Wie lange braucht man, um 2400 Baumsetzlinge zu pflanzen? Das hänge ab von der Bodenbeschaffenheit, den richtigen Werkzeugen und einer sorgfältigen Planung, erklärt Christian Ebe, Privatwaldbesitzer aus Oberalpfen, der seit Tagen mit seiner Partnerin und seinen Eltern in den ausgedehnten Wäldern an der Albhalde, zwischen Oberalpfen und Remetschwiel, beim Pflanzen ist. Ein Problem sei in diesem Jahr die anhaltende Trockenheit. „Im Frühjahr konnte man bisher davon ausgehen, dass genug Regen fällt“, erklärt er. Davon könne im Moment aber keine Rede sein, und eigentlich sei es völlig atypisch, bei der Wiederaufforstung im April gießen zu müssen.

Neu angepflanzte Flächen: Die Jungpflanzen bekommen eine Schutzhülle gegen den Wildverbiss.
Neu angepflanzte Flächen: Die Jungpflanzen bekommen eine Schutzhülle gegen den Wildverbiss. | Bild: Manfred Dinort

Ein Traktor nähert sich langsam im Rückwärtsgang. Sein Vater kommt mit zwei Wassertanks, für jede Pflanze fünf Liter. Er schließt die Schläuche mit Messfunktion an und jeder Setzling bekommt einen kräftigen Schluck. „Wenn die Trockenheit länger anhält, müssen wir regelmäßig raus zum Gießen“, sagt er. „Sonst könnte es sein, dass unsere ganze Arbeit umsonst war.“

Chaos in unseren Wädern: Die großen Lücken, verursacht durch Sturm und Borkenkäfer, müssen wieder aufgeforstet werden.
Chaos in unseren Wädern: Die großen Lücken, verursacht durch Sturm und Borkenkäfer, müssen wieder aufgeforstet werden. | Bild: Manfred Dinort

Nach den immensen Waldschäden der vergangenen Jahre bemühen sich der Staat, die Gemeinden und Privatwaldbesitzer, die katastrophale Situation in unseren Wäldern in den Griff zu bekommen und eine flächendeckende Wiederaufforstung in die Wege zu leiten. Die Familie Ebe hat 2400 Baumsetzlinge bestellt, entsprechend einer der Empfehlung der Forstverwaltung zwei Drittel Nadelbäume (Douglasie und Weißtanne) und ein Drittel Laubbäume (Edelkastanie, Schwarznuss und Wildkirsche). Der zeitliche Aufwand ist immens, auch wenn in zehn Minuten, bei entsprechender Routine, drei bis fünf Pflanzvorgänge bewältigt werden können. Wichtig ist, das passende Werkzeug zur Hand zu haben, die Rhodener Pflanzhaue, den Hohlspaten und die feucht gehaltene Pflanztasche zum Schutz der Wurzeln gegen das Austrocken. Am Nachmittag kommt auch seine Mutter vorbei. „Heute habe ich nur 14 Stück geschafft“, stellt sie am Ende des Tages fest.

Die aktuelle Situation

Im bisherigen Wirtschaftswald haben sich die Weißtannen am längsten gehalten. Aber, weil sie zum Schluss nicht mehr im Verbund standen, sind sie dem Sturm zum Opfer gefallen, in Schräglage geraten oder abgebrochen. Bisher konnten die Waldbesitzer in der Hauptsache auf die natürliche Verjüngung setzen. So ist auch jetzt der Waldboden noch übersät mit Fichtensprösslingen. Sie müssen aber zurückgedrängt werden, um die neuen Baumarten nicht in ihrem Wachstum zu behindern.

Tief- und Herzwurzler

„Jetzt geht es darum, eine Bestandsumwandlung vorzunehmen, damit der zukünftige Wald mit dem Klimawandel zurechtkommt“, erklärt Christian Ebe. Durch die hohe Unsicherheit über die Klimaentwicklung und die langen Umtriebszeiten der Baumarten – oft dauert es 100 Jahre und mehr bis „geerntet“ werden kann – wurde eine Baum-Mischung ausgewählt, die ein breites Spektrum an Eigenschaften abdeckt und das Risiko eines Totalausfalls reduzieren kann. Geht man von längeren Trockenperioden im Sommer aus, benötigt man mehr Tief- und „Herzwurzler“, die ihren Wasserbedarf aus größeren Tiefen decken können. Die Douglasie ist ein Herzwurzler. Sie kann zusätzlich ihre Verdunstung bei Hitzestress reduzieren, aber nicht so gut mit Frühfrost umgehen. Jede Baum­art hat Vor- und Nachteile. Mit einer passenden Kombination soll das System der Wälder stabilisiert werden. Jedenfalls, so Christian Ebe, werde der Wald der Zukunft ein anderes Gesicht haben.

Alte Bäume müssen raus

Bevor aber die Bestandsumwandlung angegangen werden konnte, mussten die geschädigten Flächen abgeräumt werden. Diese Arbeiten konnten nur durch den Einsatz von Vollerntemaschinen und professionellen Waldarbeitern bewältigt werden. „Alleine hätten wir das nicht geschafft“, sagt Christian Ebe. Einen wichtigen Anstoß zur Wiederaufforstung gab das Land, das staatliche Unterstützung bereitstellte. Trotzdem mussten Tausende Euro aus privaten Mitteln eingesetzt werden, für Pflanzen und Schutzhüllen gegen Wildschäden. Das übergeordnete Ziel sei, einen klimabeständigen Mischwald mit einem Drittel Laubbäumen heranzuziehen der für die Produktion von Bau-, Möbel- und Furnierholz dient. Jungpflanzen stünden ausreichend zur Verfügung, allerdings seien im vergangenen Jahr die Douglasien nicht mehr überall lieferbar gewesen. Gepflanzt wird nach einem bestimmten Raster, wobei in der Planung davon ausgegangen wird, dass im fertigen Wald deutlich weniger Bäume stehen werden. Auch die Pflege in den darauffolgenden Jahren muss gewährleistet werden.

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Die andere Seite: Der Holzmarkt sei völlig überschwemmt, die Preise stünden massiv unter Druck, man könne zurzeit nicht oder kaum noch kostendeckend arbeiten. Aber das allein mache den Wert des Waldes nicht aus, so Christian Ebe. „Der Wald erfüllt eine wichtige klimatische Funktion, die in Zeiten des Klimawandels gar nicht hoch genug angesetzt werden kann.“ Er binde Feuchtigkeit, Kohlendioxid und produziere Sauerstoff, mildere extreme Temperaturschwankungen und biete wertvollen Erholungsraum, „Leistungen, die der Waldbesitzer der Gesellschaft unentgeltlich zur Verfügung stellt“, sagt Ebe.