In einer großen Einzelausstellung zeigen jetzt die Zwillingsbrüder Andreas und Ralph Hilbert (44) aus Lottstetten – eher bekannt als Anra-Brüder – im Schloss Tiengen ihre sehr eigenwilligen Arbeiten. Ihr Material ist vor allem Wohlstandsmüll, mit dem sie konsum- und gesellschaftskritisch arbeiten – immer aber auch mit Augenzwinkern und Ironie. Kulturamtsleiterin Kerstin Simon führte sehr engagiert und informativ die mehr als 50 Vernissage-Besucher bei strahlendem Wetter im Schlosshof in die Ausstellung ein.

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„All inclusive“ nennen die Trash-Art-Künstler ihre Werke. Und sie haben im wörtlichsten Sinn angerichtet: drei festlich gedeckte Tafeln, mit Tafelsilber und Lackdecke. Aber bei genauem Hinschauen vergeht dem Betrachter der Appetit: Was machen dazwischen Revolver, Panzer, kleine Spielzeugsoldaten, gefaltete Dollar oder Landkartenfetzen? „Kreativität frisst Krieg“ nennen sie diese irritierend gedeckten Tafeln, die längst zu ihrem Markenzeigen gehören.

„Die Anra“, so Kerstin Simon, „nehmen mit ihrer Kunst Stellung gegen Gewalt, Gier, Unterdrückung, Umweltzerstörung und Krieg, gegen Schnelllebigkeit und Massenkonsum, und für eine friedliche, kreative Welt.“

Ausschnitt aus der Collage „Auf Erden“ von den ANRA-Brüdern). Bild: Rosemarie Tillessen
Ausschnitt aus der Collage „Auf Erden“ von den ANRA-Brüdern). Bild: Rosemarie Tillessen

Dieses Ziel findet man auch bei all den anderen Arbeiten in den Schwarzenbergsälen und im Schlosskeller. Und ein intensiver Streifzug lohnt sich: Eindrucksvoll die „Global Warning Puppets“, die verrußten Puppen, die den Atelierbrand 2018 überstanden und nur notdürftig in Weltkarten gehüllt sind. Oder die „Siebdrucke auf Berlin-Plakaten“ mit der selbst erfundenen Geheimschrift „Codex-Anra“. Aber auch die Installation mit Kunstbuch-Arbeiten, die oft über Jahre anwachsen. Leider darf man sie diesmal wegen Corona nicht durchblättern.

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Höhepunkte dann aber vor allem die kleinen und großflächigen Colagen, die vor allem jetzt in der Corona-Zeit aus Tausenden von Kunstbuchschnipseln entstanden und abschließend mit schwarzer Farbe lasiert wurden. Wer entdeckt hier etwa Frieda Kalo, Max Ernst, Picasso oder August Macke? Und schließlich – mehr als spektakulär – der überquellende Müllberg auf der Bühne des Schlosskellers mit dem entsetzen Portrait einer jungen Frau. „Is it terrible, isn‘t it?“ nennen sie diese Installation, die keine Erklärung braucht. Im wahrsten Sinne des Wortes: In dieser Ausstellung ist „All inclusive“. Oder – wie Kerstin Simon es nannte „Eine Reise durch den Anra-Kosmos“. Ein Besuch lohnt sich!

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