Rafz/Schweiz steht als Geburtsort in den Papieren der aus Hohentengen stammenden deutschen Zwillinge Arlene und Hanna (Namen geändert), denn dort wurden sie im Herbst vor 20 Jahren geboren – zwischen den Zapfsäulen einer Tankstelle. Als ihre hochschwangere Mutter und ihr Vater auf der Fahrt von Hohentengen in den Kreißsaal in Schaffhausen waren, warteten die Babys nicht länger und kamen im Auto zur Welt.

Das könnte Sie auch interessieren

Obwohl der Geburtstermin erst für Tage später errechnet worden war, setzten an jenem Herbstabend vor 20 Jahren gegen 22 Uhr plötzlich erste Wehen ein. Jetzt blieb nur noch die schnelle Fahrt in die Klinik. Doch bereits in Günzgen gab es kaum noch eine Pause zwischen den Wehen, ein Zeichen, dass die Geburt bald einsetzen würde. Der Ehemann schaffte es im schweizerischen Rafz gerade noch in die Tankstelle gegenüber einer Gaststätte, von der er noch nach einem Krankenwagen telefonierte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kaum am Auto zurück, kam mit Arlene das erste Baby um 23.27 Uhr zur Welt, vom Vater mit einem Klaps auf den Po zum ersten Schrei erweckt. Es blieb der Mutter gerade noch Zeit, ihr Kind an die wärmende Brust zu nehmen, als schon um 23.30 Uhr auch Tochter Hanna das Licht der Welt erblickte – ebenso wohlauf wie ihre Zwillingsschwester. Und irgendwann trafen Krankenwagen, Notarzt und Hebamme ein. Diese musste die Babys lediglich noch abnabeln, die Geburt hatten die Eltern selber geschafft, unterstützt von Gaststättenbesuchern, die Tücher und warmes Wasser zum Auto brachten. Wie das alles bis zum guten Ende funktionierte, blieb den Eltern letztlich rätselhaft. „Man hat es einfach gemacht“, meinte der Vater, dem es sicher genützt hatte, schon bei der Geburt der ersten Tochter zwei Jahre früher dabei gewesen zu sein.

Von der Aufregung nichts mitbekommen hatten die Besitzer der in der Nacht geschlossenen Tankstelle. Als sie endlich davon hörten, suchten sie nach der deutschen Familie und luden sie im November 2000 zu einer kleinen Geburtstagsfeier in die Tankstelle ein. Die dabei friedlich schlafenden Zwillinge merkten davon jedoch nichts.