Mehr als 200 Gäste konnte man zur Verleihung des großen Musikpreises der Volksbank-Hochrhein-Stiftung erwarten. Und den festlichen Rahmen in der Waldshuter Versöhnungskirche sollte das namhafte Casalquartett, der Organist Matthias Flierl und Pianist Eugenio Antonioli aus Lausanne gestalten, zusammen mit einer Laudatio von Ulrike Thiele, Dramaturgin des Tonhalle Orchesters Zürich. Mit diesem festlichen Rahmen sollte der Musikpreisträger 2020 – die Kaminski-Gesellschaft in Tiengen – geehrt und gefeiert werden. Sie hat es sich seit ihrer Gründung 1987 zur Aufgabe gemacht, das Werk des Tiengener Musikers Heinrich Kaminski (1886 – 1946) aus der Vergessenheit zu holen, nachdem es im Dritten Reich mit Aufführungsverbot belegt worden war.

In den Räumen der Kaminski-Stiftung im Schloss Tiengen stehen Vorsitzender Herbert Müller-Lupp (rechts) und Archivar Wolfgang Zimmermann neben einer Büste des Komponisten.
In den Räumen der Kaminski-Stiftung im Schloss Tiengen stehen Vorsitzender Herbert Müller-Lupp (rechts) und Archivar Wolfgang Zimmermann neben einer Büste des Komponisten. | Bild: Rosemarie Tillessen

Doch dann kam alles anders: Das Coronavirus verbot alle Konzerte. Und auch die Preisverleihung musste verschoben werden. Jetzt fand sie im kleinsten Kreis im Rahmen einer kleinen Feierstunde in den Geschäftsräumen der Volksbank statt. Ohne Musik! Und ohne Publikum! „Aber,“ so Hausherr und Stiftungsvorsitzender Thomas Hintermeier, „es ist auch so ein toller Anlass! Und wir werden das Festkonzert im Herbst 2022 nachholen!“ Er begrüßte Herbert Müller-Lupp und Wolfgang Zimmermann, die als Vertreter der Kaminski-Gesellschaft den Preis entgegen nahmen, dazu Peter König vom Stiftungsvorstand sowie weitere Vertreter des Kuratoriums.

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Anschließend gab Initiator Peter König einen Rückblick über die überaus erfolgreiche Geschichte der Volksbank-Hochrhein-Stiftung, die 1988 gegründet wurde: „Sie hat über Jahrzehnte im Bereich der Musik Signalwirkung entwickelt und fördert damit nachhaltig die regionale Kultur.“ Immer wieder seien zu den Förderpreisen und dem großen Musikpreis neue Akzente hinzu gekommen: etwa der Preis für Chorgesang an die Kantorei Hochrhein (2007), die Stilrichtung Jazz mit der Jazzsängerin Anne Czichowsky (2010), mit der Förderpreisträgerin von 1990 Susanne Rohn, die 2013 auch noch den Musikpreis erhielt oder der Doppelpreis an die beiden Musikschulen Südschwarzwald und Jugendmusikschule Bad Säckingen (2017). „Das alles geht nur mit viel ehrenamtlichem Engagement. Und jetzt geht der Preis erstmalig an einen Verein. Auch das hat Signalwirkung und öffnet uns viele neue Möglichkeiten,“ so Peter König.

Für diesen ehrenamtlichen Einsatz wurde jetzt – stellvertretend für die Kaminski-Gesellschaft – deren Vorsitzender Herbert Müller-Lupp geehrt, der auch Preisgeld, Urkunde und Pokal „als Anerkennung und Motivation“ erhielt: „Durch sein außergewöhnliches Engagement hat er einen besonderen Fußabdruck gesetzt und ist der Motor des Vereins“, so König. Müller-Lupp dankte sichtlich bewegt der Volksbank, dem Kuratorium und seinem eigenen Vorstand für den Preis. Er zitierte Albert Schweitzer: „Kultur fällt uns nicht wie eine reife Frucht in den Schoß! Der Baum muss gewissenhaft gepflegt werden, wenn er Frucht tragen soll!“ Und er berichtete über die Aufgaben und Erfolge des Vereins: „Wir konnten Kaminskis Werk durch Zusammenarbeit mit Musikern, Musikhochschulen und Rundfunkanstalten auch international bekannter machen. Und uns ist es gelungen, unser reiches Archiv an die Bayrische Staatsbibliothek in München zu vermachen, die es digitalisiert und damit für Studenten, Musiker und andere Interessenten abrufbar gemacht hat.“

Verwendung des Preisgelds

Und er verriet abschließend: „Mit dem Preisgeld wollen wir in Abstimmung mit dem Vorstand die Originalnoten von Kaminskis „Suite für großes Orchester“, die wir im Archiv besitzen, endlich zu einer Partitur umzuschreiben und damit für Orchester spielbar zu machen. Damit,“ so wandte er sich abschließend an die Anwesenden, „wird auch Ihr Preis Früchte tragen!“