Die Vermieter einer Ferienwohnung in Häusern sind am 21. November 1985 aus allen Wolken gefallen. Sie hatten hinter dem von ihnen als „sehr gepflegt und sympathisch“ geschilderten Mieter alles andere als einen gesuchten Gewaltverbrecher vermutet. Der Mann, der sich in Häusern als Siegfried Bonzhaf mit Frau und Kind eingemietet hatte, war Thomas B. Der aus Untermettingen stammende 27-Jährige war wegen Raubüberfällen, unter anderem auf das Bundeswehrdepot in Calw, 1981 zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Am 19. Oktober 1985 gelang ihm während seiner Arbeit als Küchenhelfer mit einem Mitgefangenen die Flucht aus dem ehemaligen Zuchthaus Bruchsal. Der andere Entflohene wurde am 9. November gefasst, Thomas B. war wie vom Erdboden verschluckt.

Das könnte Sie auch interessieren

Währenddessen spielte Thomas B. in Häusern den harmlosen Feriengast. Am 11. November hatte er sich in Begleitung einer 22-jährigen Frau und eines dreijährigen Mädchens, angeblich Frau und Tochter, in Häusern eingemietet. Er hatte sein Aussehen durch einen kürzeren Haarschnitt gegenüber dem Fahndungsfoto verändert. Außerdem trug er eine Brille mit getönten Gläsern. „Der nette Herr Bonzhaf“ genoss bei seinen Vermietern Familienanschluss, besuchte mit dem Vermieter die Skigymnastik in St. Blasien und war am Vortag zum Mittagessen Gast der Vermieterfamilie gewesen. Am sympathischen Eindruck hatte auch das Verschwinden der angeblichen Ehefrau und Tochter nichts geändert. Deren Abreise am 14. November hatte Thomas B. mit einem „kleinen Eheleute-Streit“ begründet.

Das könnte Sie auch interessieren

Als Thomas B. am 21. November mit einem Leihwagen morgens nach Freiburg fuhr, tauchte die Polizei bei seinen Vermietern auf. Sie hatte einen anonymen Tipp erhalten. In der Ferienwohnung fand sie zwei geladene Revolver sowie mehrere Tausend Mark Bargeld, die mutmaßlich aus dem Überfall auf die Volksbank-Zahlstelle am 6. November in Mettenberg stammten. Um 13 Uhr kehrte Thomas B. aus Freiburg in die Arme der in der Ferienwohnung wartenden Polizei zurück.