„Wir haben endlich wieder ein eigenes Theater.“ Darauf stoßen der Schauspieler Daniel Leers, seine Frau Katrin Leute und seine Schwester Désirée an. Sie gehören zum Vorstand des Kulturträgers Kleine Bühne und zum Theater Das Freie Hochrhein Schauspiel. Dieses Amateur-Ensemble hat sich 2004 gegründet und wurde 2017 für die Inszenierung von „Der müde Tod“ mit dem Landes-Theaterpreis ausgezeichnet. Jetzt präsentieren sie stolz ihren neuen, frisch gestalteten Theaterraum in der Kantine der früheren Firma Martin Stoll in Tiengen in der Waldshuter Straße 25 (neben dem Möbelgeschäft). „Wir haben ein neues Konzept und werden Corona trotzen“, sagt Daniel Leers.

Wie kommt es zu dem neuen Theaterraum? „Wir haben ja bereits seit 20018 in den oberen Räumen des Gebäudes geprobt, mussten aber wegen anstehender Renovationen da wieder raus. Die jetzigen Räume im ersten Stock gehören zur Firma FX Ruch, mit deren Gebäudeverwalter Helmut Handloser wir ausgezeichnet zusammen arbeiten.“ Désirée Leers ergänzt: „Wir bewarben uns 2021 um das ‚Neustart der Kultur‘-Förderprogramm der Bundesrepublik und bekamen den Zuschlag. Da konnten wir endlich mit dem Umbau anfangen, neu ausbauen und gestalten. Und wir bekamen auch viel Unterstützung von den andern Ensemblemitgliedern.“

Daniel Leers (Mitte) und einige Schauspieler des Theaters Das Freie Hochrhein Schauspiel bei der Übergabe des Landes-Theaterpreises ...
Daniel Leers (Mitte) und einige Schauspieler des Theaters Das Freie Hochrhein Schauspiel bei der Übergabe des Landes-Theaterpreises Baden-Württemberg 2017 in Karlsruhe. | Bild: Theater Das Freie Hochrhein Schauspiel

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Ein heller Raum mit neuem Boden und hellen Wänden, derzeit mit 90 Plätzen gestuhlt, aber vielseitig veränderbar. Davor befindet sich ein Foyer mit Garderobe und Stehtischen „Hier kann auch mal serviert werden“, erklärt Katrin Leute. Im hinteren Bereich gibt es Abstellräume für Requisiten und anderes. „Hoffentlich auch bald Wasseranschluss und Küche“, sagt Katrin Leute. Am 13. März soll Eröffnungsfeier sein, allerdings zunächst nur mit geladenen Gästen – mit der Dr. No Jazzband, mit einer Theatereinlage des Hochrhein-Ensembles und einem Kabarettbeitrag von Volkmar Staub. Oberbürgermeister Philipp Frank und Landrat Martin Kistler haben bereits zugesagt.

Die Pläne

Was ist das neue Konzept des Theaters Tiengen, das eigens ein neues Logo entwickelt hat? „Da sind natürlich die jeweils aktuellen Corona-Regeln, also derzeit Masken und 2Gplus“, sagt Daniel Leers. „Unser neues Haus wird eine Kleinkunstbühne, nicht ausschließlich Theater. Wir denken in der ersten Spielzeit bis Mai an Kabarett, Musik und Soloprogramme von regionalen und überregionalen Künstlern. In der zweiten Spielzeit gibt es dann natürlich auch wieder Theaterprogramme vom Freien Hochrhein Schauspiel. Da hat sich in all den Jahren ein homogenes Team von 18 bis 20 Schauspielern gebildet, die alle ehrenamtlich arbeiten.“ Désirée Leers ergänzt: „Natürlich brauchen wir weiterhin wie bisher viele Mitglieder im Förderverein Kleine Bühne. Und wir sind sehr dankbar für alle bisherige Unterstützung durch die Stadt oder etwa durch Kurt Reckermann, der uns in schwierigen Zeiten Proberäume zur Verfügung stellte.“

Die Drei blicken auf einen langen Theaterweg zurück. Ihre Begeisterung überzeugt. „Wir sind jetzt einfach mal mutig“, sagt Katrin Leute abschließend. Daniels Leers fügt hinzu: „Zufällig habe ich auch gerade 30-jähriges Bühnenjubiläum, das passt ja.“ Denn Leers ist nach wie vor auch Vollzeitschauspieler an der „Färbe“ in Singen und bei den „Immoralisten“ in Freiburg. Trotzdem hängt sein Herz hier in Tiengen.

Das voraussichtliche Programm der ersten Spielzeit

  • „Ausreden“, Kabarett mit Volkmar Staub (18. März).
  • „Der Reichsbürger“, Solo-Theater mit Ralf Beckord, der Beklemmendes über die Psyche von Reichsbürgern verrät (19., 25., 26. März).
  • „Der Kontrabass“, Solo-Theater mit Ulrich Großmann, der über die Hassliebe eines Musikers zu seinem Instrument philosophiert (1. 2. 8. und 9. April).
  • „Die Kellnerin Anni“ mit Dina Roos und Michel Wyss. Szenische Geschichten mit Liedern. (17., 22., 23. April).
  • Ana Carla Maza am Cello (World Town Festival), eine Veranstaltung vom Städtisches Kulturamt (6. Mai).
  • Jazz-Night mit Dr. No Jazzband und den 6 „Hallodrians“ (7. Mai).
  • „Fabulous Four“ – die A-capella-Gruppe (14. Mai).
  • „Die Heinz-Erhard-Show“ mit Volkmar Staub (18. Mai).
  • „Die Spätzünder“, die bekannte Coverband vom Hochrhein (20. Mai).