Theater, Kabarett, Ausstellungen, Musik – viel wäre gerade auch in der Weihnachts- und Neujahrszeit in Waldshut-Tiengen zu erleben gewesen. Aber das Coronavirus hat kulturelle Live-Erlebnisse vereitelt. Das nahm das Kulturamt Waldshut-Tiengen nicht hin und hat unter dem Namen „Poesinglitzerbaulichterglanzimtsternendufte“ einen digitalen Adventskalender im Internet geschaffen, mit dem ein bisschen Kultur in die Häuser und auf die Bildschirme kommt.

Vater-Sohn-Duo: In Tiengens Fußgängerzone (Archivbild) haben Thomas Maier-Kögel und Jupp Kögel schon mehrmals gespielt, jetzt sind sie hinter Türchen 16 zu finden.
Vater-Sohn-Duo: In Tiengens Fußgängerzone (Archivbild) haben Thomas Maier-Kögel und Jupp Kögel schon mehrmals gespielt, jetzt sind sie hinter Türchen 16 zu finden. | Bild: Ursula Freudig

Seit dem Ersten Advent konnte jeden Tag ab 8 Uhr auf der Internetseite der Stadt sowie ihrem Facebook- und Instagram-Auftritt ein Türchen des Online-Adventskalenders „aufgeklickt“ werden. Dahinter waren und sind Mini-Kulturbeiträge von hiesigen Künstlern von drei bis maximal fünf Minuten zu entdecken und genießen. Bis einschließlich Dreikönig kann sich jeder hier durch den Adventskalender klicken.

Die Künstler und Kulturschaffenden hinter den Türchen (hier nach Kategorien geordnet)

Musikalische Beiträge überwiegen, aber es wird auch erzählt, gemalt und rezitiert, oft in Anlehnung an weihnachtliche Themen. Die Beiträge spielen vorrangig an den Orten, wo normalerweise die Kultur Waldshut-Tiengens stattfindet, also beispielsweise in der Stadthalle Waldshut, im Tiengener Schloss oder in den Kirchen Waldshut-Tiengens.

Die Sterntaler in Wort und Bild: Das Orchester Kunterbunt der Stadtmusik Waldshut unter der Leitung von Doris Baumann (links) hat für den Online-Adventskalender das Märchen gemalt, Elisa (rechts) erzählt es.
Die Sterntaler in Wort und Bild: Das Orchester Kunterbunt der Stadtmusik Waldshut unter der Leitung von Doris Baumann (links) hat für den Online-Adventskalender das Märchen gemalt, Elisa (rechts) erzählt es. | Bild: Ursula Freudig

Kulturschaffende aus der Gegend, die viele von uns schon auf der Bühne gesehen haben oder die man vielleicht sogar persönlich kennt, sind die Akteure. Der regionale Bezug war Kerstin Simon, Leiterin des städtischen Kulturamts, wichtig. Der Adventskalender sollte kein weiteres anonymes Angebot irgendwo auf Youtube werden, sondern ein ganz persönlicher, weihnachtlicher Gruß hiesiger Kulturschaffender und des Kulturamtes.

Aufnahme für Türchen 19: Bläser der Stadtmusik Waldshut – Klaus Teufel (von links), Ralf Kramer und Christof Kramer – spielen in der Stadthalle Waldshut Beethovens „Hymne an die Nacht“.
Aufnahme für Türchen 19: Bläser der Stadtmusik Waldshut – Klaus Teufel (von links), Ralf Kramer und Christof Kramer – spielen in der Stadthalle Waldshut Beethovens „Hymne an die Nacht“. | Bild: Ursula Freudig

Nach Aussage der Kulturamtsleiterin ist der Online-Adventskalender gut angekommen: „Wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen, er ist jeden Tag ein Geschenk, hat uns zum Beispiel jemand geschrieben.“ Kerstin Simon spricht von 120 bis zu 1000 Klicks pro Beitrag, allein auf Facebook und Instagram, nach der Freigabe der Türchen. Auch auswärts, beispielsweise in Berlin und in Bayern, hätten Menschen auf den Online-Kalender zugegriffen. Jemand sogar aus Kanada – vielleicht ein „Heimweh-Tiengener“, vermutet Kerstin Simon.

Gut vorbereitet: Vor jeder Aufnahme stellt Kevin Meier (HVT) alles richtig ein, damit Bild und Ton stimmen, Elisa vom Orchester Kunterbunt der Stadtmusik Waldshut steht schon bereit, um für das Türchen 18 das Märchen Sterntaler zu lesen.
Gut vorbereitet: Vor jeder Aufnahme stellt Kevin Meier (HVT) alles richtig ein, damit Bild und Ton stimmen, Elisa vom Orchester Kunterbunt der Stadtmusik Waldshut steht schon bereit, um für das Türchen 18 das Märchen Sterntaler zu lesen. | Bild: Ursula Freudig

Allen, den Mitwirkenden und dem Kulturamt-Team, hat die Erstellung des Kalenders laut Simon großen Spaß gemacht. Ebenso dem Profi vor Ort, dem HVT-Mitarbeiter Kevin Meier. Er hat die Videos aufgenommen. Einige wenige wurden auch von privater Seite zu Hause bei den Künstlern aufgenommen. Laut Kerstin Simon wurde ein Großteil der bislang ausgefallenen Kulturveranstaltungen verschoben. Geplant ist, sie bis zu den Sommerferien nachzuholen. „Aber wir müssen abwarten“, fasst die Kulturamtsleiterin die unsichere Lage zusammen.