe gut gepasst. „Man hat den Leuten angesehen, dass sie Lust hatten und ihnen der Weihnachtsmarkt gefehlt hat“, schildert er.

Lemo Ine grillt für die Besucher des Waldshuter Weihnachtsmarktes Würste.
Lemo Ine grillt für die Besucher des Waldshuter Weihnachtsmarktes Würste. | Bild: Katharina Vogelbacher

Ine, der unter dem Jahr als Marktschreier mit Fischmärkten unterwegs ist, habe nicht beobachtet, dass die Besucher sparsamer seien als sonst. „Kauflust wie eh und je“, bemerkt er – und fügt aber schulterzuckend hinzu, dass bei Essen und Trinken sowieso am wenigsten gespart werde.

Handwerkerin kämpft mit Preissteigerungen

Bei dem Stand SKS Bleiglas- und Folienkunst zeigt sich Katharina Schein bisher eher gelassen. „Gestern war ruhig, aber die Kundschaft ist angenehm und am Wochenende wird wieder voll“, fasst sie ihre Erfahrung bisher zusammen. Schein ist seit gut zehn Jahren in Waldshut mit von der Partie und stuft den Markt für den Anfang als „normalen Durchschnitt“ ein.

Katharina Schein bietet ihre Bleiglas- und Folienkunst seit rund zehn Jahren auf dem Weihnachtsmarkt an.
Katharina Schein bietet ihre Bleiglas- und Folienkunst seit rund zehn Jahren auf dem Weihnachtsmarkt an. | Bild: Katharina Vogelbacher

Schein hatte dieses Jahr laut eigener Aussage mit verdreifachten Zinnpreisen zu kämpfen und habe diese auch an ihre Kunden weitergeben müssen: „Schweizer Kunden merken, dass die Preise so langsam ihren nahekommen.“ Zu der Stimmung der Besucher sagt sie: „Die Leute freuen sich, sind aber auch traurig über fehlende Handwerker.“

Katharina Schein klebt den Rest des Jahres Sonnenschutz- und Sicherheitsfolie und erinnert sich an einen ihrer Kollegen, der mit Glasbläsereien auch einen Stand in Waldshut betrieb. Dieser habe aufgrund von zu hohen Kosten nicht wieder zurückkehren können. Viele der fehlenden Handwerker hätten auch aus Altersgründen aufgehört oder wollten nach der Corona-Pause nicht wieder anfangen.

Messerschleifer kommt schon seit 14 Jahren

Helge Hanft kommt schon seit 14 Jahren in Waldshut auf den Weihnachtsmarkt. Der Thüringer Messermacher und Scherenschleifer beschreibt seinen Eindruck: „Die Stimmung bei den Besuchern ist ok, die Leute freuen sich.“

Der Messerschleifer Helge Hanft kommt seit 14 Jahren auf den Weihnachtsmarkt.
Der Messerschleifer Helge Hanft kommt seit 14 Jahren auf den Weihnachtsmarkt. | Bild: Katharina Vogelbacher

Auch Hanft erwähnt die geringere Zahl an Handwerkern und führt dies auf Corona zurück. Er ist zufrieden, dass man überhaupt was machen darf. „Außerdem“, erzählt er „müssen die Leute erst wissen, dass der Schleifer da ist.“

Glühweinverkäuferin ist dankbar und zufrieden

Tammy Agtsch ist vor allem eins: dankbar. „Wir sind zufrieden, nach zwei Jahren Corona mehr wie zufrieden und dankbar“, beschreibt sie ihre Stimmung. Die Besucher seien auch alle gut drauf und „froh, dass sie wieder raus dürfen und sich am Leben freuen können“.

Tammy Agtsch betreibt den Glühweinstand am Waldshuter Weihnachtsmarkt.
Tammy Agtsch betreibt den Glühweinstand am Waldshuter Weihnachtsmarkt. | Bild: Katharina Vogelbacher

Wenn sie an das vergangene Jahr zurückdenkt, erinnert sich die Inhaberin des Glühweinstands hauptsächlich an die ganze Vorbereitung und Organisation, die umsonst war, da der Weihnachtsmarkt kurzfristig abgesagt wurde. Schließlich ist dass was am Stand sichtbar ist, nur ein kleiner Teil des Ganzen. Zugleich hat auch sie die steigenden Preise gespürt, auch bei den Personalkosten.

Agtsch, die das ganze Jahr als Schaustellerin herumreist, ist trotz allem auch stolz, dass der Weihnachtsmarkt jedes Jahr schöner wird.

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