Der Sommer lässt die Fußgängerzonen von Waldshut und Tiengen aufleben. Vor den Cafés und Restaurants in der Kaiserstraße und im Städtle sind die Plätze im Außenbereich oftmals voll, ein Sitzplatz bei schönem Wetter ist schwer zu finden. Zumindest in Waldshut haben Touristen mittlerweile gemerkt, dass die Altstadt nicht in der Kaiserstraße aufhört. Auch in der Wallstraße ist an guten Tag reger Verkehr.

„Zu den Stoßzeiten am Mittag und nach Feierabend haben wir manchmal die doppelte bis dreifache Belegung“, sagt Julian Puth, der in der Wallstraße seit vergangenem Jahr das Burger-Restaurant Black Forest Burger betreibt. Vier Tische stehen direkt vor dem Restaurant. Um ihren Gästen mehr Sitzplätze anzubieten, würden Puth und sein Geschäftspartner Fabian Sihler gerne noch mehr Tische aufstellen.

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„Wir hatten im Frühjahr auf der anderen Seite der Gasse Tische aufgestellt. Bald wurden wir vom Ordnungsamt darauf hingewiesen, dass wir die Nutzung beantragen und die Rettungsgasse gewährleisten müssen“, erklärt Puth. Denn im Notfall dürfen Rettungswägen und Feuerwehrautos keine Tische und Stühle im Weg stehen. Die Rettungsgassen-Regelung hingegen steht oftmals den Gastronomen im Weg.

Nun hat die Pandemie die Gastronomen schon vor genug große Herausforderungen gestellt. Nach dem harten Lockdown im Winter war die Außengastronomie oftmals gar die einzige Möglichkeit, überhaupt Mahlzeiten vor Ort anzubieten.

Doch Gastronomen müssen zum Infektionsschutz sowohl drinnen als auch draußen 1,50 Meter Abstand von Rückenlehne zu Rückenlehne gewährleisten. Wenn alle Tische innerhalb der markierten Parzelle hätten bleiben müssen, hätte das für die Gastronomen bedeutet, dass sie einige der wertvollen Tischen im Außenbereich entfernen müssen.

Doch das Ordnungsamt der Stadt zeigt sich kulant, was sich beispielsweise in der Kaiserstraße zeigt: Die Cafés, Restaurants und Eisdielen sind großzügig bestuhlt. „In Anbetracht der besonderen Lage wird das derzeitige Format der Außenbestuhlung geduldet“, sagt Ordnungsamtsleiter Ralph Albrecht.

Lediglich die zu veranschlagende Rettungswegbreite sei aktuell auf das absolut notwendige Mindestmaß reduziert. Er hebt hervor, dass die Ausdehnung der Außenbestuhlung auch das angrenzende Gewerbe betrifft. „Das Mitwirken der Nachbar-Läden sollte also nicht unerwähnt bleiben.“

Bereits nach Ende des ersten Lockdowns im vergangenen Sommer hätte es aus dem Gemeinderat den Wunsch gegeben, stärker „in die Stadt hinein“ stuhlen zu können, so Albrecht. Mitarbeiter von Ortspolizei, Straßenverkehrsbehörde und Feuerwehr suchten also Gastronomiebetriebe mit Außenbewirtung auf öffentlicher Fläche auf, um im konkreten Einzelfall das Mögliche im zu besprechen.

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Am Ende erfolgte eine Durchfahrt mit dem Drehleiterfahrzeug der Feuerwehr um zu prüfen, ob der gefundene Kompromiss zwischen Rettungsweg, Coronaverordnungsvorgaben und Wirtschaftsbetrieb funktionieren kann. „Lösungen konnten in allen Fällen gefunden werden, wobei der Umfang unterschiedlich groß ausfiel“, sagt der Ordnungsamtsleiter.

Die Betreiber von Black Forest Burger haben derweil einen Antrag für zusätzliche Außenbestuhlung beim Ordnungsamt eingereicht. In Absprache mit dem Besitzer des schräg gegenüber lokalisierten Holz-Fach-Geschäfts Baumzeit würden sie gerne nach dessen Ladenschluss ab 18 Uhr dort weitere Tische aufstellen. Die Rettungsgasse könnte trotzdem gewährleistet werden, sagt Julian Puth: „Wir haben einen klar getakteten Ablauf definiert, sodass im Notfall innerhalb kürzester Zeit die Tische abgebaut sind und der Weg frei ist.“

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