Es muss ein erhebendes Gefühl gewesen sein: Am 35. Tag ihres Rudermarathons hat das vierköpfige Team Swiss Raw um den Aargauer Samuel Widmer am Sonntag das Ziel erreicht. Mit großem Vorsprung fuhren sie kurz vor 12 Uhr Schweizer Zeit im Hafen der Karibik-Insel Antigua ein. Damit haben die Schweizer die Talisker Whisky Challenge gewonnen. Sie gilt als härtestes Ruderrennen der Welt. Fast 4800 Kilometer stecken in den Muskeln der vier Männer. Nebst Samuel Widmer (27) aus Döttingen, der in Leuggern aufwuchs, sind das die Zürcher Jan Hurni (27) und Roman Möckli (27) sowie der Berner Ingvar Groza (26).

Ihr Jubel, als sie um 7 Uhr Ortszeit im Hafen einfuhren, war groß, wie Bilder eines Livestreams auf Youtube zeigten: Nacheinander fielen sich die jungen Männer, alle mit Vollbart, auf dem Schiff stehend in die Arme. Dutzende kommentierten den Livestream mit Glückwünschen. 34 Tage, 23 Stunden und 42 Minuten lautete die Zeit der Sieger. Verpasst haben die Schweizer zwar ihr zweites Ziel, den Weltrekord von 29 Tagen, 14 Stunden und 34 Minuten. Doch wegen der wechselnden Wetterverhältnisse mit viel Gegenwind war dies kaum zu schaffen.

Das Team Swiss Raw (von links): Ingvar Groza, Roman Möckli, Jan Hurni und Samuel Widmer.
Das Team Swiss Raw (von links): Ingvar Groza, Roman Möckli, Jan Hurni und Samuel Widmer. | Bild: Atlantic Campaigns

Team-Manager Yves Neupert ist nicht zuletzt wegen zahlreicher Presseanfragen in der Schweiz geblieben, hatte aber nach der Zieleinfahrt Kontakt mit dem Quartett. Zum Aargauer Samuel Widmer sagt er: „Er ist überwältigt.“ Er freue sich riesig, dieses Abenteuer überstanden zu haben. Körperlich gehe es ihm relativ gut. Einerseits sei er ausgelaugt, andererseits aber erleichtert.

„Er sagt, alles tut weh. Auf den letzten Seemeilen hatte er die größten Probleme mit seinem Fuß respektive einer lädierten Achillessehne.“ Es sind die einfachen Dinge, auf die sich die vier Ruderer nach ihrem Marathon gefreut haben: Kaffee, Bier, Dusche, Bett. Neupert: „Die Jungs haben Hamburger und Pommes erhalten, dazu ein Bier getrunken und später noch Crêpes gegessen.“

Vor Ort waren auch Angehörige der Schweizer. Der größere Teil versammelte sich in der Schweiz und verfolgte die Zieleinfahrt gemeinsam. „Das ist sehr schön gewesen. Wir sind erleichtert, dass sie gut angekommen sind“, sagte Vater Stefan Widmer gegenüber Tele M1. Die Fahrt über den Atlantik war gefährlich. Zu kämpfen hatten die Ruderer einerseits mit Wind und Wetter. „Die Gefahr war natürlich in der Nacht, da sieht man die Wellen nicht kommen und muss aufpassen, dass man nicht falsch erwischt wird“, erklärt Neupert und fährt fort: „Ebenfalls sind herrenlose, schwimmende Container eine große Gefahr im Dunkeln.“

Marline attackierten mehrere Boote. Diese Raubfische, die bis zu sechs Meter groß werden können, durchstachen mit ihrem Schnabel die Boote, sodass Wasser hineinfloss. Nach den Strapazen ist nun erst einmal Ausspannen angesagt. „Sie werden nun Urlaub machen und kommen in zwei bis vier Wochen wieder nach Hause“, sagt Neupert. Auf ihrem acht Meter langen Boot lebten die vier Schweizer auf engstem Raum zusammen. Platz gab es nur für das Allernötigste. An beiden Enden befindet sich eine Kabine, die gerade Platz bietet für einen Erwachsenen, um sich hinzulegen. Rund 50.000 Kalorien haben die vier Sportler täglich – dank Astronautennahrung – zu sich genommen. Nebst dem Rudern waren auch Reinigungsarbeiten wichtig: Das Unterboden des Bootes musste von Muscheln und Patina befreit werden, weil diese die Fahrt bremsen.